23.07.2012

Lizenzen zur Wiederherstellung von Ökosystemen in Indonesien 

Zwei Männer stehen auf einem Baumstamm, der über einen Fluss im Wald führt

Quelle: RSPB

In Indonesien befindet sich ein bedeutender Teil der weltweit verbliebenen tropischen Wälder. Obwohl sie als international wichtiger Kohlenstoffspeicher und Lebensraum gelten, sind zwei Drittel der Fläche als Produktionswälder klassifiziert. Gerade auf den beiden Inseln Sumatra und Borneo verschwinden jeden Tag riesige Waldflächen durch Abholzung, Brände oder Umwandlung in Palmölplantagen. Werden diese Waldgebiete wie bisher genutzt, könnten nach Schätzungen der indonesischen Regierung innerhalb der nächsten 20 Jahre 14 Millionen Hektar Wald zerstört oder nachhaltig geschädigt sein. Das hätte einen Ausstoß von 2,8 Milliarden Tonnen CO2 zur Folge. Zudem verlieren zahlreiche endemische Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum, wie zum Beispiel der bedrohte Sumatra-Tiger.

2004 hat die indonesische Regierung eine wichtige Grundlage für den Waldschutz geschaffen: Neben den konventionellen Forstkonzessionen können Lizenzen für Ökosystem-Wiederherstellung, sogenannte Ecosystem Restoration Licenses, vergeben werden. Die Inhaber solcher Lizenzen sind verpflichtet, das Waldökosystem zu bewahren und wiederherzustellen. Seit 2007 können private Organisationen Lizenzen für Waldgebiete erwerben, die in der Vergangenheit für die kommerzielle Holzfällung genutzt wurden. 

Regenwald aufforsten und nachhaltig nutzen

Das mit Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) geförderte Projekt der KfW Entwicklungsbank trägt auf Basis der erworbenen Lizenzen zum Erhalt des rund 100.000 Hektar großen Waldgebietes Harapan Rainforest auf der indonesischen Insel Sumatra bei. Projektpartner sind der Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU), die britischen Royal Society for the Protection of Birds (RSPB), BirdLife International und die indonesische Organisation Burung Indonesia. Zusammen wurde die gemeinnützige Stiftung Yayasan KEHI gegründet, die das Konzessionsgebiet im Harapan Regenwald verwaltet. Die Projektpartner bauen Baumschulen auf, stellen Waldgebiete wieder her und setzen sich für nachhaltige Managementmethoden auf den Konzessionsflächen ein. So konnten 2011 in vier Gemeindebaumschulen 1,7 Millionen Setzlinge gepflanzt und eine Fläche von über 500 Hektar aufgeforstet werden. Um Waldbrände und illegalen Holzeinschlag zu bekämpfen, setzt das Projekt Monitoringmaßnahmen wie Frühwarnsysteme und Patrouillen ein. Es arbeitet eng mit der lokalen Bevölkerung zusammen, die auf der Konzessionsfläche und in deren Nachbarschaft lebt. Durch Aufforstungsarbeiten, Nutzung von Nichtholzprodukten, nachhaltige Landwirtschaft in der Pufferzone und Ökotourismus schafft das Projekt in Abstimmung mit den Anwohnern neue Einkommensquellen. Yayasan KEHI steht zusammen mit den lokalen Behörden kontinuierlich mit neuen Siedlern im Dialog, um über die bestehenden Gebietsgrenzen zu informieren und Vereinbarungen für die nachhaltige Nutzung der Wälder zu treffen. Baumpflanz-Aktionen sowie Foto- und Umweltwettbewerbe mit lokalen Schulen und Jugendorganisationen bringen Jugendlichen den Schutz des Waldes näher. Zudem unterstützt das Projekt die Regierung dabei, ihre Fähigkeiten zur Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und der Zerstörung von Wäldern (REDD+) sowie zur Wiederherstellung von Ökosystemen auszubauen.

Das Harapan-Regenwald-Projekt wendet als erstes Vorhaben das neue Lizenzgesetz des Landes an. Innerhalb von 30 Jahren können so durch nachhaltiges Management des Harapan Regenwaldes zirka 10 bis 15 Millionen Tonnen CO2 gespeichert werden. Zudem entfaltet es  in Indonesien eine hohe Strahlkraft als Modellvorhaben für erfolgreichen Tropenwald-, Klima- und Biodiversitätsschutz: Mittlerweile wurden bereits 41 weitere Lizenzen für Ökosystem-Wiederherstellung beim Forstministerium beantragt.


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