11.05.2017

Peruanischer Wassersektor verringert seinen CO2 Fußabdruck

Das Logo der Europäischen Klimaschutzinitiative; BMUB

Kläranlage in Cusco, Peru. Foto: SEDACUSCO.

Wasser- und Sanitärversorger sind durch die Auswirkungen des Klimawandels hohen Risiken ausgesetzt. Gleichzeitig gehören die Versorger in den Schwellenländern zu den größten Energieverbrauchern und stoßen bei ihren Betriebsprozessen erhebliche Mengen an CO2 und anderen Treibhausgasen aus. Mehrere peruanische Wasser- und Sanitärversorger gehen nun neue Wege, um durch die Senkung des Energieverbrauchs Klimaneutralität zu erreichen und sich an Klimawandelfolgen anzupassen.

Die Gewinnung, Behandlung und der Transport von Wasser zum Verbraucher werden durch die Auswirkungen des Klimawandels zunehmend bedroht. Lange Trockenperioden, Starkregenereignisse und Schlammlawinen gefährden die Verfügbarkeit und die Qualität von Trinkwasser und verursachen Schäden in der Infrastruktur der Wasserversorger. Darüber hinaus sind Trinkwasseraufbereitung und Abwasserbehandlung energieintensive Prozesse, auf die ein Großteil der Betriebskosten der Versorger entfällt. So macht der Energieverbrauch in der Regel etwa ein Drittel, in nicht wenigen Fällen aber auch bis zu 70 Prozent der Gesamtkosten aus. Zudem entstehen bei der Abwasserbehandlung große Mengen an Methan und Stickoxiden, wodurch der Treibhausgasausstoß der Wasser- und Sanitärversorger weiter steigt.

Das vom Bundesumweltministerium (BMUB) im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) geförderte WaCCliM-Projekt hat mehrere Maßnahmen durchgeführt, um bei den Fachkräften des Wasser- und Abwassersektors das Bewusstsein für diese Problematik zu schärfen. Die Versorger haben inzwischen reagiert und „Pläne zur Minderung des Treibhausgasausstoßes und zur Anpassung an den Klimawandel“ (spanische Abkürzung: PMACC) entwickelt. Die PMACC-Initiative wurde in Zusammenarbeit mit WaCCliM und dem PROAGUA II-Programm durchgeführt. PROAGUA II wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert und unterstützt das peruanische Generaldirektorat für Umwelt im Ministerium für Wohnungs-, Bau- und Sanitärwesen sowie die technische Organisation der Behörde für Sanitärversorgung.

Teilnehmende des PMACC Training Workshop. Foto: GIZ.

Die PMACCs helfen den Mitarbeitenden der Versorgungsunternehmen bei der Erfassung ihrer Treibhausgasemissionen und sind ein wertvolles Instrument zur Identifizierung sinnvoller Minderungs- und Anpassungsmaßnahmen. Damit tragen die PMACCs zur Verbesserung der wirtschaftlichen und ökologischen Nachhaltigkeit der Anbieter sowie zur Verbesserung der Wasser- und Sanitärversorgung bei. Die Entwicklung der PMACCs war auch eine Voraussetzung, die die Versorger im Rahmen des neuen Gesetzesdekrets Nr. 1280 für den Wassersektor erfüllen mussten. Die neue Rechtsvorschrift bildet einen wichtigen Meilenstein für die Entwicklung der Pläne und die Bearbeitung von Themen, die im Zusammenhang mit Minderungs- und Klimaanpassungsmaßnahmen relevant sind.

2016 und Anfang 2017 erhielten Mitarbeitende von 42 Versorgern aus ganz Peru technische Unterstützung bei der Formulierung ihrer PMACCs. Zu diesem Zweck wurde auf standortspezifische Informationen wie die Art der eingesetzten Systeme, institutionelle Kapazitäten oder geografische Gegebenheiten zurückgegriffen. Außerdem beteiligte sich WaCCliM an der Veranstaltung mehrerer Workshops. In diesen wurde den Vertretern der Versorger vermittelt, wie sie das von WaCCliM entwickelte „Energy Performance and Carbon Emissions Assessment and Monitoring (ECAM)“-Tool am besten einsetzen können. ECAM ist ein kostenloses, webbasiertes Tool, mit dem die peruanischen Versorgungsunternehmen ihren Treibhausgasausstoß unter Berücksichtigung aller Elemente des städtischen Wasserzyklus ermitteln können. Diese Daten werden in den Virtual PMACC Guide eingespeist. Dabei handelt es sich um ein Instrument, mit dem Wasser- und Sanitärversorger visuell darstellen können, welche Möglichkeiten zur Erzielung kurz- und langfristiger Verbesserungen bestehen. Außerdem können sie mit dem Virtual PMACC Guide das Minderungspotenzial künftiger Minderungsmaßnahmen modellieren und sich auf eine künftige, verpflichtende Emissionsberichterstattung vorbereiten.

Ein besonders erfolgreiches Beispiel wurde in Cusco umgesetzt: Dem Versorger SEDACUSCO, der sich als Pilotunternehmen an WaCCliM beteiligt, ist es gelungen, seine Leistungen, das Klärschlamm-Management und die Erzeugung von Biogas aus der anaeroben Vergärung von Klärschlamm zu optimieren. Gleichzeitig konnte das Unternehmen seinen Treibhausgasausstoß um mehr als 5300 tCO2e pro Jahr verringern. Darüber hinaus plant SEDACUSCO, die Energieeffizienz des Wasserpumpsystems von Vilcanota zu verbessern, um den Treibhausgasausstoß um weitere 1300 tCO2e pro Jahr zu verringern. Ein Teil der dafür notwendigen Investitionskosten wird durch die geringeren Energiekosten gedeckt.

Nach ihrer Fertigstellung sollen die PMACCs als Referenzstudien für die langfristige Planung der Versorger herangezogen werden. Dadurch eröffnen sich neue Möglichkeiten für die Finanzierung und Umsetzung weiterer Anpassungs- und Minderungsmaßnahmen. Diese führen nicht nur zu besseren Versorgungsleistungen, sondern sichern auch eine nachhaltige Zukunft des Wasser- und Abwassersektors.