06.08.2021

Nachhaltiger Bergbau in Chile

Transportfahrzeuge in Mine

Der Kupferabbau verursacht sieben Prozent der Gesamttreibhausgasemissionen in Chile. Foto: 4e Chile – GIZ Chile

Chile ist der weltweit größte Kupferproduzent. Kupfer ist auch der Haupttreiber für das Wirtschaftswachstum des Landes. In den letzten Jahren trug die Kupferförderung direkt und indirekt mit rund zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) und mit neun Prozent zur Beschäftigungsquote bei. Darüber hinaus hängen mehr als 50 Prozent der Gesamtexporte davon ab. Leider sind auch die Treibhausgasemissionen (THG) durch die Kupferförderung entsprechend hoch. Im Jahr 2019 erreichten die direkten Emissionen 6,25 Megatonnen CO2Äqu., das entspricht etwa 7 Prozent der Gesamtemissionen in Chile.

Verpflichtung der Bergbauunternehmen zum Umweltschutz

Im Dezember 2020 verpflichteten sich 13 große Kupferbergbau-Unternehmen, die im „Consejo Minero“ (Bergbaurat, dessen Mitglieder 97 Prozent der Kupferproduktion des Landes abdecken) freiwillig zu THG-Minderungszielen.

Es ist der erste produktive Sektor des Landes, der diese Art von Verpflichtung übernimmt. Das bestätigt das Interesse des Bergbausektors, sich an der Bekämpfung des Klimawandels zu beteiligen und insbesondere Chiles Ziele – Kohlenstoffneutralität bis 2050 und Emissionsminderungen bis 2030, wie in den national bestimmten Klimaschutzbeiträgen (NDCs) festgelegt – zu erreichen. Der „Consejo Minero“ hatte zuvor in den Jahren 2015 und 2019 Grundsätze zum Klimaschutz veröffentlicht.

Die Ziele der Bergbauunternehmen für Chile sind global und lokal ausgerichtet. Einige betreffen die Minderung der Emissionen und andere haben die Kohlenstoffneutralität innerhalb eines definierten Zeitrahmens zum Inhalt. In der Regel sind die zugesagten Minderungen mit einer Änderung der Stromlieferverträge hin zu erneuerbaren Energien verbunden. Es wird geschätzt, dass bis 2023 mehr als die Hälfte der mit den größten Unternehmen in der chilenischen Bergbauindustrie vertraglich vereinbarten Stromlieferungen aus erneuerbaren Energiequellen stammen werden. Es gibt auch Ziele, die direkten Emissionen durch Ersatz von Brennstoffen und höhere Energieeffizienz zu verringern. Über den „Consejo Minero“ melden die Unternehmen freiwillig ihre jährlichen Emissionen.

Die Idee hinter dem Projekt „Rohstoffe und Klimawandel“

Aufgrund der Bedeutung für den Bergbausektor hat die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) 2019 im Auftrag des Bundesumweltministeriumst (BMU) das Projekt „Rohstoffe und Klimawandel: Förderung von kohlenstoffarmen, umweltfreundlichen und ressourceneffizienten Methoden in der Rohstoffgewinnung“ ins Leben gerufen. In Chile wird das Projekt über das Programm für erneuerbare Energien und Energieeffizienz (4e) in Zusammenarbeit mit dem chilenischen Energieministerium und der chilenischen Energieagentur (ASEe) durchgeführt. Im Rahmen des Projekts sollen Richtlinien und unterstützende Maßnahmen für eine umweltfreundliche und sozial verantwortliche und gleichzeitig ressourcenschonende Bergbauindustrie entwickelt werden. Aufgrund der Gegebenheiten vor Ort konzentriert sich das Projekt in Chile auf die Entwicklung von Energieeffizienzmaßnahmen in den Kupferminen.

Start des Netzwerks für Energieeffizienz

Im März 2021 startete im Rahmen des IKI-Projekts die Initiative „Netzwerk für Energieeffizienz und Emissionsminderung“. Sie fördert die technische Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, ermöglicht einen Erfahrungsaustausch und bietet fachliche Beratung an, wobei der Schwerpunkt auf effizienter Energienutzung und Verbesserung von Prozessen liegt. Insgesamt besteht das Netzwerk aus 14 Bergbauunternehmen, darunter „Global Player“ wie Anglo American, Antofagasta Minerals, Codelco und SQM, die gemeinsam daran arbeiten wollen, ihre Emissionen durch mehr Energieeffizienz zu reduzieren.

Juan Carlos Jobet, Minister für Bergbau und Energie, unterstützte den Schritt mit den Worten: „Die Herausforderung für den Bergbausektor besteht darin, produktiver und zugleich nachhaltiger zu werden. Der wichtigste Verbündete dabei ist die Energieeffizienz. Die Bergbauindustrie kann damit beide Ziele erreichen: ihre Produktivität zu verbessern und ihre Emissionen zu reduzieren. Wir wissen heute, dass die Energieeffizienz mit 35 Prozent dazu beitragen wird, die Emissionen zu reduzieren und damit unsere Kohlenstoffneutralität zu erreichen. Daher helfen uns das kürzlich erlassene Gesetz und Initiativen wie diese, unserem Ziel näher zu kommen.“

„Der Bergbausektor ist einer der größten Treibhausgasemittenten und nahezu 30 Prozent des chilenischen Stroms werden für die Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen, hauptsächlich Kupfer, eingesetzt“, stimmte Rainer Schröer, der Direktor des GIZ 4e-Programms in Chile zu. „Darüber hinaus ist der Energiebedarf des Bergbausektors in den letzten Jahren im Durchschnitt jährlich um vier Prozent gestiegen. Dieses Netzwerk wird über Energieeffizienz und Erfahrungsaustausch dazu beitragen, dass der Sektor nachhaltiger wird.”

Ziele und erste Erfolge des Projekts in Chile

Das Netzwerk schließt derzeit die Arbeit an der ersten Studie ab. Es handelt sich um eine Emissionsstudie mit dem Ziel, die Kohlenstoffbilanz für jedes Bergbauunternehmen zu analysieren und ein THG-Inventar für die Scope-1- und Scope-2-Bergbauprozesse zu erstellen. Scope-1-Emissionen sind direkte THG-Emissionen aus unternehmenseigenen Quellen. Bei Scope-2-Emissionen handelt es sich um indirekte THG-Emissionen, die durch die Erzeugung des Stroms entstehen, den das Unternehmen verbraucht. Mit dem THG-Inventar können Unternehmen mögliche Verbesserungen ihrer Emissionsintensität bewerten.

Fortschritte wurden auch bei der Klassifizierung der Einheiten des Produktionsprozesses nach THG-Emissionen und der Bestimmung von Emissions- und Energieverbrauchsfaktoren für jeden Produktionsprozess erzielt. Das Gesamtziel für jedes Unternehmen ist, seinen Fußabdruck messen und mit dem der Branche vergleichen zu können.

Nächste Schritte

Die nächsten Projektaufgaben sind, eine Reihe von Kennzahlen für den Energieverbrauch durch Prozesse im Bergbausektor unter den Unternehmen im Netzwerk zu entwickeln sowie die Zusammenarbeit mit den Unternehmen zu intensivieren, um diese Kennzahlen mit der Energieeffizienz in Wärmeprozessen, dem Transport von Erzen und der Elektromobilität, Zerkleinerungsprozessen und Ersatz von Brennstoffen in Einklang zu bringen. Nach dem ersten Jahr des Netzwerks werden seine Mitglieder über die weiteren Themen und die Fortführung seiner Aktivitäten entschei