05.06.2020

Kolumbien: Hotspot der Artenvielfalt

Blick auf dem Tatama Nationalpark in Kolumbien

Blick auf dem Tatama Nationalpark: In Kolumbien finden sich unterschiedlichste Ökosysteme und eine große Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Foto: Shutterstock

Der Amazonas-Regenwald, die Anden, Küstenzonen zum pazifischen und atlantischen Ozean, ausgedehnte Flusslandschaften: Schon diese kleine Auswahl verdeutlicht die Vielfalt der Ökosysteme, die es in Kolumbien gibt. Entsprechend groß ist die Vielfalt an Pflanzen und Tierarten. Rund zehn Prozent der Arten, die es auf der Welt gibt, finden sich in Kolumbien. Der Schutz der Arten und ihrer Lebensräume ist daher auch international von großem Interesse.

Deutschland und Kolumbien: Gemeinsam für den Schutz von Klima und Ökosystemen

Auf die Bedeutung Kolumbiens als „Biodiversitäts-Hotspot“ macht in diesem Jahr der Weltumwelttag aufmerksam. Das Schwerpunkthema 2020 ist der Schutz der Biodiversität und Kolumbien konnte, in Partnerschaft mit Deutschland, als Gastland gewonnen werden. Hier finden Sie die Aufzeichnung des Livestreams zum "Host Country Programme" vom 5. Juni in Kolumbien.

Die Zusammenarbeit der beiden Länder im Bereich Klima- und Artenschutz ist bereits etabliert. So ist Kolumbien ein Schwerpunktland der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI). Im Rahmen der IKI fördert das Bundesumweltministerium derzeit 46 Klima – und Biodiversitätsprojekte in Kolumbien, davon zielen insgesamt 21 auf den Schutz der Biodiversität ab. Acht der biodiversitätsrelevanten Projekte werden bilateral, also ausschließlich in Kolumbien, umgesetzt (31 Millionen Euro), vier Projekte regional in Kolumbien und benachbarten Ländern (18 Millionen Euro für alle Länder) und neun Projekte sind (54 Millionen Euro für alle Länder) global verankert.

Die bilateralen Projekte arbeiten zu biodiversitätsrelevanten Themen aus dem Bereich Anpassung an den Klimawandel, Erhalt und nachhaltige Nutzung von natürlichen Kohlenstoffsenken/REDD+ und Schutz und Management natürlicher Ökosysteme.

Einblick in die IKI-Arbeit: Landnutzungskonflikte verringern, indigene Gruppen beteiligen, Biodiversität bewerten

Die Verringerung oder Lösung von Landnutzungskonflikten ist ein Schlüssel zum Schutz der Biodiversität – und zum Frieden in Kolumbien. Um beispielsweise die einzigartigen natürlichen Wälder zu erhalten, fördert die IKI unter anderem nachhaltige Nutzungsformen, insbesondere in der Landwirtschaft, und identifiziert „Entwaldungstreiber“. So soll nicht nur die weltweit einzigartige Artenvielfalt dieses Ökosystems, sondern auch die natürlichen Kohlenstoffsenken des Landes erhalten werden.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Arbeit der IKI in Kolumbien ist es, die indigenen Bevölkerungsgruppen einzubinden und ihr Wissen zu erhalten. Zum Beispiel im Nordwesten des Landes: dort sind viele nationale und regionale Schutzgebiete dem Druck durch die Bergbauindustrie ausgesetzt. Hier unterstützt ein Projekt die Umweltplanung von indigenen Reservaten und zeigt Möglichkeiten nachhaltiger Nutzung von Biodiversität, insbesondere durch Frauen, auf. So wird traditionelles Wissen geschützt und für die Menschen in Wert gesetzt

Um den Schutz der Biodiversität in das politische und planerische Handeln zu integrieren hilft es, den Nutzen eines Ökosystems zu kennen und seinen Wert zu beziffern. Darum geht es in einem IKI-Projekt zum Schutz der Flusslandschaft des Orinoco. Dieses komplexe Ökosystem ist überwiegend noch unberührt und erbringt wichtige „Dienstleistungen“ für die Bevölkerung. Denn: Flussökosysteme sind ein wichtiger Faktor, beispielsweise für die Trinkwassergewinnung, für eine produktive Landwirtschaft oder für die Klimaregulation. Damit das in der Orinoco-Region so bleibt, muss die wachsende Agrarindustrie des Landes den Wert des Ökosystems berücksichtigen und dessen Schutz gewährleisten. Dazu vermittelt ein IKI-Projekt Akteuren vor Ort Ansätze zur ökonomischen Bewertung der biologischen Vielfalt und von Ökosystemdienstleistungen.

Wollen Sie mehr über die IKI Arbeit in Kolumbien erfahren? Weitere Einblicke bieten unsere Projektvideos und -steckbriefe.

Hintergrund: Warum brauchen wir globale Biodiversität?

Der Begriff Biodiversität - oder biologische Vielfalt - umfasst die Vielfalt der Ökosysteme, der Arten und die genetische Vielfalt der Arten. In einem Ökosystem und zwischen Ökosystem hängt „alles mit allem zusammen“, das heißt: Jede Art hat eine Funktion und trägt zum ökologischen Gleichgewicht bei.

Artenvielfalt und intakte Ökosysteme haben zum einen intrinsische Werte, zum anderen profitiert der Mensch an vielen Stellen ganz konkret davon. Zum Beispiel mit Blick auf das Angebot von Nahrungsmitteln, die Verfügbarkeit von Heilpflanzen oder die Auswahl an Baumaterialien wie Holz oder Sand. Zu den „Ökosystemleistungen“ gehören zudem Funktionen wie der Schutz vor Hochwasser, den beispielweise Mangrovenwälder ermöglichen.

Weitere Informationen zur Bedeutung der biologischen Vielfalt hat das Bundesumweltministerium in einem Fragen- und Antworten-Dokument zusammengefasst.