22.03.2020

Wasserunternehmen auf dem Weg zu CO2-Neutralität

Kläranlage Totora 2.617 Meter über dem Meeresspiegel in Huamanga, Ayacucho, Peru. Foto: GIZ/WaCCliM

Wasserunternehmen auf dem Weg zu CO2-Neutralität

Der Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur führt zu ebenso dramatischen wie unvorhersehbaren Änderungen im Wasserkreislauf, die überall auf der Welt enorme Konsequenzen für die Menschen haben werden. Durch den Klimawandel wird Trinkwasser in hoher Qualität knapper. Gleichzeitig nehmen Häufigkeit und Intensität von Hochwassern, Stürmen und Dürren zu. All diese Auswirkungen stellen die Verantwortlichen im Wassersektor vor große Herausforderungen, denn: Entscheidungen, die früher auf der Grundlage von historischen Daten getroffen werden konnten, sind heute wegen der ungewissen Entwicklung des Weltklimas mit hohen Unsicherheiten behaftet.

Gleichzeitig trägt die Wasserwirtschaft selbst den Klimawandel voran. So entfallen zurzeit bis zu fünf Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen auf die Wasserwirtschaft. Da die Nachfrage nach Wasser in den nächsten 30 Jahren um 55 Prozent steigen wird, dürfte auch der Treibhausgasausstoß zunehmen, sofern nicht kurzfristig gegengesteuert wird.

Kommunale Versorgungssysteme, globale Verpflichtungen

Die kommunalen Wasser- und Sanitärversorgungsanlagen bieten ein großes Potenzial für den Klimaschutz, da ihr Energieverbrauch meist durch fossile Energieträger gedeckt wird. Gleichzeitig entfallen in manchen Kommunen bis zu 40 Prozent des kommunalen Energieverbrauchs auf den Wasser- und Abwassersektor. In Entwicklungs- und Schwellenländern setzen die Wasser- und Sanitärversorger vielfach ineffiziente Pumpen ein. Außerdem sind in diesen Ländern die Wasserversorgungsleitungen oft undicht und die Abwasserbehandlung entspricht nicht dem Stand der Technik. Dadurch fallen der Energieverbrauch und damit der CO2-Ausstoß besonders hoch aus. Darüber hinaus entstehen bei Abbauprozessen in unbehandelten oder unzureichend behandelten Abwässern Methan- und Stickoxidemissionen mit noch größerer Treibhausgaswirkung.

Fahrplan für den Klimaschutz

Seit 2014 arbeitet das IKI-Projekt Water and Wastewater Companies for Climate Mitigation (WaCCliM) mit ausgewählten Ländern und Versorgungsunternehmen zusammen, um zu beweisen, dass in der kommunalen Wasserwirtschaft neben einer klimaresilienten nachhaltigen Entwicklung auch Klimaschutzmaßnahmen realisiert werden können.

Die Erfahrungen aus dem Projekt zeigen: Die Gewinnung und Verteilung von Trinkwasser sowie die Abwasserbehandlung in Schwellen- und Entwicklungsländern können wichtige Beiträge zur Umsetzung der nationalen Klimaschutzbeiträge (NDCs) und der Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (SDG) leisten.

Bislang gehen aber nur wenige Regierungen in ihren NDCs darauf ein, dass im Wasser- und Abwassersektor auch erhebliche Potenziale zur Verringerung der Treibhausgasemissionen bestehen.

An diesem Punkt setzt das Projekt an und zeigt den Ländern auf, wie sie den Treibhausgasausstoß der Wasser- und Sanitärversorger wirkungsvoll verringern können. So hat es einen gut strukturierten Fahrplan mit Maßnahmen für eine klimafreundliche Transformation der Wasser- und Abwasserwirtschaft eingeführt. Darin werden auch Klimarisiken und Möglichkeiten zur Verbesserung der Versorgungsqualität im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung berücksichtigt. Mit seinem Energy Performance and Carbon Emissions Assessment and Monitoring Tool (ECAM) unterstützt das Projekt die Versorger auf diesem Weg. Das Tool bietet den Unternehmen die Möglichkeit, ihre Treibhausgasemissionen und Energiesparpotenziale zu ermitteln sowie herauszufinden, wie sie Energie für den Eigenbedarfs erzeugen können. Gleichzeitig liefert das Instrument Daten für Mess-, Berichts- und Prüfsysteme (MRV) und unterstützt so die Einhaltung der NDCs.

Toolbox weltweit verfügbar: Versorgungsunternehmen als Vorreiter

 WaCCliM hat in Pilotprojekten mit Versorgungsunternehmen in Jordanien, Mexiko, Peru und Thailand Lösungen zur Minderung der Auswirkungen des Klimawandels erprobt: von energieeffizienten Pumpen bis hin zur Stromerzeugung durch Biogasanlage, die mit Abwasser betrieben werden. So hat das Projekt den CO2-Ausstoß um insgesamt 10.000 Tonnen pro Jahr verringert – das entspricht der Klimawirkung von 50.000 Bäumen.

Zudem führt das Vorhaben das Klimaanpassungskonzept ein und unterstützt die an den Pilotprojekten teilnehmenden Versorger dabei, Plänen zur Verringerung von Klimarisiken zu entwickeln. Außerdem berät das Projektteam die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Versorger, beispielsweise zur Resilienz gegenüber Klimarisiken, zur Verringerung von Wasserverlusten und zur Nutzung von geklärten Abwässern. Über die Wissensplattform Climate Smart Water stellt das Projekt Wasserversorgern überall auf der Welt die Toolbox mit Instrumenten für die Planung von Klimaminderungs- und Klimaanpassungsmaßnahmen zur Verfügung.

Mit diese Instrumenten trägt das Projekt zur Umsetzung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele bei, die eine ambitionierte Vision darstellen, die auf kommunaler, nationaler und globaler Ebene gleichermaßen verwirklich werden muss. Deshalb arbeitet WaCCliM mit nationalen und internationalen Partnern zusammen, ermöglicht konkrete Verbesserungen vor Ort und leistet darüber hinaus einen Beitrag zu einem globalen Transformationsprozess. Die Wasser- und Sanitärversorger, die die bereitgestellten Instrumente als erste für ein Treibhausgas-Benchmarking und eine klimafreundliche Planung von Anlagen und Prozessen einsetzen, gehören zu den Vorreitern im Wassersektor ihres Landes. Sie zeigen, dass der Wassersektor bei der nächsten Überarbeitung der NDCs im Hinblick auf Klimaminderung und Klimaanpassung verstärkt berücksichtigt werden sollte. Wenn das geschieht, wird die Wasserwirtschaft auch bereit sein, einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung der Agenda für nachhaltige Entwicklung zu leisten.