08.06.2021

Schutz und nachhaltige Nutzung der Weltmeere

Walhai

Der „blaue Planet“: Ozeane und Meere sind die größten Lebensräume der Erde – und die am wenigsten geschützten. Foto: Miguel Schmitter

Alljährlich am 8. Juni feiern die Vereinten Nationen den Welttag der Ozeane. So wird auf die Bedeutung der Ozeane als ein unverzichtbarer Teil der Biosphäre für Ernährungssicherheit, Gesundheit und das Überleben allen Lebens, für die Erhaltung der Biodiversität und für den Klimaschutz aufmerksam gemacht. Der Tag dient auch dazu, sich der akuten Gefährdung der Ozeane bewusst zu werden. Hierzu gehören Korallenbleichen und Plastikmüllberge im und am Meer, aber auch der verantwortungslose und nicht nachhaltige Umgang mit den wertvollen marinen Ressourcen. Meere sind nicht nur Nahrungs-, Rohstoff-, Energiequelle und Verkehrswege, sondern auch um ihrer selbst willen schützenswert.

Dies kommt auch im diesjährigen Motto „Der Ozean: Leben und Lebenserhaltung“ zum Ausdruck. Unter dieser Leitidee wird diskutiert, wie die Umsetzung des Ziel 14 für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG) Leben unter Wasser: Ozeane, Meere und Meeresressourcen“ bis 2030 gelingen kann. SDG 14 fordert die nachhaltige Bewirtschaftung der Küstenökosysteme und der Fischbestände, die Ausweisung von Meeresschutzgebieten sowie die Reduzierung der Verschmutzung der Ozeane und Meere.

30 x 30 by 2030 – Aufforderung zum Handeln

Im Rahmen der laufenden Verhandlungen für ein neues Abkommen zum Schutz der weltweiten Biodiversität haben sich viele Staaten dafür ausgesprochen, bis 2030 mindestens 30 Prozent der weltweiten Meere und Ozeane unter Schutz zu stellen. Heute sind gerade einmal zwei Prozent der Meeresfläche geschützt. Unterstützt wird dieses Ziel von der Global Ocean Alliance (GOA), der sich Deutschland im Mai 2020 angeschlossen hat. Deutschland ist zudem seit Januar 2021 Mitglied der „High Ambition Coalition (HAC) for Nature and People“, einem Zusammenschluss von ambitionierten Mitgliedern, die das Ziel von 30 Prozent Schutzgebieten bis 2030 (30x30 by 2030) an Land und im Meer unterstützen.

UN-Dekade der Ozeanforschung

Trotz der Bedeutung der Weltmeere als Lebensgrundlage für alle Organismen auf der Erde ist das Wissen über Ozeane noch lückenhaft. Im Dezember 2017 verständigten sich die Vereinten Nationen auf eine Dekade der Ozeanforschung 2021-2030, die am 1. Juni gestartet ist. Damit sollen der Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Meere vorangetrieben werden. Die weltweite Meeresforschung fokussiert SDG 14, sodass dieses nachhaltige Entwicklungsziel als Teil der Agenda 2030 in diesem Jahrzehnt erfolgreich realisiert werden kann. In Vorschau auf den Welttag der Ozeane und die Dekade hatte der diesjährige Tag der Erde am 22. April bereits auf das oft übersehene, über gelebte Erfahrungen erworbene tiefe Meereswissen unserer Vorfahrinnen und Vorfahren sowie auf Verbindungen zu wissenschaftlichen Erkenntnissen hingewiesen. Synergien zwischen indigenen und wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Schutz und der nachhaltigen Nutzung der Meere werden auch von der IKI unterstützt.

Buckelwale

So trägt die IKI zum weltweiten Meeres- und Küstenschutz bei

Das Projekt „Unterstützung für indigene Völker und gemeinschaftlich erhaltene Gebiete und Territorien (ICCAs)“ fördert in 26 Ländern indigene und lokale Bevölkerungsgruppen bei der Bewahrung ihres traditionellen Lebensraums und der Biodiversität. Dies geschieht unter anderem durch einen Kleinprojektefonds. Zudem werden Wissen und Ressourcen in den lokalen Gemeinschaften aufgebaut, um Schutzgebiete zu managen und zu erhalten. So soll ein gerecht gemanagtes Schutzgebietsnetzwerk entstehen (Aichi Ziel 11). Zudem sollen die Lebensbedingungen dort ansässiger indigener Gemeinschaften verbessert und gesichert werden (Aichi Ziel 14). Ebenfalls sollen traditionelle Kenntnisse und Nutzungen in staatlichen Planungsprozessen anerkannt und berücksichtigt werden (Aichi Ziel 18). Darüber hinaus werden die Partnerländer bei der Umsetzung ihrer Schutzgebietsstrategien beraten und unterstützt.

