11.11.2013

Ökotourismus und Mangrovenadoption in Pangandaran

erfolgreiches UNWTO - IKI Projekt auf Java

Touristin pflanzt Mangroven-Setzling.

Touristin mit Mangroven-Setzling. Quelle: World Tourism Organization (UNWTO)

"Wir sind hier, um die Mangroven zu schützen! Wir haben die Verantwortung für diese Pflanzen und wollen allen anderen erklären, wie wichtig Mangroven sind!" erzählt Saraswati. Die 15-jährige Schülerin weiß wovon sie spricht, denn sie ist Mangroven-Botschafterin.

In Pangandaran auf der indonesischen Insel Java gibt es inzwischen fast 400 Mangroven -Botschafterinnen und Botschafter. Darunter viele Schüler, die sich aktiv für die Aufzucht und Pflege der Mangrovenwälder an der Südküste von Java engagieren. Statt Theorie im Klassenzimmer besuchen Schülergruppen mit ihren Lehrern regelmäßig die Mangrovensümpfe. Dort pflanzen sie Setzlinge, protokollieren den Wuchs der Neupflanzungen und messen den Salzgehalt des Wassers. Saraswati erklärt, warum gerade Mangroven so wichtig für das Ökosystem sind. "Die Mangroven schützen die Küste und beugen der Erosion vor. Sie sind Nist- und Futterort für Fische, Shrimps und Krabben und sie beschützen die Menschen vor Tsunamis!"

Tsunamis sind in Pangandaran allgegenwärtig. Seitdem eine enorme Flutwelle 2006 den Badeort nahezu zerstörte und viele Opfer forderte, haben die Bewohner erfahren, wie lebensnotwendig gezielte Maßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels sind. Die Aufforstung von Mangroven als ökologische Multitalente gehört dazu. Die sogenannten "Superhelden der Umwelt" dienen nicht nur dem Schutz der Küste vor Stürmen oder Flutwellen, sie sind außerdem geniale CO2 Senker, da sie Kohlendioxid absorbieren und zugleich Kohlenstoff in ihren Sedimenten speichern. Sie filtern das Wasser und verbessern somit seine Qualität, was wiederum anderen Ökosystemen, wie beispielsweise den Korallenriffen, zugutekommt.

Das Projekt "Sustainable Tourism through Energy Efficiency with Adapatation and Mitigation Measures", kurz STREAM, hat sich zum Ziel gesetzt, verschiedene Minderungs- sowie Anpassungsmaßnahmen zur nachhaltigen Stärkung der Infrastruktur in Pangandaran zu entwickeln und umzusetzen. Projektdurchführer ist die Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) gemeinsam mit zwei lokalen NGOs und dem indonesischen Tourismusministerium. Da Pangandaran besonders stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen und gleichzeitig eines der beliebtesten Touristenziele auf Java ist, wurde es ausgewählt. Neben Pilotprojekten im Bereich Energieeffizienz und Erneuerbare Energien für Hotels und Restaurants, verfolgt STREAM vor allem die Wiederherstellung der natürlichen Küstenschutzsysteme wie Mangroven und Korallenriffe.
Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesumweltministeriums unterstützt das umfangreiche STREAM Projekt seit 2010 mit rund 1,2 Mio. €.

Aus Mitteln des Projekt Portfolios wurde in Pangandaran auch ein Mangroven-Bildungszentrum errichtet. Dort lernen nicht nur Schüler und ihre Familien mehr über das Ökosystem, auch Touristen kommen sehr gerne, um sich zu informieren. Denn das Zentrum hat seinen Besuchern einige Superlative zu bieten: Seit 2010 wurden auf einer Fläche von über 17 ha rund 35.000 Mangrovenbäume neu gepflanzt, mit einer aktuellen Überlebensrate von 90 %. Das bedeutet eine CO2 Einsparung von mehreren hundert Tonnen. Bereits über 2000 Personen haben sich ehrenamtlich für den Erhalt der "Superhelden der Umwelt" engagiert.

