12.09.2014

Weniger Brände im Cerrado – für Klimaschutz und biologische Vielfalt

Deutschland und Brasilien bauen ihre erfolgreiche Zusammenarbeit im Bereich Biodiversitäts- und Klimaschutz weiter aus: das Bundesumweltministerium (BMUB) fördert integriertes Feuermanagement im brasilianischen Cerrado mit bis zu 12 Millionen Euro bis 2017.

Sanddünen, hinter denen sich Canyons und Regenwald erstreckenDer brasilianische Cerrado ist fast sechsmal so groß wie Deutschland und gilt als die artenreichste Savannenlandschaft der Welt. Doch jährlich wiederkehrende, überwiegend vom Menschen verursachte Waldbrände haben gravierende Folgen: Verlust von biologischer Vielfalt, erhöhte Treibhausgasemissionen und Gesundheitsprobleme durch Rauchentwicklung. In 2010 waren etwa 57 Prozent aller CO2-Emissionen Brasiliens landnutzungsbedingt; von diesen entstanden 2010 rund 39 Prozent im Cerrado. In den sechs föderalen Schutzgebieten der Projektregion wurde eine Fläche von zirka 10.000 km² durch Brände zerstört - das entspricht mehr als der Fläche Zyperns.

Integrierter Ansatz des Feuermanagements in Brasilien

Im Rahmen seiner strategischen Partnerschaft mit Brasilien unterstützt das BMUB aus Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) die brasilianischen Partner bei deren Engagement zur Verbesserung des Feuermanagements und trägt somit zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und zum Klimaschutz bei. Seit 2012 setzen die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und die KfW-Entwicklungsbank gemeinsam mit dem brasilianischen Umweltministerium und weiteren Partnern im Auftrag des BMUB Aktivitäten zum integrierten Feuermanagement im Cerrado um. Integriertes Feuermanagement ist mehr als Brandbekämpfung. Es umfasst unter anderem auch Brandprävention und -kontrolle, nachhaltige Landnutzung und partizipative Planungsprozesse. Das Projekt setzt entsprechend auf all diesen Ebenen an.

Da ein Großteil der unkontrollierten Vegetationsbrände durch landwirtschaftliche Aktivitäten entsteht, ist die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung besonders wichtig. Hier geht es vor allem um Alternativen zum Feuereinsatz in der Landwirtschaft, die Einrichtung eines dezentralisierten Genehmigungssystems für kontrolliertes Brennen sowie partizipatives Schutzgebietsmanagement.

Desweiteren erforscht das Projekt die Auswirkungen von Vegetationsbränden auf die biologische Vielfalt und das Klimaschutzpotential des Cerrado anhand von Studien. Ein neues, satellitenbasiertes Monitoringsystem liefert dafür sowie für die Brandbekämpfung wichtige Informationen. Es erfasst zeitnah, wie sich Vegetationsbrände und Entwaldung im Cerrado entwickeln. Zu diesem Thema hat das Projekt eine bilaterale Forschungskooperation zwischen dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der brasilianischen Weltraumbehörde (INPE) initiiert. Zudem hat INPE ein satellitengestütztes Feuer-Monitoringsystem entwickelt, welches voraussichtlich bis Ende 2014 für ganz Brasilien einsetzbar sein wird.

Zwei Feuerwehrmänner beim Einsatz .

Durch zahlreiche Trainingsangebote hat das Projekt bereits über 900 Angestellte der Feuerbrigaden, Landwirte und Vertreter der Zivilgesellschaft im Bereich integriertes Feuermanagement, Umweltbildung und feuerfreie Alternativen in der Landwirtschaft ausgebildet. Seminare und Studienreisen in Brasilien und Australien wurden genutzt, um konkrete Maßnahmen zum Feuermanagement zu entwickeln, die nun in Pilotregionen umgesetzt werden. Die so gesammelten Erfahrungen bieten eine wichtige Referenz für die Entwicklung der Nationalen Politik für integriertes Feuermanagement.

Räumliche und inhaltliche Ausweitung des Projekts

Mit den zusätzlichen Fördermitteln des BMUB und der Laufzeitverlängerung bis Anfang 2017 kann das Projekt nun verstärkt in das Wissensmanagement und die Verbreitung der Projekterfahrung investieren. Es wird erprobte Instrumente und Ansätze zum integrierten Feuermanagement sowie Lernerfahrungen aus bereits umgesetzten Projektaktivitäten systematisieren und anderen nationalen sowie internationalen Institutionen zur Verfügung stellen. Darüber hinaus wird die Projektregion erweitert, die nun sieben Schutzgebiete, zehn Gemeinden sowie ein Indianergebiet und ein Ansiedlungsgebiet für Landlose umfasst.

Mit diesem umfassenden Ansatz trägt das IKI-Projekt dazu bei, dass Brasilien seine ambitionierten Klimaschutzziele erreicht und die biologische Vielfalt im Cerrado erhalten wird.


Weitere Informationen