26.10.2020

Umweltschutz und Menschenrechte in globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten

Globale Lieferketten. Grafik: Golden Sikorka / Shutterstock

In unserer globalisierten Welt wandern Produkte entlang internationaler Lieferketten rund um den Globus. Viele Unternehmen lassen dort produzieren, wo es für sie am günstigsten ist. In den Produktionsländern herrschen jedoch häufig deutlich schwächere Umwelt- und Sozialstandards als in Deutschland. Die Umweltbelastungen, die in den globalen Lieferketten von Unternehmen entstehen, sind oft um ein Vielfaches höher als an ihren Standorten in Deutschland (Quelle: adelphi). Umweltbelastungen gehen meist Hand in Hand mit Menschenrechtsverletzungen und Verstößen gegen Arbeitnehmerrechte. Was der Umwelt schadet, gefährdet auch Menschen vor Ort.

Politische Diskussion um ein Lieferkettengesetz

Wie können Unternehmen in ihren globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten den Schutz von Umwelt und Menschenrechten gewährleisten? Auch wenn Umwelt- und Reputationsrisiken für den langfristigen Erfolg von Unternehmen immer wichtiger werden, reichen freiwillige Verpflichtungen in vielen Fällen nicht aus. Aktuell wird in Deutschland ein Lieferkettengesetz diskutiert, um Unternehmen zu mehr Transparenz und wirksamen Maßnahmen zu verpflichten. Mehr...

IKI unterstützt nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen

Die internationale Klimaschutzinitiative (IKI) leistet mit ihren Projekten zu nachhaltigen Konsum- und Produktionsweisen (SCP) einen Beitrag zum Schutz von Umwelt und Menschenrechten in globalen Lieferketten. Die IKI trägt dazu bei, die Umweltbelastungen direkt in den Erzeugerländern zu reduzieren. SCP-Projekte fördern nachhaltigen Konsum und nachhaltige Herstellung von Produkten und verringern so die Umweltbelastungen. Zertifizierungssysteme, Umweltlabel, und Nachhaltigkeits-Informationssystemen (SIS) bilden eine Grundlage für informierte Konsumentscheidungen. Sie tragen dazu bei, das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten zu schützen, die Vermarktungsmöglichkeiten nachhaltiger Produkte zu verbessern und Anreize für umweltfreundliche Produktionsweisen entlang der Wertschöpfungsketten zu schaffen.

Nachhaltig produzierte Erzeugnisse haben immer auch soziale Vorteile für die Produzenten. Durch die Nutzung glaubwürdiger Zertifizierungssysteme kann eine Einhaltung von sozialen Standards gewährleistet werden. Aufgeklärte Verbraucherinnen und Verbraucher können durch ihr Kaufverhalten darauf Einfluss nehmen. Wenn entsprechend anspruchsvolle Zertifizierungssysteme genutzt werden, kann dies zum Erhalt wertvoller Lebensräume beitragen. Seit 2017 werden alle IKI-Projekte auf sogenannte Safeguards geprüft, um potenzielle negative Folgen von IKI-Projektaktivitäten für Menschenrechte zu vermeiden oder zu minimieren. Mehr zu den IKI-Safegurards ...

Zum Beispiel: Nachhaltigkeit in der Palmölproduktion, in der öffentlichen Beschaffung und im Tourismus

Die SCP-Projekte der IKI setzen an unterschiedlichen Punkten von globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten an – wie die folgenden Beispiele zeigen:  

Nachhaltige Geschäftsmodelle für die Palmölproduktion

In Indonesien werden im Rahmen des Projekts „Klimafreundliche Konsum- und Produktionsweisen inkl. Süd-Süd-Transfer“ Richtlinien und Empfehlungen erarbeitet, Beiträge zur NDC-Umsetzung im Agrarsektor mit Fokus auf die Palmölproduktion entwickelt und nachhaltige Geschäftsmodelle umgesetzt. Mit einer Produktionsmenge von 31 Millionen Tonnen Palmrohöl (CPO) im Jahr 2015 ist Indonesien wichtigster Palmölproduzent der Welt. Somit trägt der Palmöl-Sektor maßgeblich zum wirtschaftlichen Wachstum des Landes bei, ist dabei aber auch Hauptverursacher für Entwaldung und die damit verbundenen negativen sozialen Auswirkungen. Unternehmen sollen die Vorteile von nachhaltigen Produktionsweisen und nachhaltigen Lieferketten verstehen, umsetzen und diese an ihre Handelspartner kommunizieren. Für Palmöl kommt das Siegel des „Roundtable on Sustainable Palm Oil“ zum Einsatz.

Umweltlabel für die öffentliche Beschaffung

Das Projekt „Verbreitung von nachhaltigen Konsum- und Produktionsmuster in Asien“ trägt mit Hilfe von Umweltlabeln und der Analyse von Best-Practice-Beispielen im Bereich der öffentlichen Beschaffung dazu bei, den Bedarf an nachhaltigen Produkten zu steigern und die Ressourceneffizienz entlang der Wertschöpfungskette zu verbessern. Die Partnerinstitutionen sollen bei der Integration klimafreundlicher und kohlenstoffarmer Kriterien in Umweltlabel gestärkt werden. Insgesamt besteht großes Potenzial in der Region, durch nachhaltige öffentliche Beschaffung und Umweltlabel wirksamen Klimaschutz zu betreiben, da öffentliche Haushalte eine immense Kaufkraft besitzen. In den Durchführungsländern Kambodscha, Laos, Bhutan und Myanmar gibt es bisher keine Umweltlabel oder gesetzliche Regelwerke zur Integration von Nachhaltigkeitskriterien in der öffentlichen Beschaffung.

Nachhaltige Wertschöpfungsketten im Tourismus

Das Projekt "Transformation von Wertschöpfungsketten im Tourismussektor“ richtet den Fokus auf die ressourcenintensiven Teile der touristischen Wertschöpfungskette in Entwicklungsländern und kleinen Inselstaaten. Betrachtet werden beispielsweise die Unterkunfts- und die Gastronomiebranche. Um den Sektor emissionsarm und ressourceneffizient zu gestalten, bedarf es verstärkt nachhaltiger Konsum- und Produktionspraktiken – sowohl durch Veranstalter, Touristen als auch in den Destinationen.