18.10.2021

Solar-Eismaschinen für frischen Fisch

Mann mit Eisblöcken vor Solarpanales

Die Solar-Eismaschine verbessert die Kühlketten in der lokalen Fischerei. Foto: BMU/GIZ

Der Inselstaat Indonesien ist zweitgrößter Fischproduzent der Welt. Doch unzureichende Lagermöglichkeiten in kleineren Häfen und bei Kleinfischerinnen und Kleinfischern führen zu Qualitäts- und damit finanziellen Einbußen. Dies liegt vor allem an der Knappheit und der Qualität des Eises. Denn dadurch droht die Kühlkette gleich zu Beginn zu unterbrechen.

Ein Lösungsansatz für dieses Problem kommt vom Projekt „Strategische Erschließung wirtschaftlicher Minderungspotenziale durch den Einsatz Erneuerbarer Energien (ExploRE)“, das von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) gefördert und von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH in Zusammenarbeit mit der indonesischen Regierung durchgeführt wird. Das Ziel: eine effiziente und nachhaltige Kälteversorgung für die aufstrebende Fischereiindustrie Indonesiens. Unter der Maxime „Das Sonnenlicht in Chancen verwandeln“ haben Unternehmen aus Indonesien zusammen mit Firmen aus Deutschland, der Schweiz und weiteren Ländern im Rahmen des Projekts eine Maschine entwickelt, die mittels Sonnenlicht als Energiequelle emissionsarm und dezentral Eisblöcke herstellt.

Mann an MaschineDie Solar-Eismaschine nutzt dazu eine Photovoltaikanlage, die an eine herkömmliche Eismaschine gekoppelt ist. Bei optimaler Sonneneinstrahlung produziert sie eine Tonne Eisblöcke am Tag. Die Solar-Eismaschine funktioniert autark von Strom- und Dieselversorgung auch auf den entlegensten Regionen des Archipels. Sie kommt dabei ohne einen großen Batteriespeicher aus, was sie noch flexibler macht und die Kühlung des Fangs direkt nach dem Anlegen der Schiffe ermöglicht. Jährlich spart die Solar-Eismaschine, verglichen mit einer dieselbetriebenen, 40 Tonnen CO2 und 14.000 Liter Diesel – bei einer gleichzeitigen Kostenreduktion von rund 30 Prozent.

Im Jahr 2019 wurde die Entwicklung des Prototyps der Solareismaschine abgeschlossen. Er soll 2021 in Sulamu, Kupang, Ost-Nusa Tenggara, installiert werden. Darüber hinaus gibt es Pläne für die Ausweitung der Solar-Eismaschine über die Fischerei hinaus, um die Kühlketten auch in anderen Sektoren zu verbessern.

Strategieberatung und innovative Pilotprojekte

Die Solar-Eismaschine ist nur ein Teil des Konzeptes von ExploRE, das aus strategischer Beratung und innovativen Pilotprojekten besteht. ExploRE entwickelt Strategien, um die Nutzung erneuerbarer Energiequellen auszubauen und verbessert so die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Partner des Projekts sind das Ministerium für Energie und Bodenschätze (MEMR), das Ministerium für nationale Entwicklungsplanung (BAPPENAS), das Finanzministerium und der staatlichen Stromversorger (PLN).

Die Voraussetzungen dafür sind günstig. Indonesien verfügt über viele Ressourcen für Bio- und Solarenergie, Wasserkraft und Erdwärme. Der Nationale Energierat Indonesiens beziffert das Potenzial von erneuerbaren Energien auf eine Kraftwerkskapazität von 442 Gigawatt. Doch um Indonesiens Kapazitäten bei den erneuerbaren Energien auszuschöpfen, muss noch einiges passieren. Im Jahr 2018 stammten nur 8,8 Gigawatt oder 14 Prozent der gesamten Kraftwerkskapazität aus erneuerbaren Energien. Angestrebt sind jedoch 23 Prozent bis 2025 und 31 Prozent bis zum Jahr 2050.

Bioenergy goes to Campus

Mit einem weiteren Pilotprojekt zielen die Projektpartnerinnen - und partner von ExploRE auf die Vermittlung von Wissen über erneuerbare Energien, insbesondere der Bioenergie. Die Direktion für Bioenergie, die Generaldirektion für neue und erneuerbare Energien und Energieeinsparung (Ditjen EBTKE) sowie das Ministerium für Energie und mineralische Ressourcen veranstalteten mit Unterstützung des IKI-Projekts in den Jahren 2019 und 2020 „Bio Energy goes to Campus“-Events an zwei Universitäten. Die Events informierten über die Vorteile von erneuerbaren Energien und ermutigten Studierende und akademische Gemeinschaften, sich an der Entwicklung von Bioenergie zu beteiligen. Diese Veranstaltungen werden nun für Universitätsstudierende auf ganz Indonesien ausgeweitet.

