15.11.2019

Klimaschutz und Biodiversität in Brasilien: IKI-Vernetzungsworkshop

Diskussionen auf dem IKI Workshop in Brasilien; Foto: Janine Moraes/GIZ

Diskussionen auf dem IKI Workshop in Brasilien; Foto: Janine Moraes/GIZ

Am 12. November trafen sich fast 100 Verantwortliche von 25 IKI-Projekten, aus den brasilianischen Partnerministerien und -organisationen sowie dem Deutschen Umweltministerium (BMU) und der Deutschen Botschaft zum dritten, jährlich stattfindenden Vernetzungsworkshop. In diesem Jahr stand in der Hauptstadt Brasilia die ebenenübergreifende Zusammenarbeit zwischen nationalen, bundestaatlichen und lokalen Akteuren im Vordergrund. Neben dem wichtigen Erfahrungsaustausch, dem Benennen von Erfolgen und Hürden der Umsetzung ging es auch um versöhnliche Töne zwischen Deutschland und Brasilien: Beide Seiten bekräftigten ihren Willen und ihre Bereitschaft zur weiteren Zusammenarbeit beim Klimaschutz und für die Biodiversität. Zuletzt war die gute Zusammenarbeit der Länder durch unterschiedliche Auffassungen bei der Waldpolitik ins Stocken geraten.

Vertreterinnen und Vertreter der brasilianischen Regierung, des BMU und der Deutschen Botschaft beim IKI Workshop; Foto: Susanna Berhorn

IKI-Schnittstellenprojekte fördern in den meisten Partnerländern der Internationalen Klimaschutzinitiative den Erfahrungs- und Informationsaustausch. In Brasilien erfüllt das Programm „Klimapolitik (PoMuC)“ seit Ende 2016 diese Funktion. Es hilft dabei, die insgesamt 38 bilateralen, regionalen und globalen Projekte zu vernetzen, die von 19 verschiedenen Durchführungsorganisationen gemeinsam mit insgesamt sieben brasilianischen Ministerien umgesetzt werden. Mit dem diesjährigen interaktiven Workshopformat hat PoMuC insbesondere das voneinander Lernen in den Vordergrund gestellt. Vielfältige Synergieeffekte und neue Partnerschaften zwischen Projekten, die in derselben Region oder an vergleichbaren Themen arbeiten, haben sich ergeben. Insbesondere in den Bereichen Biodiversität, nachhaltige Stadtentwicklung und Abfallmanagement konnten die Projektverantwortlichen und Kommunalvertreterinnen und -vertreter neue Ideen und funktionierende Konzepte austauschen. Für einige Projekte konnten sich auch Fragen an Ansprechpartner in den Ministerien erfolgreich klären lassen, die durch die Regierungsumbildung Anfang 2019 teilweise verloren gegangen waren.

Klimainformationen- und risiken bei Investitionen in die Infrastruktur mitdenken ist Gegenstand des IKI Projekts "CSI"; Foto: Janine Moraes/GIZ

Brasilien ist als neuntgrößte Volkswirtschaft der Welt und großer CO2-Emittent nicht nur ein zentraler Akteur im Klimabereich, sondern auch ein wichtiges Partnerland Deutschlands und insbesondere der IKI - seit ihrem ersten Jahr. Brasiliens proaktive Rolle bei der multilateralen Arbeit für eine nachhaltige Entwicklung wurde dabei immer hochgeschätzt. Seit der Verabschiedung der Agenda 21 und der Erklärung von Rio de Janeiro im Jahr 1992 setzte sich Brasiliens Regierung für einen internationalen Konsens über Konzepte für nachhaltige Entwicklung ein. Dieser Prozess gipfelte in der Annahme der Agenda 2030 und ihrer SDGs. Deutschland und Brasilien haben dabei gemeinsam eine starke Rolle gespielt.

In seinen 2015 eingereichten national festgelegten Klimaschutzbeiträgen (NDCs) sieht Brasilien eine Verringerung der Treibhausgas (THG)-Emissionen um 37 Prozent bis 2025 und um 43 Prozent bis 2030 im Vergleich zum Jahr 2005 vor. Die Minderungsmaßnahmen sind zusätzlich zu den NDCs auch in sogenannten Sektorplänen (z.B. für die Sektoren Wald, Energie, Landwirtschaft, Transport) verankert. Anpassung an die Folgen des Klimawandels ist eine zweite Säule der brasilianischen NDCs. Veränderte Niederschlagsmuster und Temperaturextreme begünstigen Wald- und Savannenbrände, Dürren, aber auch regionale Überflutungen und Erdrutsche in Brasilien. Die daraus hervorgehende Gefährdung von Mensch und Infrastruktur stellen nach wie vor große Herausforderungen für das Land da.

Gleichermaßen beeinflusst der Klimawandel die Biodiversität, die landwirtschaftliche Produktion und hat durch den Anstieg des Meeresspiegels auch zerstörerische Auswirkungen auf die küstennahe Infrastruktur. Dementsprechend setzt Brasilien seit 2016 auf einen Anpassungsplan, der das Land unterstützt, seine Vulnerabilität gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels zu verringern.

In dem großen lateinamerikanischen Land sind immerhin 20 Prozent der weltweiten Artenvielfalt beheimatet. Diese Arten sind auf einem Gebiet von rund 1,6 Millionen Quadratkilometer unter Schutz gestellt, eine Fläche, die etwa der 4,4-fachen Deutschlands oder auch 18 Prozent der kontinentalen Fläche Brasiliens entspricht. Hinzu kommen Meeresschutzgebiete, die ungefähr 2,5-mal so groß wie die Ostsee sind. Vom Schutz profitieren unter anderem sensible Ökosysteme wie Korallenriffe. Mit diesen Schutzgebietsausweisungen hat Brasilien das im Rahmen der Biodiversitätskonvention (CBD) national gesetzte Aichi-Ziel für die Errichtung mariner Schutzgebiete bis 2020 erreicht.

Das INTERACT-Bio Projekt unterstützt den Schutz der Artenvielfalt in urbanen Räumen; Foto: Janine Moraes/GIZ

Auch auf subnationaler Ebene berücksichtigen verschiedene brasilianische Bundesstaaten und Gemeinden Minderungs- und Anpassungsmaßnahmen beispielsweise in Planungsprozessen und verabschieden eigene Klimagesetze und -pläne. Für die Zukunft haben die teilnehmenden brasilianischen Partnerministerien auf dem Schnittstellenworkshop die Entwicklung der Bekämpfung von Meeresmüll, den Küstenschutz und nachhaltige Stadtentwicklung in den Vordergrund gestellt.


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