31.10.2018

Umweltfreundliche Klimaanlagen für Europa

Elisabeth Munzert, im Bundesumweltministerium zuständig für grundlegende Aspekte der Chemikaliensicherheit und der Chemikaliengesetzgebung, spricht über die Bedeutung der EU-Verordnung über fluorierte Treibhausgase für den Markt für Klimageräte; Foto: © GIZ Proklima

Elisabeth Munzert, im Bundesumweltministerium zuständig für grundlegende Aspekte der Chemikaliensicherheit und der Chemikaliengesetzgebung, spricht über die Bedeutung der EU-Verordnung über fluorierte Treibhausgase für den Markt für Klimageräte; Foto: © GIZ Proklima

Am 17. Oktober 2018 haben das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), das Umweltbundesamt (UBA) und das IKI-Projekt Cool Contributions fighting Climate Change (C4) im Rahmen der Messe für Kältetechnik Chillventa zu einer Expertentagung geladen. Die Veranstaltung diente dazu, Vertreter aus Politik und Wirtschaft zusammenzubringen, um darüber zu diskutieren, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um Split-Klimaanlagen, bei denen R290 (Propan) als Kältemittel zum Einsatz kommt, zum Durchbruch zu verhelfen.

Etwa 40 Expertinnen und Experten nahmen an der Tagung teil, auf der Referenten aus dem öffentlichen und privaten Sektor Vorträge hielten und dadurch eine Fachdiskussion über die Chancen und Herausforderungen von R290-Split-Klimaanlagen in Europa anstießen. Nach der Schaffung günstiger rechtlicher Rahmenbedingungen müssen sowohl angebots- als auch nachfrageseitig gezielt Maßnahmen getroffen werden, um dafür zu sorgen, dass die neue umweltfreundliche Technik sich durchsetzt. Der thematische Schwerpunkt der Tagung lag auf den politischen, technischen und kapazitätsbezogenen Voraussetzungen, die gegeben sein müssen, damit künftig in ganz Europa R290-Split-Klimaanlagen verwendet werden.

In vielen Ländern entfällt der größte Teil der Treibhausgasemissionen, die im Kühl- und Klimatisierungssektor anfallen, auf Split-Klimaanlagen. Durch die Urbanisierung, steigende Außentemperaturen und das Wachstum der Mittelschicht wächst der Markt für Split-Klimaanlagen deutlich - dies gilt auch für Europa.

Derzeit dominieren nach wie vor Geräte mit geringer bis mittlerer Energieeffizienz den weltweiten Markt für Raumklimaanlagen. Hinzu kommt, dass bei den meisten Geräten die extrem klimaschädlichen Kühlmittel HCFC-22, HFC-410a und HFC-32 zur Übertragung der Wärme aus dem Gebäudeinneren nach außen zum Einsatz kommen. Durch einen unsachgemäßen Umgang während der Fertigung, der Installation und vor allem der Wartung gelangen diese Substanzen in die Atmosphäre, wo sie eine Treibhauswirkung entfalten, die 600-mal so stark ist wie die des natürlichen Kältemittels HC-290 (Propan). Zwar wurden in Indien bereits mehr als 600.000 hocheffiziente R290-Split-Klimaanlagen verkauft, doch konnte sich die umweltfreundliche Technik in Europa bislang noch nicht durchsetzen.

Auf der Veranstaltung hoben Vertreter des BMU hervor, dass der Einsatz von Kältemitteln wie R290, die nur ein geringes Treibhausgaspotenzial (unter 10) besitzen, dringend geboten ist, weil die Fluorkohlenwasserstoffe gemäß der europäischen Verordnung über fluorierte Treibhausgase allmählich auslaufen, wodurch der Preis für HFC-Kältemittel bereits gestiegen ist. Außerdem sprachen Vertreter von GIZ Proklima anhand von Beispielen aus Indien, den Philippinen und Grenada über die Erfahrungen, die das Projekt mit der Einführung von umweltfreundlichen Split-Klimaanlagen in seinen Projektländern sowie mit Schulungs- und Zertifizierungsprogrammen für Techniker gesammelt hat.

Philipp Munzinger (Projektleiter, GIZ Proklima) und Rolf Hühren (Technischer Berater, HEAT GmbH) beim Erfahrungsaustausch mit der Moderatorin Nicole Müller (Beraterin, GIZ Proklima) über die Einführung von klimafreundlichen Split-Klimaanlagen, die Schulung von Technikern sowie die Entwicklung von Zertifizierungsprogrammen; Foto: © GIZ Proklima

Das UBA stellte das Umweltlabel „Blauer Engel“ vor und zeigte auf, welche Schritte notwendig sind, um R290-Split-Klimaanlagen entsprechend zertifizieren zu lassen. So muss das Gerät mindestens einen Seasonal Energy Efficiency Ratio (SEER) von sieben aufweisen und ein Kältemittel nutzen, das frei von Fluorkohlenwasserstoffen ist. Der chinesische Hersteller Midea, der die erste Blaue Engel-Zertifizierung für ein R290-Modell erhalten hat, stellte seine Forschungs- und Entwicklungsarbeit in Bezug auf R290-Split-Klimaanlagen vor und kündigte an, weitere R290-Modelle auf den Markt zu bringen.

Shecco, ein auf die Entwicklung eines internationalen Marktes für natürliche Kältemittel spezialisierter Akteur, hob angesichts der steigenden Nachfrage nach Klimatisierungstechnik die Chancen hervor, die die Markteinführung von R290-Split-Klimaanlagen weltweit, insbesondere jedoch in Europa bietet.

Davide Caravatti (Produkt- & Technik-Manager Italien, Midea Europe GmbH) vor dem Modell des Herstellers, das bereits mit dem Blauen Engel zertifiziert wurde; Foto: © GIZ Proklima

Das Unternehmen DMT sprach für den Bundesinnungsverband des Deutschen Kälteanlagenbauerhandwerks (BIV) über die praktischen Erfahrungen, die DMT bei der Installation und Wartung des präsentierten R290-Modells gesammelt hat. Dabei zeigte sich, dass Installation und Wartung ohne Schwierigkeiten oder problematische Konsequenzen möglich sind, solange alle Sicherheitshinweise und -vorkehrungen, die im Umgang mit R290 zu beachten sind, im Installations- und Wartungshandbuch aufgeführt sind. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass das Personal der Kältebauer im sicheren Umgang mit entzündlichen Kältemitteln geschult werden muss.

Im Nachgang zu der Veranstaltung übergab Midea der Bundesfachschule Kälte Klima Technik in Maintal eine R290-Split-Klimaanlage, um daran Kältebauer auszubilden. Nach Aussage von Midea ist eine flächendeckende Markteinführung der neuen Technik im Mai 2019 geplant.


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