Biogas App zur mobilen Anlagenüberwachung

Die Beschäftigungsmöglichkeiten im Bioenergiesektor werden dank der voranschreitenden Digitalisierung vermutlich künftig stark ansteigen. Deshalb entwickeln die deutschen Projektpartner derzeit auf Anfrage der indonesischen Partnerministerien eine Biogas-App zur mobilen Anlagenüberwachung. Diese ermöglicht Biogasanlagen-Betreibern zukünftig eine Überwachung der Anlagen und eine direkte Erstellung von Berichten. Zudem macht sie den Betrieb von Biogasanlagen sicherer. Die Anwendung soll die Entwicklung von Biogas, insbesondere in der Landwirtschaft, fördern und die Erforschung von Bioenergie in Indonesien weiter vorantreiben.

Erneuerbare Energien unterstützen die Entwicklungsziele Indonesiens

Erneuerbare Energien bieten Indonesien als Inselstaat zahlreiche wirtschaftliche Vorteile. Bisher werden die Tausenden von Inseln vorranging über Dieselgeneratoren mit Energie versorgt. Da sie eine dezentrale Versorgung ermöglichen, senken die erneuerbaren Energien nicht nur die lokalen Emissionen, sondern auch die hohen Kosten, die für den Transport des Treibstoffs anfallen.

Zusätzlich zu den direkten Vorteilen im Energiesektor unterstützt die Erschließung des Potenzials an erneuerbaren Energien die langfristigen Entwicklungsziele Indonesiens und hilft, Risiken wirtschaftlicher Verluste infolge verschiedener klimabedingter Katastrophen zu verringern. Dezentrale erneuerbare Energien, insbesondere Photovoltaik und Mini-Wasserkraftwerke, arbeiten unabhängig vom Netz und ohne externe Energiequelle. Sie stehen deshalb auf den Inseln schneller wieder nach einer Katastrophe zur Verfügung als Anlagen, die auf externe Netzwerke und Energiequellen – und damit weitläufig intakte Infrastruktur – angewiesen sind. Über das Projekt werden deshalb Beiträge zu den Zusammenhängen zwischen Klima, Energie, Finanzen und Entwicklung bei erneuerbaren Energien geleistet und Indonesien bei der Erreichung seiner Entwicklungsziele unterstützt.

In enger Zusammenarbeit führen die deutschen und indonesischen Projektpartner Aktionen und kleinere Projekte durch. So unterstützen die von der IKI geförderten Berater beispielsweise die Entwicklung der indonesischen Bionenergy Roadmap, um die Planung von Bioenergiekraftwerken auf Basis agroindustrieller Abfälle zu fördern. Ein Vertreter des IKI-Projekts ExploRE ist zudem ausgewähltes Mitglied der Nationalen Taskforce für die Beschleunigung der Entwicklung von Biogas für die direkte Nutzung. Die Taskforce führt die technologische Bestandsaufnahme durch, formuliert einen Fahrplan und erstellt politische Empfehlungen für die nachhaltige Entwicklung von Biogas. Das indonesische Finanzministerium hat zudem mit deutscher Unterstützung eine Studie zur steuerlichen Unterstützung von Erneuerbare-Energien-Projekten durchgeführt.

Mann an Maschine

Die Covid-19-Pandemie brachte im Jahr 2020 Herausforderungen und Hindernisse für die Projektdurchführung und die Welt als Ganzes mit sich. Mit diesen Herausforderungen ergeben sich jedoch auch Chancen.

Mit den zusätzlichen Mitteln aus dem IKI-Corona-Response-Pakets in Höhe von 550.000 Euro bauen die Projektpartner von ExploRE den Solareis-Erzeuger in weiteren Pilotmaßnahmen aus. Zusammen mit der International Pole and Line Foundation (IPNLF) wird im Rahmen des Regierungsprogramms „Maluku National Fish Barn“ (M-LIN) die Qualitätsinfrastruktur der lokalen Produktion von „solarem Eis“ als Beitrag zur Verbesserung der Kühlketten weiterentwickelt.

Es bleibt zu hoffen, dass mit ExploRE ein Beitrag zur Bewältigung dieser Herausforderungen geleistet werden kann, insbesondere für den nachhaltigen Wiederaufbau und den Sektor der erneuerbaren Energien. Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig, denn die Solar-Eismaschine für frischen Fisch ist nur ein Teil des Energiepuzzle Indonesiens.

 

Dieser Beitrag ist Bestandteil des IKI-Jahresberichtes 2020 – Aktiv für den internationalen Klimaschutz. Weitere Informationen finden Sie auf der Sonderseite zum IKI-Jahresbericht 2020.