24.01.2019

Nachhaltiges Palmöl, Zellstoff und Papier für den indonesischen Einzelhandel

Diskussionsleiterin Nia Sarinastiti von Accenture; Foto: ©Niki Nofari, WWF-Indonesien

Diskussionsleiterin Nia Sarinastiti von Accenture; Foto: ©Niki Nofari, WWF-Indonesien

Am 27. November 2018 hatte WWF Indonesia Vertreterinnen und Vertreter des Einzelhandels zu Gesprächen ins Pullman Hotel Thamrin Jakarta eingeladen. Das Thema der von Accenture and GlobeScan organisierten Veranstaltung lautete „Nutzung von Synergieeffekten zwischen den Akteuren des Einzelhandels, um nachhaltigen Produkten in Indonesien zum Durchbruch zu verhelfen“.

An der Veranstaltung nahmen verschiedene Akteure teil, darunter das Handelsministerium, Palmöl herstellende und verarbeitende Betriebe, Verpackungsunternehmen, Supermärkte, Hersteller von schnell drehenden Konsumgütern (FMCG), Restaurantketten, Hotels, Banken und NROs. Der Workshop sollte dazu dienen, eine gemeinsame Sichtweise auf die Herausforderungen und Chancen zu entwickeln, die sich im Zusammenhang mit der Markteinführung von Palmöl, Zellstoff und Papier aus nachhaltiger Produktion in Indonesien ergeben. Ein weiteres Ziel bestand darin, zwischen den Workshop-Teilnehmerinnen und Teilnehmern (Unternehmen, NROs und staatlichen Stellen) einen Konsens darüber herbeizuführen, welche Art von Dialogplattform sich am besten eignet, um bei Palmöl, Zellstoff und Papier einen Wandel im Sinne der Nachhaltigkeit auf den Weg zu bringen. Und schließlich sollten die Teilnehmenden für die aktive Beteiligung an einem Multi-Stakeholder-Dialog über nachhaltige Lieferketten gewonnen werden.

Eingeladen zu dem Runden Tisch hatte Aditya Bayunanda, Politikberatungsdirektorin von WWF Indonesia. Sie betonte, dass die indonesische Regierung zwar umfassende Strategien zur Förderung der Nachhaltigkeit entwickelt habe, wies jedoch auch darauf hin, dass es bei der konkreten Umsetzung dieser Strategien noch viel zu tun gebe. Die Stakeholder seien gemeinsam dafür verantwortlich, die Hürden, die der Entwicklung eines auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Umfelds entgegenstehen, zu identifizieren und zu überwinden. Dr. I Gusti Ketut Astawa, Direktor für Unternehmensentwicklung und Akteure der Verteilungskette im indonesischen Handelsministerium, hob hervor, dass die indonesische Regierung zwar Nachhaltigkeit unterstütze, die Privatwirtschaft jedoch nicht zwingen könne, entsprechende Maßnahmen zu verwirklichen. Er äußerte die Besorgnis, dass obligatorische Regelungen einen hohen Aufwand für die gesamte Wirtschaft nach sich ziehen und insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) hart treffen könnten. In diesem Zusammenhang wies der Vertreter des Handelsministeriums darauf hin, dass die Hauptaufgabe der Regierung darin bestünde, für die Einhaltung der Rechtsvorschriften zu sorgen und wünschenswerte Prozesse zu fördern und zu begleiten.

Tony Mampuk, GM Corporate Affairs von PT Hero Supermarket erklärt Herausforderungen und Chancen von nachhaltiger Beschaffung bei der Gruppendiskussion; Foto:  ©Niki Nofari, WWF-Indonesien

Die beiden von WWF Indonesia hinzugezogenen Beratungsunternehmen GlobeScan und Accenture präsentierten zwei Studien zu 1) Lernerfahrungen, Herausforderungen und Chancen bei der Entwicklung einer Strategie zur Förderung von Palmöl, Zellstoff und Papier aus nachhaltiger Produktion sowie zu einer 2) Bewertung der Nachhaltigkeit in den Wertschöpfungsketten Palmöl, Zellstoff und Papier. GlobeScan vermittelte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Gesamtüberblick über den derzeitigen Stand von Palmöl auf dem Binnenmarkt sowie auf dem Weltmarkt und erläuterte die jüngste Entwicklung im Hinblick auf das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher in die Produktionsfirmen sowie die Produktwahrnehmung der Konsumentinnen und Konsumenten. Eine der größten Herausforderungen sehen die Expertinnen und Experten von GlobeScan darin, den indonesischen Firmen und Verbraucherinnen und Verbrauchern stärker bewusst zu machen, dass nachhaltiges Palmöl bereits jetzt erhältlich ist. Accenture wiederum erläuterte, inwiefern der indonesische Handel für einen Wandel zu mehr Nachhaltigkeit bereit ist. Grundsätzlich klafft zwischen indonesischen Unternehmen und multinationalen Konzernen nach wie vor eine Lücke im Hinblick auf das Wissen über und die Umsetzung von Nachhaltigkeitsprinzipien in unternehmerischen Entscheidungsprozessen.

