15.06.2021

Lösungen für nachhaltiges Abfallmanagement

Elektroschrott

Das IKI-Projekt Urban Pathways startet Demonstrationsmaßnahmen in Städten für den nachhaltigen Umgang mit Abfällen in Schlüsselschwellenländern. Foto: UN-Habitat

Unzureichendes Abfallmanagement gefährdet in vielen Ländern Menschen und Umwelt gleichermaßen. Vor allem in Städten fallen Unmengen an Abfällen an, deren nachhaltige Entsorgung von großer Bedeutung sind, um die Gesundheit der Einwohnerinnen und Einwohner zu sichern. Das von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) finanzierte Projekt „URBAN PATHWAYS: Unterstützung von Niedrigemissionsplänen für städtische Grundversorgung im Kontext der New Urban Agenda“ unterstützt nationale und lokale Regierungen in Schlüsselschwellenländern bei der Entwicklung von nationalen Aktionsplänen und konkreten lokalen Umsetzungsplänen zur Förderung einer nachhaltigen und emissionsarmen Stadtentwicklung. In Zusammenarbeit mit seinen Partnerstädten brachte das Vorhaben mehrere Demonstrationsprojekte für ein nachhaltiges Abfallmanagement auf den Weg.

Abfallvermeidungsprojekte in Nairobi

In Nairobi nutzte Urban-Pathways-Koordinator UN-Habitat das kürzlich vorgestellte Waste Wise Cities Tool (WaCT), um Daten für zukünftige Abfallmengen zu ermitteln. Aus den daraus generierten Daten identifizierte es zusammen mit lokalen Stakeholdern mehrere politische Maßnahmen, die das kommunale Abfallmanagement und eine städtische Kreislaufwirtschaft verbessern können. Gleichzeitig wurden Infrastrukturlücken erkannt, die es für ein nachhaltiges Management zu schließen gilt. Zu den Partnern gehören unter anderem die Nairobi Metropolitan Services, große lokale Abfallsammel- und Recyclingunternehmen sowie Community based organisations (CBOs) die sich mit der Abfallsammlung in einkommensschwachen Gebieten und dem informellen Sektor beschäftigen, und Vertretende des informellen Sektors.  Die Ergebnisse wurden in Nairobis Aktionsplan für nachhaltiges Abfallmanagement 2020-2022 aufgenommen.

Eine weitere externe Finanzierung durch die Alliance to End Plastic Waste ermöglichte es dem Urban-Pathways-Team, weitere Maßnahmen zu entwickeln, um den nicht gesammelten Abfall zu reduzieren und die Kunststoffverwertung in Nairobi zu steigern. Dabei arbeitet es derzeit eng mit den Nairobi Metropolitan Services und anderen lokalen und internationalen Interessenvertretenden zusammen. Ziel ist es ein Projekt zu entwickeln, das die Abfallsammel- und -Verwertungskapazitäten der kenianischen Hauptstadt stärken wird. Das Team arbeitet mit dem kenianischen Ministerium für Umwelt und Forstwirtschaft zusammen, um ein System der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility) in Kenia zu entwickeln. Mit dieser Strategie sollen alle mit einem Produkt während des gesamten Produktlebenszyklus verbundenen Umweltkosten im Marktpreis berücksichtigt werden. Teil des EPR-Systems das finanzielle Mittel von EPR-Organisationen zu lokalen Reinigungsgruppen fließen, die informelle Siedlungen bedienen, um Kunststoffe in die Verwertungskette zurückzunehmen.

Pilotprojekt zu Elektroschrott in Quito

Ein weiteres Projekt, das sich um nachhaltige Abfallwirtschaft bemüht, ist das „e-nnovating Quito: sustainable e-waste management supported by collect-and-learn-truck“. Es wurde im Rahmen von Urban Pathways entwickelt und im „Call for Solutions“ der PREVENT Waste Alliance als eines von acht Pilotprojekten ausgewählt. Die PREVENT Waste Alliance ist eine Initiative des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Umsetzungspartner sind die Stadtverwaltung in Quito, Vertmonde (das größte Recyclingunternehmen in Ecuador), das Wuppertal Institut für Umwelt, Klima, Energie und Cylos GmbH. Die Umsetzung läuft seit Anfang des Jahres 2021.

Im Jahr 2019 fielen in Ecuador bis zu 99.000 Tonnen Elektroschrott an, von denen weniger als drei Prozent durch formelle Recyclingunternehmen recycelt wurden. Ziel des Projekts "E-nnovating Quito" ist daher, ein erstes Elektroschrott-Sammelsystem in Ecuador zu konzipieren und umzusetzen.

Geplant sind mobile Sammeleinheiten, die den gesamten Großraum der ecuadorianischen Stadt Quito abfahren und zugleich als Lernzentrum für Themen rund um Recycling und Management von Elektroschrott dienen. Diese innovative Doppelfunktion ist ein effektiver Weg, um die Sammelquoten zu erhöhen, sowie die Bürgerinnen und Bürger zu erreichen und einzubinden und so die Wirkung zu vergrößern. Die mobilen Sammelstellen werden durch eine Webplattform ergänzt, sodass Bürgerinnen und Bürger die Sammelrouten verfolgen und online Bildungsinhalte erhalten können. Zudem soll das Projekt weitere Daten zum Aufkommen von Elektroschrott sammeln.

Darüber hinaus wird das Projekt Politikempfehlungen erarbeiten, um das Prinzip der erweiterten Herstellerverantwortung auf Stadtebene zu verankern und dabei zu helfen, es in anderen Städten anzuwenden sowie auf andere Abfallströme auszuweiten. Dies geschieht im Austausch mit nationalen Ebenen, die aktuell ein Kreislaufwirtschaftsgesetz diskutieren. Ergänzend dazu werden die Erfahrungen des Projektes aufbereitet, dass sie in anderen Urban-Pathways-Parterstädten genutzt werden können.

Nachbarschaftliche Abfallprojekte

Das Urban-Pathways-Projekt entwickelt darüber hinaus mit den Partnerstädten Belo Horizonte, Quito und Kochi auf Quartiersebene lokale, partizipative Projekte, die an der Schnittstelle zwischen Mobilität und Abfallmanagement angesiedelt sind. Im Rahmen von temporären Spielstraßen oder Verkehrsberuhigungsmaßnahmen werden bspw. Informationen und Trainings für Kompostierung und Abfalltrennung angeboten und durchgeführt.