13.03.2017

Neues Gesetz berücksichtigt Ökosystemleistungen des Cerrado

Zwei Arbeiter mit Schutzhelömen stehen auf einer Solardachanlage und säubern sie mit Wasser und Wischer.

Schutzgebiet Serra Geral do Tocantins im Biom Cerrado; Foto: Vanessa Oliveira

Seit Ende 2016 wird im zentralbrasilianischen Cerrado ein neues Waldkompensationsgesetz formuliert. Darin soll geregelt werden, wie zerstörte Waldflächen angemessen kompensiert werden. Das bisherige Gesetz verlangt es, für jeden gefällten heimischen Baum 30 neue Setzlinge nachzupflanzen, bei nicht-heimischen Bäumen sind es 10. Das Gesetz wird jedoch kritisiert, da die Kompensationsfläche, ihre Biodiversität und Ökosystemleistungen in der Regel nicht denen der zu kompensierenden Fläche entsprechen.

Der zentralbrasilianische savannenartige Cerrado ist mit einer Gesamtfläche von 2.036.448 km² das zweitgrößte Biom Südamerikas und ein Hotspot biologischer Vielfalt.  Er ist Lebensraum für zahlreiche endemische Tier- und Pflanzenarten und auch in sozialer Hinsicht sehr bedeutsam.  Indigene Ethnien und traditionelle Bevölkerungsgruppen, wie die Quilombolas, Geraizeiros, Ribeirinhos, Babaçueiras und Vazanteiros leben von den natürlichen Ressourcen des Cerrado und sind mit ihrem traditionellen Wissen über die lokale Natur wichtiger Teil des historischen und kulturellen Erbes Brasiliens. Die soziale und biologische Vielfalt sind jedoch von einer zunehmenden Landnutzungsänderung bedroht.

Blick in ein bewaldetes Tal mit Wasserfall im Schutzgebiet Itiquira im Cerrado; Foto: GIZ / Manuela Reinhard

Der zunehmende Nutzungsdruck, insbesondere durch Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen und Holzschlag für die Holzkohleherstellung, führt seit Jahren zu einer Ressourcenverknappung und damit zur Einschränkung der Leistungen, die dieses Ökosystem für die hier lebenden Menschen bringt.

Um diesen Nutzungsdruck im Cerrado des Bundesdistrikt (Distrito Federal) mit der Hauptstadt Brasília zu regeln, greift das Gesetz zur Kompensierung zerstörter Cerradoflächen (Waldkompensationsgesetz). Die Gesetzgebung zielt darauf ab, die ökologische Gleichwertigkeit bzw. Äquivalenz zwischen dem, was verloren geht und was gewonnen wird, zu gewährleisten. Das Gesetz verlangt Neupflanzungen für jeden gefällten Baum, regelt aber bisher nicht die Qualität der Kompensationsflächen im Hinblick auf Biodiversität und Ökosystemleistungen. Zudem erlaubt das Gesetz nicht die Unterschutzstellung heimischer Vegetationsflächen als alternative Ausgleichsmaβnahme. Die Kosten zur Einhaltung dieses Gesetzes sind hoch, obwohl der ökologische Nutzen nicht notwendigerweise gesichert wird.

Ein neues Wandlkompensationsgesetz wird deshalb, unter Mitwirkung der beiden durch die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) geförderten Projekte „TEEB Regional-Lokal“ und „ValuES“, vom Umweltsekretariat des Distrito Federal und der Cerrado Allianz, einer Gruppe von über 50 staatlichen und privaten Institutionen sowie Zivilgesellschaft, die sich für  Erhalt und Wiederherstellung des Cerrado einsetzen, formuliert. Dadurch wird es möglich sein, dass die Ausgleichsmaβnahme sowohl durch Renaturierung einer degradierten Fläche, als auch durch Unterschutzstellung ökologisch bedeutsamer Flächen erfolgen kann. Dafür wurde zunächst ein Diskussionspapier als Grundlage zum Gesetzesvorschlag erstellt.

Auch die Kompensationskriterien, die sich vorher lediglich auf die Anzahl gefällter Einzelbäume reduzierte, berücksichtigen im vorgelegten Diskussionspapier weitere Faktoren, die in Verbindung mit Ökosystemfunktionen der Flächen und ihren Dienstleistungen stehen, wie etwa die Bodenqualität, der Anteil an exotischen Arten, der Seltenheitswert der heimischen Vegetation und der Wasserhaushalt der Landschaft.

Das Diskussionspapier zur Definition der ökologischen Äquivalenz für das Waldkompensationsgesetz nach der Bewertungsmethode „Wahlexperimente“, wurde gemeinsam mit dem Conservation Strategy Fund (CSF) und dem Umweltsekretariat des Distrito Federal unter Mitwirkung des Brasilianischen Umweltministeriums, dem Institut Chico Mendes zum Biodiversitätsschutz und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) erarbeitet. Die Neuformulierung des Gesetzes soll im Laufe des Jahres 2017 abgeschlossen sein.