15.10.2019

Mongolei nimmt Klimaschutz ernst

Jurte in der Mongolei mit Solarpanel zur emissionsarmen Energiegewinnung; Foto: naumoid/iStock

Jurte in der Mongolei mit Solarpanel zur emissionsarmen Energiegewinnung; Foto: naumoid/iStock

Das im Klimaschutzabkommen von Paris im Jahr 2015 vereinbarte Ziel, die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts deutlich unter 2 °C zu halten, lässt sich nur dann erreichen, wenn alle Länder der Welt sich uneingeschränkt zu ambitionierten nationalen und sektorübergreifenden Klimazielen bekennen. Angesichts der politischen Entwicklungen, die derzeit weltweit zu beobachten sind, dürfte die jährliche Durchschnittstemperatur bereits bis 2050 um 2-3 °C steigen. Die Mongolei sieht sich aufgrund des Klimawandels enormen Risiken gegenüber. Dazu zählen eine schnell fortschreitende Desertifikation, die Verknappung von Wasserressourcen, Änderungen in der Niederschlagsverteilung, die Verschärfung saisonaler Extremwetterereignisse, das Auftauen von Permafrostböden sowie negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.

Insbesondere wegen der überdurchschnittlichen Energieintensität weist die Mongolei vergleichsweise hohe Treibhausgasemissionen pro Kopf auf. Der Grund: Die großen Kohlevorkommen des Landes haben dazu geführt, dass mehr als 90 Prozent des Primärenergie- und des Wärmebedarfs durch Kohle gedeckt werden. Hinzu kommt, dass der Energiebedarf aufgrund des extremen Klimas sehr hoch ist. So beträgt die durchschnittliche Außentemperatur zwischen September und April -6 °C und zwischen November und Januar -20 °C. Dadurch entfallen 40 Prozent des Gesamtenergiebedarfs auf die Wärmeerzeugung im Gebäudesektor. Dieser dürfte bis 2030 gegenüber dem Niveau von 2010 um rund 70 Prozent steigen.

In ihren geplanten Treibhausgasminderungsbeiträgen (intended Nationally Determined Contributions, iNDCs) von 2015 hat die Mongolei für die gesamte Wirtschaft eine Verringerung der Treibhausgasemissionen um 14 Prozent gegenüber einem Business-as-usual-(BAU)-Szenario bis 2030 zugesagt, wobei das Niveau von 2010 als Basisjahr zugrunde gelegt und Emissionen aus der Landnutzung, Landnutzungsänderungen und der Forstwirtschaft (LULUCF) ausgeschlossen wurden. 2019 hat die mongolische Regierung nationale und sektorale Koordinierungsstrukturen eingerichtet, darunter eine Arbeitsgruppe zu den nationalen Klimaschutzbeiträgen, die die Aufgabe hat, die NDC-bezogenen Prozesse im Land zu koordinieren und zu überwachen.

Siedlung in der Mongolei; Foto: Deutsche Welle

Erstmals wurde mit sektorspezifischen Dialogen begonnen, um sicherzustellen, dass die Fachministerien und relevanten Institutionen regelmäßig zusammenkommen und die klimapolitischen Maßnahmen im jeweiligen Sektor verankern. Jedes Ministerium und die NDC-Kontaktstellen für die einzelnen Sektoren wurden fest in den Prozess zur Erarbeitung der Klimaschutzbeiträge eingebunden. Dabei wurden alle klimarelevanten politischen Maßnahmen auf den Prüfstand gestellt und ihre Relevanz für die Minderung des Treibhausgasausstoßes des jeweiligen Sektors bewertet. Diese Analyse bietet eine gute Grundlage für einen wohlinformierten Planungs- und Entscheidungsprozess, eine integrierte Klimaminderungsplanung der einzelnen Sektoren und letztlich die Bewertung von Handlungsoptionen zur Erreichung von ambitionierteren Klimaschutzzielen.

Durch die Unterstützung der NDC-Überarbeitung konnten nationale und internationale Partner für gemeinsame Klimaschutzmaßnahmen mobilisiert werden. Neben der erfolgreichen Einbindung der relevanten institutionellen Strukturen haben sich das Global Green Growth Institute (GGGI), die Asia Foundation sowie ein bilaterales Projekt, umgesetzt von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, zur Förderung der Energieeffizienz zusammengeschlossen, um die mongolische Regierung in den verschiedenen Sektoren mit Analysen zu unterstützen. Während sich die GIZ und das NewClimate Institute auf den Strom- und Wärmeversorgungssektor konzentrieren, hat die GGGI die Arbeiten in den Bereichen Landwirtschaft und IPPC (Internationales Pflanzenschutzübereinkommen) unterstützt. Die Asia Foundation wiederum hat die Maßnahmen im Abfallsektor begleitet, während ein bilaterales GIZ-Projekt zur Förderung der Energieeffizienz im Bau- und Gebäudesektor tätig wurde. Im Rahmen von CDCPIII haben die GIZ und das NewClimate Institute den beteiligten internationalen Organisationen während des gesamten Prozesses ein technisches Backstopping angeboten.