15.01.2014

Öffentliche Investitionen klimafest machen

In Peru unterstützt ein IKI-Projekt die Regierung bei der Entwicklung einer Klimaprüfung für öffentliche Investitionsprojekte.

Reisbauern in Piura halten ein Bewässerungssystem in Stand

Reisbauern in Piura halten ein Bewässerungssystem in Stand. Foto: Thomas J. Müller / El Taller.pe

Die Region Cusco liegt im Zentrum des Andenhochlandes. Sie besticht durch ihre große landschaftliche Vielfalt: hohe felsige Berge, tiefe Schluchten, grüne Täler, Savannen und Regenwälder. Zudem befindet sich dort die weltberühmte Inkastadt Machu Picchu. "Ein großer Teil der Menschen in dieser Region arbeitet in der Landwirtschaft oder im Tourismus", erläutert Edwin Mansilla, der stellvertretende Umweltminister der Region. "Doch der Klimawandel macht uns zu schaffen. Die heftigen Regenfälle führen zu Hangrutschungen und Überschwemmungen und verursachen hohe Kosten für den Staat und die Bevölkerung."

Insgesamt kommt der Klimawandel dem Land teuer zu stehen. Schätzungen der Andengemeinschaft aus dem Jahr 2008 zufolge könnte er die peruanische Volkswirtschaft bis zum Jahr 2025 rund 10 Milliarden US-Dollar kosten. Heftigere Niederschläge und gleichzeitig längere Dürrezeiten, höhere Temperaturen und stärkere Stürme könnten zu Infrastrukturschäden, einem Rückgang der Einnahmen aus sensiblen Wirtschaftszweigen wie Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus und dem Auftreten von neuen Krankheiten führen. Hier wird deutlich: Klimawandel ist nicht nur eine Frage der Umweltpolitik, sondern betrifft die gesamte Entwicklung eines Landes. "Neben gezielten Projekten zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels müssen wir den Klimawandel daher als Querschnittsthema betrachten und in alle öffentlichen Investitionsprojekte integrieren", beschreibt Mansilla die Herausforderung. So stellt sich den öffentlichen Behörden in Peru die Frage, wie sie ihre Investitionen "klimafest" machen können. Wie müssen politische Richtlinien gestaltet sein, damit öffentliche Investitionsprojekte den Klimawandel miteinplanen und entsprechende Anpassungsmaßnahmen treffen?

Gute Planung ist alles

In Peru regelt das Nationale System für Öffentliche Investitionen (Sistema Nacional de Inversión Pública - SNIP) alle Investitionsprojekte von staatlichen und lokalen Institutionen. Es legt fest, was Institutionen der öffentlichen Hand beachten müssen, wenn sie Investitionen planen und auf ihre Durchführbarkeit hin prüfen. Der Klimawandel und seine Folgen wurden hier bisher nicht berücksichtigt. Ein Projekt der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) arbeitet mit dem peruanischen Wirtschafts- und Finanzministerium sowie dem peruanischen Umweltministerium daran, das Regelwerk in diesem Punkt zu verbessern. Durchgeführt wird das Projekt von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, die auch mit anderen IKI-Projekten in Peru präsent ist.

In zwei Pilotregionen wählten die Projektpartner Wirtschaftsbereiche aus, in denen Kriterien des Risikomanagements unter Berücksichtigung von Klimawandelszenarien im Planungsprozess von neuen öffentlichen Investitionsprojekten getestet werden sollte. Cusco entschied sich für die wirtschaftlich relevanten Sektoren Tourismus und Bewässerung; auch Piura an der Nordküste Perus wählte Investitionsprojekte im Bereich Bewässerung. Unter Anleitung des Projekts wurde zunächst das mit dem Klimawandel einhergehende Risiko in den für die Investitionsprojekte vorgesehenen Gebieten analysiert. Hierbei wurde beispielsweise geprüft, inwieweit stärkere Niederschläge oder längere Dürreperioden Änderungen an den Bewässerungssystemen notwendig machen würden. Auf dieser Grundlage wurden geeignete Anpassungsmaßnahmen identifiziert. Anschließend führten die Projektpartner Kosten-Nutzen-Analysen durch, um zu vergleichen, wie viel die Anpassungsmaßnahmen kosten und wie viel finanziellen Schaden sie zukünftig abwenden können.

Die in den Pilotprojekten gewonnen Erkenntnisse dienten schließlich der Ausarbeitung von offiziellen Richtlinien für die Berücksichtigung des Klimawandels in öffentlichen Investitionsprojekten im Tourismus und bei der Bewässerung. Sie ergänzen die bereits vorhandenen Richtlinien des SNIP. Auch ein aktualisiertes Handbuch für Projektplaner zu Begrifflichkeiten und Konzepten des Risikomanagements im Kontext des Klimawandels liegt dem Wirtschafts- und Finanzministerium nun vor. In 2014 will das Projekt mit dem Ministerium eine spezialisierte Fortbildung für Projektplaner zur korrekten Anwendung der neuen Konzepte und Richtlinien einrichten.

Von der Wirkung überzeugt

Zu Beginn des Projekts waren viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Behörden der Pilotregionen noch skeptisch. Schließlich könnten zusätzliche Kriterien die Planung und Umsetzung von Projekten komplizierter und aufwendig machen. Doch schon bald waren sie von dem neuen Ansatz überzeugt: "Anfangs haben wir die Themen Klimawandel und Risikomanagement kaum beachtet, das waren für uns nur leere Worte. Wir als Projektplaner standen ihnen sogar eher ablehnend gegenüber", erzählt Eulogio Huamán von der Arbeit in seinem Team; er ist für die Planung von Bewässerungsprojekten in Cusco zuständig. "Aber im Laufe der Zeit haben wir mehr Kenntnisse über diese Themen erworben, zum Beispiel wie man Maßnahmen zur Risikominderung und Anpassung an den Klimawandel in Bewässerungsprojekte integriert und diese quantifiziert. Alle Bewässerungsprojekte, die wir jetzt planen, berücksichtigen in ihrer Risikoanalyse den Klimawandel, identifizieren Anpassungsmaßnahmen und errechnen deren Rentabilität." Mittlerweile hat die Einheit von Huamán schon vier Investitionsprojekte selbstständig anhand der neuen Richtlinien formuliert. Zum Beispiel plant ein Projekt nun die Stabilisierung der Bewässerungsinfrastruktur in kritischen Zonen, in denen es durch starke Regenfälle zu Hangrutschungen kommen könnte. Zudem wird den lokalen Bauern die Nutzung von kälteresistenten Pflanzensorten empfohlen, die auch gelegentlichem Frost standhalten. Trainingseinheiten für die Bauern in Risikomanagement und Anpassung sind vorgesehen.

Ein Ansatz für das ganze Land

Die Pionierarbeit, die in Cusco und Piura geleistet wird, kann mittel- und langfristig dem ganzen Land zu Gute kommen, hofft Edwin Mansilla: "Wir entwerfen heute die Leitlinien, die zukünftig über das SNIP für das ganze Land gültig sein werden." Ende Oktober 2013 gab das Wirtschafts- und Finanzministerium offiziell die neuen Richtlinien für den Tourismussektor bekannt. Damit ist die Klimaprüfung in diesem Sektor nun regionenübergreifend ein fester Bestandteil aller Investitionsentscheidungen der öffentlichen Hand. So sparen die Behörden dauerhaft Ausgaben ein und reduzieren wirtschaftliche Einbußen. Die auf diesem Wege frei werdenden Mittel können dann an anderer Stelle investiert werden, um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes weiter zu befördern.