18.07.2019

Klimaneutralität – Lateinamerika setzt auf die Wiederherstellung von Landschaften

Minister Sergio Bergman aus Argentinien eröffnet die Diskussionen; Foto: ©WRI/Initiative 20x20

Minister Sergio Bergman aus Argentinien eröffnet die Diskussionen; Foto: ©WRI/Initiative 20x20

Beim Jahrestreffen der Initiative 20x20 am 18. und 19. Juni 2019 in Buenos Aires, Argentinien, haben die Partnerländer ihr Engagement zur Wiederherstellung geschädigter Landschaften bekräftigt. Dies wurde als zentrale Strategie für nachhaltiges Wirtschaftswachstum, geringere THG-Emissionen, Fortschritte bei der Biodiversität und eine höhere Produktivität erkannt. Die Länder planen, ihre Maßnahmen und Investitionen zur Wiederherstellung von Flächen miteinander abzustimmen und bis 2050 einen Stand zu erreichen, der die Klimaneutralität der Region ermöglichen könnte. Dafür sind nach einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen schätzungsweise ca. 250 Millionen Hektar wiederhergestellte Flächen erforderlich.

"Wenn sich die lateinamerikanischen und karibischen Länder der Klimaneutralität annähern und dabei gleichzeitig ein nachhaltiges Angebot für die rapide wachsende globale Nachfrage nach Nahrungsmitteln und Holz bereitstellen, könnte diese Verpflichtung ein wesentlicher Beitrag zu den Zielen des Übereinkommens von Paris sein und der Region den Weg zur Klimaneutralität ebnen", erklärt Walter Vergara, Koordinator der Initiative 20x20. "Es ist ein ehrgeiziges Ziel, aber wir können es erreichen, wenn wir die derzeitigen politischen, technologischen und wirtschaftlichen Entwicklungen richtig nutzen."

An dem Treffen in Buenos Aires nahmen 15 Minister und stellvertretende Minister lateinamerikanischer und karibischer Länder, die Vertreter von 12 wirkungsorientierten Fonds und 200 Fachexperten teil.

Die Initiative 20x20 wurde 2014 bei der UN-Klimakonferenz in Lima, Peru, gegründet und verfolgt das Ziel, den Trend der Bodenverschlechterung in der Region umzukehren und bis 2020 mit der Restaurierung von insgesamt 20 Millionen Hektar Flächen zu beginnen. 104 Projekte und Programme für ca. 17 Millionen Hektar Flächen in ganz Lateinamerika und der Karibik haben die Partner der Initiative bereits ins Leben gerufen und damit schätzungsweise 1 Milliarde $ der 2,4 Milliarden $ an bereitgestellten Mitteln gebunden.

Hier sind einige wichtige Meilensteine der Initiative (Genaueres unter http://initiative20x20.org/restoration-projects):

  • In Argentinien und Chile werden von der Conservación Patagónica und anderen Partnern mehr als 500.000 Hektar Flächen wiederhergestellt, um die Nachhaltigkeit zu stärken und den Anteil an ursprünglichen Landschaften zu vergrößern. Zu den betroffenen Gebieten zählen etwa das Chacabuco-Tal in Chile und die Iberá-Sümpfe in Argentinien.
  • Dank der Unterstützung aus dem Andes Amazon Fund werden in der Andenregion des Amazonas mehr als 6 Millionen Hektar Flächen geschützt, die insgesamt fast so groß sind wie Frankreich. Unter ihnen befinden sich die Nationalparks Sierra del Divisor in Peru und Chiribiquete in Kolumbien.
  • Kolumbien hat die Schaffung eines Restaurierungskorridors in der Grenzregion zu Brasilien und Ecuador initiiert. Das 9,2 Millionen Hektar große Gebiet (etwas größer als Deutschland und Spanien zusammen) soll helfen, die Degradation im Amazonas-Raum zu stoppen.
  • Kaeté Investimentos und Althelia Funds / INOCAS leiten mit der Unterstützung von IDB Invest in Brasilien ein Programm, das sich darum dreht, die Palmölproduktion auf Grundlage der Afrikanischen Ölpalme zu ersetzen. Perspektivisch könnte es möglich sein, letztlich ganz auf diese Produktionsweise zu verzichten, die wesentlich zur Entwaldung in Brasilien beiträgt.
  • In einem Programm unter der Führung der mexikanischen Forstkommission (CONAFOR) wird die Wiederaufforstung von 1 Million Hektar Land vorangetrieben - zusätzlich zu den fast 7,5 Millionen Hektar, deren Wiederherstellung Mexiko bereits im Rahmen der Bonn Challenge versprochen hat.
  • 12Tree führt in 6 Ländern 10 Projekte mit agroforstwirtschaftlichem Schwerpunkt durch, denen ein robustes Umweltschutzprotokoll und solide Monitoring-Kennzahlen zugrunde liegen und für die 400 Millionen $ zugesagt sind.
  • Es laufen verschiedene Initiativen für eine nachhaltige Agroforstwirtschaft (Kaffee, Zitrusfrüchte, Kokosnüsse und Kakao), von denen Tausende von ländlichen Gemeinden profitieren könnten.