Das IKI-Projekt „Global Ocean Biodiversity Initiative (GOBI)“ unterstützt Mitgliedstaaten des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD), ökologisch oder biologisch bedeutende Meeresgebiete (EBSAs) in den Weltmeeren zu identifizieren und zu beschreiben. GOBI ist eine internationale Partnerschaft von Organisationen, die sich dafür einsetzen, die wissenschaftlichen Grundlagen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt in der Meeresumwelt voranzutreiben. GOBI-Partner unterstützen den EBSA-Prozess, indem sie Methoden entwickeln, neue Daten generieren und ihre neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse verbreiten. GOBI unterstützt die Länder auch bei der Erfüllung ihrer nationalen Verpflichtungen und entwickelt durch die Zusammenarbeit zwischen GOBI-Partnern, CBD-Unterzeichnerstaaten und zwischenstaatlichen Organisationen nachhaltige Meeresbewirtschaftungsmaßnahmen.

Meeresschildkröte

Das Projekt „STRONG High Seas – Nachhaltige Nutzung der hohen See“ arbeitet in Gebieten außerhalb nationaler Gerichtsbarkeit (Areas Beyond National Jurisdiction, ABNJ) im Südost-Atlantik und Südost-Pazifik. Es fördert die Entwicklung umfassender, sektorübergreifender Ansätze für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt. Aufbauend auf dem regionalen Interesse und der globalen politischen Dynamik werden beispielhafte Praktiken identifiziert sowie regionale und nationale Institutionen bei der Umsetzung bestehender Instrumente und der Entwicklung neuer Ansätze unterstützt. Zu diesem Zweck werden technische und wissenschaftliche Zusammenarbeit vorangetrieben. Zudem werden mögliche regionale Governance-Ansätze als Teil eines künftigen internationalen Instruments unter dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (United Nations Convention on the Law of the Sea, UNCLOS) entwickelt und beispielhafte regionale Erfahrungen in den globalen Prozess eingebracht, um Meeres-Governance auf unterschiedlichen Ebenen voranzubringen.

Die Umsetzung des Strategischen Plans der CBD im Bereich Erhalt und Wiederherstellung von Meeres- und Küstenökosystemen ist auch das Thema von „Blue Solutions – Umsetzung des Strategischen Plans der CBD im Bereich Erhalt und Wiederherstellung von Meeres- und Küstenökosystemen". Das Projekt unterstützt die Weiterentwicklung der Online-Wissensplattform PANORAMA  – Solutions for a healthy planet und leistet strategische Beiträge zu UN-Politikprozessen wie dem Post-2020-Framework zur Biodiversität und den SDGs. Als Teil der PANORAMA-Plattform fördert Blue Solutions speziell den Austausch über Best Practice Beispiele zur nachhaltigen Nutzung der marinen Biodiversität. So sollen Wissen und Ressourcen in den 16 Partnerländern in Asien, Afrika und Mittel- und Lateinamerika aufgebaut und mit Netzwerken wie Regional Seas zusammengearbeitet werden. Blue Solutions dokumentiert die Ergebnisse des Austausches und teilt bewährte Ansätze. Es berät zudem dabei, die erarbeiteten Ansätze anschließend in nationale und regionale Strategien sowie Planungsprozesse zu integrieren und umzusetzen. So unterstützt das Vorhaben seine Partnerländer bei der Umsetzung zentraler Handlungsfelder der CBD, des Ozean-Klima-Nexus sowie SDG 14.

Ausblick

Gesunde Ozeane sind ein wichtiges Element in Lösungen der Biodiversitäts- und Klimakrisen. Dieses Jahr stehen wichtige und weitreichende Entscheidungen zum Schutz der planetaren Lebenserhaltungssysteme an, unter anderem bei der 15. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt im Oktober. Hier soll das 30x30-Ziel festgeschrieben werden, um so großflächige marine Gebiete dauerhaft zu schützen. Denn, so eine alte Weisheit, wenn die Ozeane gedeihen, gedeiht der “blaue Planet“ und alles Leben auf und mit ihm.