19.05.2020

Vietnam: Imkerei stärkt Klimaresilienz

IKI-Honig aus Vietnam

IKI-Honig aus der vietnamesischen Provinz Ha Tinh. Foto: GIZ

Wie in vielen anderen Teilen der Welt hat der Klimawandel auch in der gebirgigen Provinz Ha Tinh in Zentralvietnam große negative Auswirkungen auf die natürliche Umwelt und die Landwirtschaft.

So ist beispielsweise wegen der Wasserknappheit nur noch eine Reisernte pro Jahr möglich. Das ist besonders gravierend, weil Reis die Hauptanbaukultur der Region ist. Darüber hinaus wird auch der Anbau von Obst und einjährigen Kulturen wie Orangen, Erdnüssen, Mais und grünen Bohnen durch den Wassermangel erheblich erschwert.

Für Menschen wie Pham Van Mao, der in dieser Region lebt, besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der Nahrungsmittelknappheit, denn seine Familie litt früher oft mehrere Monate im Jahr Hunger. Wie die anderen Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde Son Tho bekommt auch er die Auswirkungen des Klimawandels hautnah zu spüren: So sind extreme Kälte, Dürren und Überschwemmungen inzwischen keine Seltenheit mehr. Hier kommt die Bienenzucht ins Spiel und bietet eine neue wirtschaftliche Perspektive.

Bäuerinnen und Bauern entdecken die Bienenzucht für sich

Zur Unterstützung der Landwirtschaft wurden 2018 im Rahmen des IKI-Projekts „Strategisches Mainstreaming ökosystembasierter Anpassung in Vietnam (EbA)“ für 54 Haushalte der Gemeinde Son Tho Bienenstöcke angeschafft und Lehrgänge zu Bienenzucht und Imkerei durchgeführt. Mithilfe des Projekts konnten die Bäuerinnen und Bauern ihre Einkommensquellen ausweiten und so ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel stärken.

Pham Van Mao fing nach der Imkerschulung mit fünf Bienenstöcken an – inzwischen sind es 25. Er erzielt einen guten Preis für seinen Honig. Etwa die Hälfte der jährlich gesammelten 300 Kilogramm wird an Händler verkauft; die andere Hälfte kaufen die Einheimischen als Geschenk für ihre Verwandten in der Stadt. Und auch ehemalige Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner haben großes Interesse, wenn sie zu Besuch in ihre alte Heimat kommen.

Pham Van Mao erklärt: „Meine Familie verdient derzeit rund 24 Millionen Dong, das entspricht etwa 1.000 Euro, pro Jahr mit der Bienenzucht. Damit ist die Imkerei zur wichtigsten Einkommensquelle für meine Familie geworden. Mit den Einnahmen aus der Bienenzucht kaufe ich Reis, bessere die Bienenstöcke aus und investiere in den Betrieb.“

Bienenzucht: zusätzliche Einkommensquelle und ein Plus für den Naturschutz. Foto: GIZ

Zusammenschluss der Imkerinnen und Imker in einer Kooperative

In Son Tho widmen sich inzwischen 500 Haushalte der Bienenzucht. Die Gemeinde hat erkannt, dass die Imkerei den Menschen einen hohen wirtschaftlichen Nutzen bietet. Daher unterstützen die kommunalen Behörden den Aufbau einer Imkerkooperative auf kommunaler Ebene, in der sich die Bienenzüchter aus den verschiedenen Dörfern zusammenschließen.

Die Mitglieder der Kooperative kommen regelmäßig zusammen, um sich auszutauschen, und darüber zu diskutieren, wie sie ihre Produkte am besten fördern und vermarkten können.Die Bilanz zum Einstieg in die Imkerei ist durchweg positiv: Die Bienenzucht schafft nicht nur zusätzliches Einkommen, sondern trägt auch zur Sicherung der Nahrungsmittelversorgung und zum Naturschutz bei.

Fortsetzung der Projektarbeit

Die erfolgreiche Arbeit wird durch das Projekt „Unterstützungsvorhaben für die Umsetzung des Paris-Abkommens (SIPA)“ fortgesetzt. SIPA wird von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)“ gefördert und unterstützt die Umsetzung von ökosystembasierten Anpassungsmaßnahmen in der Provinz Ha Tinh. Dabei liegt der Schwerpunkt der Intervention auf der Förderung einer klimafreundlichen Landwirtschaft.