29.10.2019

Mikronesien und Melanesien: Tradition und Natur bereiten den Weg in die Zukunft

Ngardoksee in Palau

Ngardoksee in Palau; Foto: Chiara Franco, The Nature Conservancy

The Nature Conservancy hat vor kurzem zusammen mit internationalen, regionalen und lokalen NROs (darunter IUCN, Rare und Micronesia Conservation Trust), internationalen Forschungsinstituten (darunter das Helmholtz Zentrum für Umweltforschung UFZ und das Institut für Umweltstudien der Freien Universität Amsterdam VU-IVM) sowie mehreren regionalen und nationalen staatlichen Stellen ein auf vier Jahre angelegten Projekts zur Förderung der ökosystembasierten Anpassung (EbA) erfolgreich abgeschlossen. Das übergeordnete Ziel des Vorhabens bestand darin, die Resilienz von Gemeinden und Ökosystemen gegenüber dem Klimawandel zu stärken. Zu diesem Zweck hat das Projekt auf Ökosystemdienstleistungen gesetzt, die einen entscheidenden Beitrag zu den Lebensgrundlagen der Menschen leisten. Dadurch ist es in zehn Gemeinden gelungen, die Fähigkeit der Menschen zur Anpassung an den Klimawandel zu stärken.

Das Vorhaben hat verschiedene Instrumente zur Bewertung der Raumplanung sowie zur Ermittlung von Handlungsbedarfen in den Bereichen Wirtschaft und Partizipation integriert, um eine Partnerschaft mit Gemeinden, lokalen Organisationen, internationalen Institutionen und Regierungen aufzubauen. Dabei wurde in besonderer Weise darauf geachtet, dass die Resilienz der Ökosystemdienstleistungen erhalten bleibt. Im Verlauf dieses Prozesses hat sich gezeigt, dass die Bevölkerung über ein umfassendes traditionelles Wissen verfügt, das im Zusammenspiel mit modernen Technologien die Anpassung an den Klimawandel unterstützen kann.

Im Rahmen des Projekts wurden verschiedene Erfolgsmethoden für die Umsetzung des EbA-Konzepts dokumentiert, die vor allem im Küstenschutz sowie zur Gewährleistung der Nahrungsmittel- und Wassersicherheit in kleinen Inselstaaten zum Tragen kommen. Darüber hinaus hat das Projekt erfolgreiche Strategien für die gesamte Region eingebracht.

Zu den verschiedenen EbA-Maßnahmen des Projekts gehörten die Ausarbeitung eines Plans für eine klimaschonende Entwicklung, das gemeindebasierte Vorhaben zur Rekultivierung der Flächen rund um den Lake Ngardok in Melekeok (Republik Palau) sowie das von der Gemeinde Mejit geleitete Vorhaben zur Anpflanzung von Brotfruchtbäumen, das zum Aufbau eines Landschutzgebiets auf den Marshallinseln beigetragen hat.

Klimaschonende Wohnbebauung in Melekeok

Melekeok hat als erstes Gebiet in der Region einen Plan für eine klimaschonende Wohnbebauung vorgelegt. Dieser Plan enthält Leitlinien für Hochlandhäuser, die Entwicklung von Pacht- und Mietverhältnissen sowie die Modernisierung von Bestandsbauten. Mit den Vorgaben sollen die künftige Wohnraumentwicklung in Melekeok gesteuert und die Resilienz gegenüber den erwarteten Auswirkungen des Klimawandels gestärkt werden. Angestrebt wird eine nachhaltige Landnutzungsplanung in Gebieten, in denen die Gefahr einer kommerziellen Übernutzung besteht. Dadurch sollen wertvolle Küsten- und Meeresressourcen geschützt werden.

-	Partizipatives 3D-Modell in der Republik Palau; Foto: Johannes Fӧrster, UFZ

Wenn Geodaten und traditionelles Wissen zusammenkommen: Brotfruchtbaumzucht auf den Marschallinseln

Auf den Marshallinseln hat die lokale Frauengruppe Ainikien Kora In Mejit (AKIM) die auf der Insel vorhandenen Brotfruchtbäume durch Geotagging erfasst und ihren Gesundheitszustand bewertet. Brotfruchtbäume haben in Mikronesien und Melanesien einen hohen kulturellen und wirtschaftlichen Wert, denn sie dienen als Brennholz und zum Bau von Kanus, liefern Nahrungsmittel und bieten Einkommensmöglichkeiten. Aus den Geotagging-Daten wurden Karten erstellt, in die traditionelles Wissen eingeflossen sind. In diesen Karten sind Gebiete ausgewiesen, die sich besser bzw. weniger für die Bepflanzung mit Brotfruchtbäumen eignen. Zu den weniger geeigneten Standorten zählen beispielsweise Gebiete, in denen sich die Klimawandelfolgen besonders stark bemerkbar machen. Das Projekt zeigt, wie sich traditionelles Wissen und eine nach wissenschaftlichen Grundsätzen vorgenommene Kartierung miteinander verbinden lassen, um die Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaft zu fördern, Einkommen zu generieren und Frauen bessere Chancen zu bieten. Mithilfe der Karten konnten 150 Brotfruchtbäume einheimischer Sorten an günstigen Standorten gepflanzt werden.

Marshallinseln, Mejit: Frauen arbeiten an einem saisonalen Kalender; Foto: Marshall Islands Conservation Society

Insgesamt ist es dem Projekt gelungen, nachhaltige Wirkungen in der Region herbeizuführen und günstige Voraussetzungen für die Umsetzung von EbA-Strategien zu schaffen. Beispiele dafür sind die Überlegungen der Regierungen, die Aufgaben der staatlichen Wasserversorger auf die Bewirtschaftung von Wassereinzugsgebieten auszudehnen; als weitere Beispiele können die Förderung von internen Einnahmeströmen sowie die Einführung von finanziellen Mechanismen zur Förderung von Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen genannt werden. Mit den Ergebnissen des Projekts wurde der Grundstein für die laufenden EbA-Vorhaben gelegt, die The Nature Conservancy in Zusammenarbeit mit Frauen-geführten NROs in Mikronesien realisiert.