03.08.2020

Wiederherstellung von 20 Millionen Hektar degradierter Landschaft

Wald

Die Initiative 20x20 stellt Waldlandschaften in Lateinamerika – wie hier in Guatemala – wieder her. Foto: BMU/René Zamora Cristales

In Lateinamerika und der Karibik gibt es einige der ökologisch wertvollsten Waldökosysteme der Welt. Jedoch sind 650 Millionen Hektar Land von Degradierung und Entwaldung betroffen. Vor allem die Ausweitung landwirtschaftlicher Nutzflächen, aber auch der Bau von Infrastruktur wie Straßen und Siedlungen sowie Bergbau zerstören Natur und Umwelt in großem Maßstab. Diese Entwicklung führt zu einem Verlust der biologischen Vielfalt, zu klimaschädlichen Treibhausgasemissionen und macht Landschaften und Infrastrukturen gleichermaßen anfälliger für die Folgen des Klimawandels.

Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) unterstützt deshalb die Initiative 20x20, die bis 2020 rund 20 Millionen Hektar geschädigter Fläche in der Region aufforsten und schützen möchte. In Anbetracht der verschiedenen Grade der Landdegradation in der Region unterstützt 20x20 nicht nur die Aufforstung von Wäldern. Die Initiative hilft ebenfalls bei der Umsetzung nachhaltiger Landnutzungsansätze, die Bäume, Ackerkulturen und Tierhaltung in ganzheitlichen Systemen kombinieren. Damit profitieren die Menschen vor Ort auch hinsichtlich ihrer Einkommensmöglichkeiten und bei der Ernährungssicherung.

20x20 arbeitet dazu unter anderem mit Regierungen, Behörden, Forschungseinrichtungen und der Privatwirtschaft zusammen. Die Projektpartner führen eine Kosten-Nutzen-Analyse für Maßnahmen zur Wiederherstellung der Landschaften durch und ermitteln neue Finanzierungsmechanismen, die den Privatsektor miteinbeziehen. Zudem unterstützt die Initiative die Partnerländer dabei, strategische Pläne für die Wiederbewaldung zu entwickeln. Dadurch profitieren die beteiligten lokalen Gemeinden unter anderem von einer verbesserten Bodenfunktion und weniger Bodenerosion. Das Projekt leistet so einen erheblichen Beitrag, die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern und die Widerstandsfähigkeit der Region zu stärken.

Wir können den Menschen zeigen, dass eine nachhaltige Waldwirtschaft produktiver ist

Im Interview spricht René Zamora Cristales, Projektkoordinator der 20x20-Initiative am World Resources Institute (WRI) in Washington, D.C./USA, über die Herausforderungen einen Wandel herbeizuführen.

Welche Rolle spielt das WRI bei der Umsetzung der 20x20-Initiative?

René Zamora Cristales: Wir koordinieren die Zusammenarbeit der Mitglieder der Initiative, zum Beispiel in verschiedenen Arbeitsgruppen zu Themen wie Emissionshandel oder biologische Vielfalt. Wir organisieren den Wissensaustausch zwischen Projekten, Ministerien und den Akteuren vor Ort, etwa durch Webinare, Exkursionen oder einen jährlichen internationalen Workshop zum Thema Landschaftsrestaurierung. Außerdem bringen wir Projekte und private Investoren zusammen, um Mittel aus der Wirtschaft für die Wiederherstellung von Wäldern zu akquirieren, und kümmern uns um das Monitoring der Ergebnisse.

Wie überzeugen Sie die Menschen vor Ort davon, in die Wiederherstellung von Wäldern zu investieren, statt weiter Abholzung für industrielle und landwirtschaftliche Zwecke zu betreiben?

René Zamora CristalesWir zeigen ihnen die Vorteile auf. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: In Lateinamerika hat man Sekundärwälder bisher für nutzlos gehalten – also Wälder, die bereits zur Holzgewinnung oder für landwirtschaftliche Zwecke gerodet wurden, die man aber systematisch wieder bewalden könnte. Man hat es für produktiver gehalten, weiterzuziehen und den nächsten Wald zu roden. Aber wir können darstellen, dass eine nachhaltige Waldwirtschaft nicht nur produktiver ist, sondern weitere Vorteile wie Schutz vor Überschwemmungen oder eine bessere Wasserversorgung mit sich bringt. Es gibt Formen der landwirtschaftlichen Nutzung wie die Agroforstwirtschaft oder die Waldweide, die diese Vorteile vereinen, ohne die Wälder für den kurzfristigen Nutzen zu schädigen. So können wir den Bauern signalisieren: Ihr könnt in eurer Heimat bleiben und müsst nicht zu „Landwirtschaftsmigranten“ werden.

Was sind die größten Herausforderungen, denen Sie bei Ihrer Arbeit begegnen?

In den meisten Ländern gibt es falsche Anreizstrukturen. Während konventionelle Landwirtschaft, Viehzucht und Saaten subventioniert werden, fehlen finanzielle Anreize für die Wiederherstellung von Wäldern. Die Ökodienstleistungen der Wälder sind in das System nicht eingepreist. Hier müssen andere Strukturen geschaffen werden. Das würde es auch erleichtern, private Geldgeber zu gewinnen, die zwar Kapital investieren wollen, aber zum Teil noch das Risiko scheuen, Projekte zur Restaurierung von Wäldern von der Erkundungsphase an zu finanzieren.


Videos