17.09.2021

Lädt Deine Stadt zu Spaziergängen ein?

Fußgänger

Fußgänger in der Avenida 4 in San Jose. Foto: GIZ / Proyecto MiTransporte / Pablo Cambronero

Costa Rica hat eine traumhafte Natur und ist weltberühmt für seine Strände und seinen Naturschutz. Die öffentlichen Räume im städtischen Umfeld sind jedoch – von wenigen Ausnahmen abgesehen –schlecht gestaltet und nicht gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

Eine institutionsübergreifende Initiative, unterstützt von der lokalen Zivilgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), setzte sich für einen gesetzlichen Rahmen zur Förderung der aktiven Mobilität und des Verkehrs mit verschiedenen Verkehrsmitteln und Verkehrsträgern ein. Im Ergebnis veröffentlichte Costa Rica 2019 sein Gesetz über die Sicherheit und Mobilität im Radverkehr und 2021 sein Gesetz über die fußläufige Mobilität sowie ergänzende Verordnungen und Normen. Die Erarbeitung dieser Maßnahmen wurde durch von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) geförderten Projekt „Klimaschutz im Verkehr in Costa Rica (MiTransporte)“ unterstützt.Auf Grundlage dieser Vorschriften sind Kommunen nun verpflichtet, innerhalb ihres Gebiets Infrastruktur für Fußgänger und Radfahrer bereitzustellen. Hierzu werden Mittel aus dem Staatshaushalt auf die lokale Ebene übertragen.

Um die Lücke zwischen den neuen Rechtsvorschriften und den vorhandenen technischen Möglichkeiten der Kommunen zu schließen, entwickelte das Institut für Stadtentwicklung und Kommunalberatung von Costa Rica (IFAM) und die GIZ im Rahmens des MiTransporte-Projektes die App für aktive Mobilität (IMA).

Detaillierte Analyse der Bedingungen

Die App nutzt verschiedene Indikatoren, um die Infrastruktur für Fußgänger, die Fahrradwege, Parks und Plätze zu analysieren. Bei dem webbasierten Tool handelt es sich um eine digitale Plattform, die allen Kommunen des Landes zur Verfügung steht. Sie soll den Entscheidungsfindungsprozess mit Blick auf Straßenbaumaßnahmen und Eingriffe in den öffentlichen Raum beschleunigen und erleichtert somit die Bewertung der Bedingungen für Fußgänger, Radfahrer und der Verhältnisse im öffentlichen Raum.

Die App verfügt über drei Bewertungskategorien: erstens Zugänglichkeit für Fußgänger und allgemeine Zugänglichkeit zweitens Eignung für den Radverkehr und drittens Öffentliche Räume. In jeder Kategorie werden mehrere Indikatoren wie die Breite der Fußwege, Beleuchtung, effektive Raumnutzung, Serviceniveau und Raumgeometrie gemessen. Nach einer Datenerhebung vor Ort und einer Erhebung georeferenzierter Daten mithilfe von OpenStreetMap liefert die App eine allgemeine Bewertung des Projekts und eine konkrete Benotung für die gewählten Indikatoren. 

Ergebnisse in Echtzeit

„Die IMA zeigt Echtzeitergebnisse in Form von Karten und Zahlen an“, fasst Eduardo Picado zusammen, der dem Entwicklerteam von IFAM angehört. 

Die Ergebnisse verschaffen kommunalen Technikern die notwendigen Informationen, um zu entscheiden, wo und wie Gestaltungsvariablen und Investitionen zur Verbesserung der Ausgangsbedingungen priorisiert werden sollten. Außerdem dient die IMA als Kontrollinstrument, um die Raumqualität vor und nach kommunalen Arbeiten zu messen.

„Mit der IMA konnten wir unsere Infrastruktur für die aktive Mobilität in die Kategorien gut, ausreichend und schlecht einstufen. Anhand dieser Informationen haben wir unsere künftigen Maßnahmen und unser Budget geplant“, fügt Cynthia Rosales von der Stadtverwaltung in San José hinzu.

Die IMA gehört zu einer Strategie, mit der verschiedene Maßnahmen gemeinsam mit Städten im Großraum San José erprobt werden sollen, um sie später im gesamten Land anzuwenden. Derzeit arbeitet das Team von GIZ und IFAM daran, die Nutzung der App durch Kommunalverwaltungen in ganz Costa Rica zu fördern und hofft, künftig zu beobachten, wie sich die IMA auf den Bau neuer Infrastruktur für alle auswirkt.