06.07.2020

Virtuelle Entdeckung: Chiles Weg zur Klimaneutralität

Photovoltaikanlage auf dem Dach des chilenischen Energieministeriums.

Chile will klimaneutral werden: Beste Voraussetzungen bieten die im Land verfügbaren erneuerbaren Energien. Sonnenenergie wird auch auf dem Dach des Energieministeriums genutzt, dort ist eine Photovoltaikanlage installiert. Foto: Energieprogramm/ GIZ in Chile

Wie wäre es mit einem Ausflug nach Chile, um den Fortschritt des Landes auf dem Weg zur Klimaneutralität in Augenschein zu nehmen? Das geht CO2-frei und mit wenig Reiseaufwand, ein virtuelles Modell macht es möglich. Nach wenigen Mausklicks sind Sie bereits in der Atacamawüste im Norden Chiles angekommen und stehen inmitten einer Solaranlage. In der Atacamawüste gibt es die intensivste Solarstrahlung der Welt, und die wird clever genutzt: Mehr als 10.000 Spiegel konzentrieren das Sonnenlicht auf einen 240 Meter hohen Turm, wo es in elektrische Energie umgewandelt wird. Oder Sie schauen sich ein Kohlekraftwerk an, das in einen thermischen Energiespeicher umgewandelt wurde – und zukünftig Strom nicht mehr über die Verbrennung von Kohle, sondern durch die Nutzung erneuerbarer Energien liefert.

Klimaneutrale Zukunft mit erneuerbaren Energien

Das Modell zeigt ein klimaneutrales Chile der nahen Zukunft und visualisiert, wie die erneuerbaren Energien intelligent und effizient zur Dekarbonisierung des Landes verwendet werden. Interessierte können sich anhand des Modells nicht nur über die Solaranlage in Atacama informieren, sondern auch über Elektromobilität, Kraftwärme-Kopplung oder die Verbindung von günstigem Strom aus erneuerbaren Energien und „grünem Wasserstoff“. Geplant war das „Modell zum Anfassen“ als didaktisches Ausstellungsstück für die Standbesucher auf der COP25 im Dezember 2019 in Santiago de Chile, jetzt wird es zur Attraktion im virtuellen Raum - und damit weltweit verfügbar.

Chile hat ein immenses Potenzial zur Stromerzeugung -  Sonne, Wind, Biomasse, Wasserkraft oder Geothermie. Selbst konservativen Studien zufolge verfügt das Land über ein Potenzial von mehr als 1.800 Gigawatt an erneuerbarer Erzeugerleistung. Der Blick auf die derzeit installierte elektrische Erzeugerkapazität von nur etwa 25 Gigawatt verdeutlicht den großen Spielraum für die Entwicklung einer neuen "grünen" und kohlenstofffreien Wirtschaft.

Besonders in diesen Zeiten der Covid-19-Krise ist die Öffnung hin zu einer lebensfreundlicheren, nachhaltigeren Wirtschaft ein wichtiger Schritt auch zur Wiederbelebung der Wirtschaft. Die Nutzung innovativer Technologien mit erneuerbaren Energiequellen und die Förderung der Produktion und Nutzung von „grünem“ Wasserstoff kann von entscheidender Bedeutung für die Zukunft Chiles sein.

Zum Anfassen und zum Anklicken

Die Covid-19-Pandemie war auch der Grund, warum aus dem „Modell zum Anfassen“ ein „Modell zum Anklicken“ wurden: Die ursprüngliche Version ist ein zwei Meter langer und 1,50 Meter breiter Querschnitt durch die Landschaft der nördlichen Regionen Chiles, der im 3D-Drucker entstand. Darauf sind kleine Modellinstallationen verschiedener Technologien zur Nutzung des enormen Potenzials an erneuerbaren Energien montiert. Da das Modell, das derzeit im chilenischen Energieministerium steht, aufgrund der Pandemie nicht wie geplant auf Ausstellungen und Konferenzen gezeigt werden kann, wurde aus der Not eine Tugend gemacht. Gemeinsam mit Fachleuten des Energieministeriums hat das IKI-Projekt „Dekarbonisierung des chilenischen Energiesektors“ eine digitale Version entwickelt, die mit virtuellen Textbausteinen und kurzen Videos die dargestellten Technologien beschreibt.

Das vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) finanzierte Projekt wird von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH in Zusammenarbeit mit dem chilenischen Energieministerium umgesetzt. Für den 3D-Druck verwendete die chilenische Firma „Fácil 3D“ den biologisch abbaubaren Kunststoff PLA als Rohmaterial.


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