17.10.2016

Städte im Klimawandel

Blick auf Quito mit Häusern und dahinter Berg Cotopaxi

Blick auf die Stadt Quito und den Berg Cotopaxi; Foto: Oliver Hölcke

Mehr als die Hälfte aller Menschen lebt in Städten. Im Jahr 2050 sollen es laut Studien der Vereinten Nationen etwa 70%, in Afrika und Asien sogar 75%, sein. Dieser Urbanisierungsschub wird überwiegend in Ballungsräumen von Schwellen- und Entwicklungsländern stattfinden. Städte sind gleichzeitig für rund 70% der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich, die in den Sektoren Industrie, Verkehr, Wohnen und Abfall durch Energieerzeugung entstehen.

Städte, die in der Nähe von Küsten oder Flüssen liegen, sind besonders stark vom Klimawandel betroffen. Hohe Niederschläge oder Überschwemmungen durch einen steigenden Meeresspiegel können Verkehrswege beschädigen, intensive Stürme können Häuser zerstören und Trockenheit bringt Wasserknappheit sowie Krankheiten mit sich.

Seit 2015 stellt das Thema „Nachhaltige Stadtentwicklung“ einen übergreifenden Schwerpunkt der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesumweltministeriums. Bereits heute haben 68 laufende beziehungsweise geplante Projekte einen direkten oder indirekten Bezug zum Thema nachhaltige Stadtentwicklung.

Ein Beispiel für die Anpassung an den Klimawandel ist das IKI-Vorhaben „Cities fit for climate change". In Indien (Chennai), Südafrika (eThekwini/Durban) und Chile (Santiago de Chile) werden Stadtverwaltungen beraten, wie Stadtentwicklungsstrategien, städtebauliche Entwürfe sowie Flächennutzungs- und Bebauungspläne so angepasst und umgesetzt werden, dass klimaresiliente Städte entstehen. Der Umgang mit dem Klimawandel soll somit zu einem integrierten und strategischen Bestandteil der Stadtentwicklung werden. So können zum Beispiel in der Bauleitplaung schon Abflussmöglichkeiten und Rückhalteflächen bei Überflutungen eingeplant werden. Das Projekt mit einem Fördervolumen von 3,5 Millionen Euro orientiert sich an der Leipzig Charta zur Nachhaltigen Europäischen Stadt sowie an dem Memorandum Städtische Energien und unterstützt unter anderem den Habitat III Prozess für die Gestaltung einer neuen urbanen Agenda.

Ein Beispiel für die Minderung von Treibhausgasen ist die im Mai 2013 zwischen Bundeskanzlerin Merkel und dem chinesischem Ministerpräsident Li beschlossene Deutsch-Chinesische Urbanisierungspartnerschaft. Sie betont die wichtige Rolle von Städten beim Erreichen von Klimaschutzzielen. Diese Partnerschaft wird durch ein kürzlich begonnenes Vorhaben der IKI mit knapp 4,9 Millionen Euro unterstützt und sieht insbesondere den Erfahrungs- und Fachaustausch zu aktuellen Fragen nachhaltiger, integrierter Stadtentwicklungspolitik zwischen den beiden Ländern vor, zum Beispiel durch fachliche Aus- und Weiterbildung für deutsche und chinesische Experten aus Kommunen, Unternehmen, Wissenschaft und Verbänden.

Ein weiteres IKI Minderungsprojekt „Waste to Energy“ berät die indische Stadt Nashik, wie aus Abwasser und organischen Abfällen Energie produziert und Treibhausgasemissionen reduziert werden. Anfang 2016 wurde mit dem Bau der Demonstrationsanlage begonnen, mit der laut Machbarkeitsstudie rund 4.700 t CO2-Äquivalenten/Jahr eingespart werden sollen. Der zukünftige Betreiber hat in seinem Angebot die Erzeugung von 3.300 kWh Strom/ Tag gewährleistet. Das Projekt wird mit rund 2,5 Millionen Euro durch die IKI gefördert und trägt aktiv zu den Klimaschutzzielen der indischen Regierung bei. Als Lösungsansatz für Biogasanlagen in urbanen Ballungsgebieten und vor dem Hintergrund neuer indischer Stadtentwicklungsprogramme besteht an dem Projekt zudem großes nationales und internationales Interesse.