Auf der "Green Energy Tour", einer Bootstour durch die Mangrovensümpfe, können Touristen die Bedeutung der Ökosysteme hautnah erfahren. Höhepunkt der Tour ist der Besuch in einer Pflanzenschule, wo sich die Touristen eine Baby Mangrove aussuchen können, die sie anschließend mit Hilfe der Schüler einpflanzen. Die Bäume erhalten die Namen derjenigen, die sie eingepflanzt haben. Über soziale Netzwerke wie Facebook bleiben die "Mangroven Paten" dann langfristig mit ihrer Pflanze verbunden. Durch die Schüler erfahren sie, wie es ihrer Pflanze geht und können ihr Wachstum anhand von Fotos verfolgen. Die Bevölkerung von Pangandaran nennt dies liebevoll "Mangroven Adoption" und ist stolz auf ihr funktionierendes Ökotourismus-Konzept. Die sich daraus generierenden Einnahmen kommen dem Mangrovenprojekt wiederum zugute.

Bis 2006, vor dem Tsunami, war der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle. Durch die Naturkatastrophe verloren die Menschen in Pangandaran nicht nur ihre Häuser sondern auch ihre wirtschaftliche Grundlage. Inzwischen sind Hotels und Restaurants wieder aufgebaut und die Gäste zurückgekehrt. Touristenattraktionen sind vor allem Schwimmen, Surfen und Tauchen - Sportarten, die direkt von einer gesunden Umwelt abhängen.

Das Korallenriff vor der Südküste Javas wurde nach dem Tsunami vom indonesischen Umweltministerium als "zerstörtes Lebewesen" deklariert. Man ging seinerzeit davon aus, dass nur noch 10 bis 20 % der Korallen lebten. Ein enormer Schaden, der viele Ursachen hatte: Naturereignisse wie Stürme, Flutwellen und Wassertemperaturanstieg einerseits, auf der anderen Seite ist aber auch menschliches Fehlverhalten wie Überfischung, Verunreinigung der Küstengebiete und Sünden der Tauchtouristen dafür verantwortlich. Ein ökologisch nachhaltiger Tourismus soll nun eine weitere Zerstörung der Korallen verhindern.

Vergleichbar mit den Mangroven, wird auch das Riff zurzeit wieder zu neuem Leben erweckt, die Korallen werden neu gezüchtet. Anstelle des zerstörten Gesteins dient ein Betonsockel, auf dem sich die jungen Korallen gut entwickeln. Die künstlichen Riffe haben bislang eine Überlebensrate von 97% und wachsen im Durchschnitt 2 cm in 5 Monaten. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. In die Wiederherstellung werden neben Experten auch lokale Touristenführer, Tauchlehrer und Fischer involviert, in Workshops erhalten sie theoretisches und praktisches Wissen zu umweltverträglichen Tauch- und Fischereitechniken. In die Beobachtung und Evaluierung des Wachstums der empfindlichen Meeresbewohner werden auch sie miteingebunden.

Devin Husnander ist Lehrer an der MTsN Junior High School in Pangandaran.
Seit einigen Jahren beobachtet er voller Sorge die Auswirkungen des Klimawandels in seiner Heimat. "Normalerweise beginnt im 3. Quartal die Regenzeit, mittlerweile sind die ehemals regenreichen Monate sehr trocken. Und wenn es dann doch mal regnet, dann sehr massiv und mit schweren Gewittern" sagt er. Das Mangrovenprojekt und die Möglichkeit, gemeinsam mit seinen Schülern daran mitzuwirken, stimmen ihn positiv. "Dass der CO2 Ausstoß durch die Maßnahmen des STREAM Projekts verringert wird, gibt uns allen ein gutes Gefühl. Die nächsten Generationen werden sicherlich behutsamer mit der Natur umgehen, " prognostiziert er "wir hier in Pangandaran sind jedenfalls schon jetzt ein nachahmenswertes Positivbeispiel für viele andere, betroffene Regionen. Darauf sind wir sehr stolz!"