27.08.2020

Städte nachhaltig gestalten

Nairobi

Städte wie Nairobi sind für die Folgen des Klimawandels besonders anfällig. Foto: AdobeStock / Wollwerth Imagery

Der Lebensraum Stadt bietet schon heute ein Zuhause für mehr als die Hälfte aller Menschen der Erde – eine Momentaufnahme im Prozess einer langfristigen Urbanisierung: Während 1955 nur 30 Prozent der Weltbevölkerung in Städten lebten, wird dieser Anteil nach Schätzung von Expertinnen und Experten bis 2050 auf knapp 70 Prozent steigen. Dieser Urbanisierungsschub wird überwiegend in Ballungsräumen von Schwellen- und Entwicklungsländern stattfinden.

Besonders sensibel für die Auswirkungen des Klimawandels

Städte sind für mehr als zwei Drittel der weltweiten menschengemachten CO2-Emissionen verantwortlich; ein Großteil davon verursacht der Verbrauch fossiler Brennstoffe. Der Bau von Infrastruktur und die damit oft einhergehende Versiegelung von Verkehrs- und Siedlungsflächen bedrohen die Artenvielfalt. Städte sind aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte und der hohen Zahl von Wirtschaftsgütern besonders sensibel für die Auswirkungen des Klimawandels. So liegen urbane Räume etwa zu einem hohen Prozentsatz an Küsten und sind daher auch in besonderem Ausmaß vom Steigen des Meeresspiegels betroffen. Städte stehen vor der Aufgabe, ausreichend Finanzmittel bereitzustellen, um Phänomenen wie vermehrten schweren Regenfällen und Überschwemmungen oder Perioden extremer Hitze und Kälte zu begegnen. Risiken müssen gemindert und Infrastruktur aufgebaut werden – dafür braucht es Entscheidungskompetenzen, Kapazitäten und entsprechendes Wissen auf städtischer Ebene. Dabei ist es sinnvoll, auf Synergien mit bestehenden politischen Zielen wie Armutsbekämpfung oder einer Reduktion des Verkehrsaufkommens zu setzen.

Die Stadt der Zukunft: digital, resilient, lebenswert

Stadtentwicklung ist eine zentrale Aufgabe für den Klima- und Artenschutz. Das Pariser Klimaschutzabkommen erkennt Städte und subnationale Regierungen als Schlüsselakteure explizit mit an. Die Agenda 2030 greift dies im SDG 11 zur Gestaltung widerstandsfähiger und nachhaltiger Städte auf. Mit der New Urban Agenda (NUA) wurden 2016 auf dem UN-Gipfel Habitat III konkrete Ziele zu nachhaltiger Stadtentwicklung beschlossen. Bereits seit 2015 ist die nachhaltige Stadtentwicklung ein bereichsübergreifender Förderschwerpunkt der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI).

Die IKI-Projekte unterstützen die Partnerländer dabei, Strategien zu nachhaltiger und klimafreundlicher Stadtentwicklung sowie für den Umgang mit den Auswirkungen des Klimawandels in Städten zu entwickeln. Handlungsfelder liegen in den Sektoren Energie, Wasser, Abfall, Luftreinhaltung und Mobilität sowie im Bereich Verbesserung der Lebensqualität in Verbindung mit funktionierenden Ökosystemen und deren Dienstleistungen. Im Förderbereich Minderung bilden unter anderem die Unterstützung bei der Entwicklung von Klimaaktionsplänen, die vertikale Integration von lokalen Klimaschutzaktivitäten in nationale Klimaschutzpolitiken sowie die Schaffung von Finanzierungsmöglichkeiten für Infrastrukturinvestitionen die urbanen Schwerpunkte. Bei den Anpassungsprojekten liegt der Fokus auf der Stärkung der lokalen Resilienz gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels. Im Biodiversitätsbereich geht es beispielsweise um die Integration von Nationalen Strategien und Aktionsplänen zur Biologischen Vielfalt (NBSABs) in die nachhaltige Stadtplanung.