07.10.2020

Ökosystembasierte Ansätze auf dem Vormarsch

Mangroven

Mangroven bieten Schutz vor Überschwemmungen. Foto: Julie Steinen

In den letzten Jahren setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass der Erhalt und Wiederaufbau natürlicher Lebens- und Naturräume eine geeignete Methode der Anpassung an den Klimawandel ist. Ökosysteme erbringen wichtige Leistungen für den Menschen. Zum Beispiel erhalten sie die Bodenfruchtbarkeit, produzieren sauberes Wasser oder schützen vor Hochwasser. Diese wichtigen Eigenschaften der Ökosysteme strategisch zu nutzen und zu fördern, um Natur und Mensch widerstandsfähiger angesichts der erwarteten Auswirkungen des Klimawandels zu machen, nennt sich ökosystembasierte Klimaanpassung (engl. Ecosystem-based Adaptation, EbA).

Die Besonderheit von EbA besteht darin, dass Ansätze zur Wiederherstellung und zum Schutz wichtiger Ökosysteme mit einer nachhaltigen sozioökonomischen Entwicklung in einer Gesamtanpassungsstrategie verknüpft werden. So kann Naturschutz bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützen und beispielsweise die Auswirkungen von heftigen Regenfällen oder lange andauernden Hitzewellen mildern. Dem Konzept liegt die Erkenntnis zugrunde, dass die Widerstandsfähigkeit des Menschen entscheidend von der Integrität der Ökosysteme abhängt.

Erfolgreiche EbA-Projekte sind dabei in ganz unterschiedlichen Feldern zu finden. Sie befassen sich mit dem Schutz und der Wiederherstellung von Korallenriffen oder Mangrovenwäldern, Flussdeltas, Moorlandschaften oder Bergwäldern. Im Vordergrund steht dabei immer, unsere Gesellschaften fit für die Bewältigung der Klimarisiken zu machen. Was EbA zu einer unglaublich effizienten und nachhaltigen Lösung für Klimaanpassung macht, ist, dass intakte Ökosysteme neben den positiven Auswirkungen für die Anpassung des Menschen an den Klimawandel und die Erhaltung der Artenvielfalt so zahlreiche weitere Vorteile haben: Saubere Luft, eine bessere Versorgung mit Nahrungsmitteln und selbst der Freizeitnutzen der Landschaft wirken sich positiv auf Gesundheit und Lebensqualität aus. Neue Arbeitsplätze, beispielsweise in der Landschaftspflege, im Tourismus oder in der nachhaltigen Landwirtschaft, können die wirtschaftliche Leistungskraft ganzer Regionen steigern. Gleichermaßen können Ökosysteme auch die Nachhaltigkeit und Lebensdauer gebauter Infrastruktur verbessern – wie zum Beispiel die Sanierung von Salzwiesen an Flutschutzmauern. Der  Erhalt oder die Wiederherstellung von Ökosystemen dient auch der Speicherung von Kohlenstoff in Biomasse und trägt damit ebenfalls zur Reduzierung von CO2 in der Atmosphäre bei – eine essenzielle Strategie, um die Auswirkungen des Klimawandels so gering als möglich zu halten.

EbA macht international Schule

Ökosystembasierte Ansätze für die Anpassung an den Klimawandel finden sich unter anderem in der Klimarahmenkonvention (UNFCCC), im internationalen Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) sowie in der Strategie zur Katastrophenvorsorge der UN (UNISDR). Ökosystembasierte Ansätze spielen auch eine Rolle im Globalen Zustandsbericht zur Artenvielfalt, der vom Weltbiodiversitätsrat (IPBES) im Mai 2019 beschlossen wurde. Auch im Rahmen der Europäischen Anpassungsstrategie, der EU-Biodiversitätsstrategie 2020 und der Strategie zur Grünen Infrastruktur kommt EbA als nachhaltiges und kosteneffizientes Instrument zum Einsatz.

Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) fördert Projekte, die EbA-Ansätze in der Praxis testen, Anwendungswissen aufarbeiten und verbreiten. Das BMU speist die in den Projekten gewonnenen Erfahrungen in internationale Verhandlungsprozesse im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt sowie der Klimarahmenkonvention ein. Praktische Erfahrungen zur Wirkung von EbA-Maßnahmen und ihrem Kosten-Nutzen-Verhältnis im Vergleich zu anderen Anpassungsmaßnahmen tragen dazu bei, das EbA-Konzept weiterzuentwickeln und in weiteren Ländern zu etablieren.