Zur Bewältigung dieser und anderer Herausforderungen müssen sämtliche Stakeholder proaktiv zusammenarbeiten - ein Prozess, der durch eine Dialogplattform gefördert werden könnte. Die Finanzbranche hat dagegen bereits einen eigenen Weg zur Stärkung der Nachhaltigkeit eingeschlagen und zusammen mit WWF Indonesia im Mai 2018 die Indonesian Sustainable Finance Initiative gestartet, an der sich Aufsichtsbehörden und Finanzinstitutionen beteiligen. Denn aus der Finanzierung der Privatwirtschaft ergeben sich für diese Akteure hohe Risiken im Zusammenhang mit der Marktregulierung und der eigenen Reputation. Das bedeutet zwar nicht zwangsläufig, dass sämtliche Finanzierungen unverzüglich auf Eis gelegt werden müssen, doch gilt es, eng zusammenzuarbeiten und zu überlegen, wie in diesen Sektoren mehr Nachhaltigkeit erreicht werden kann.

Paulus Purwanto von PT DNP Indonesien erklärt das Bestreben das Nachhaltigkeitsbewusstsein von Stakeholdern zu erweitern; Foto: ©Niki Nofari, WWF-IndonesienDarüber hinaus sollte der Runde Tisch den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Gelegenheit geben, ihre Sichtweise auf das Thema zu äußern. Dazu wurden sie in fünf Gruppen eingeteilt, die sich mit zwei Themen befasst haben. Bei dem ersten Thema ging es um die Fragen, wie sich das zurzeit noch geringe Bewusstsein für Nachhaltigkeit schärfen lässt, wie die wichtigsten Stakeholder auf diesem Gebiet am einfachsten identifiziert werden können und wie man sie am besten erreicht. Die Workshop-Teilnehmenden sahen staatliche Anreize und Fördermaßnahmen als entscheidendes Mittel zur Herbeiführung von nachhaltigen Verhaltensweisen. So ist umfassende staatliche Unterstützung erforderlich, um die bereits bestehenden Vorschriften in Bezug auf nachhaltige Produkte zu konsolidieren und finanzielle Anreize für die Privatwirtschaft zu schaffen. Eine weniger anspruchsvolle, gleichwohl große Herausforderung besteht darin, in wichtigen Medien und eventuell sogar formellen Bildungsinstitutionen wie Schulen eine umfassende und gleichzeitig leicht verständliche Kampagne zu starten, um die Verbraucherinnen und Verbraucher und die Allgemeinheit über die Bedeutung von Nachhaltigkeit aufzuklären.

Bei dem zweiten Thema ging es um die Chancen und Herausforderungen im Zusammenhang mit einem nachhaltigen Beschaffungswesen. Während die kontinuierliche Belieferung mit nachhaltigen Rohstoffen eine lösbare Aufgabe darstellt, sahen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor allem die höheren Kosten und die Durchsetzung von Rechtsvorschriften als problematisch an. Nachfrageseitig sind Regulierungsmaßnahmen, das Verhalten der Konsumentinnen und Konsumenten und staatliche Anreize die wichtigsten Faktoren, um Nachhaltigkeit zur neuen Norm werden zu lassen. Doch wie bringt man die Verbraucherinnen und Verbraucher dazu, sich für nachhaltige Produkte zu entscheiden? Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich darin einig, dass besser informiert werden muss - mithilfe von Aufklärungskampagnen und den sozialen Medien. Gleichzeitig gilt es, Kundinnen und Kunden eine größere Produktvielfalt zu bieten.

Der Workshop brachte die Erkenntnis, dass marktbasierte Strategien Anreize für eine nachhaltige Produktion schaffen und dazu beitragen können, dass nachhaltige Erzeugnisse verstärkt in den Einzelhandel gelangen. Darüber hinaus müssen sich jedoch auch der Staat und die anderen Stakeholder stärker engagieren, um die Nachhaltigkeit im Beschaffungswesen zu fördern. Und schließlich spielen auch öffentliche und private Finanzinstitutionen eine wichtige Rolle, denn sie können finanzielle und andere Anreize setzen, um den Einzelhandel dazu zu bringen, seine Geschäftstätigkeit stärker an Nachhaltigkeitsprinzipien auszurichten.