08.10.2018

Wiederherstellung von Dünen durch einheimische Baumarten in Vietnam

Kasuarinen auf einer degradierten Düne in der Provinz Thua Thien Hue; Foto: © UNIQUE Forestry and Land Use GmbH

Kasuarinen auf einer degradierten Düne in der Provinz Thua Thien Hue; Foto: © UNIQUE Forestry and Land Use GmbH

Den Auftakt für das neue Projekt „Ökosystembasierte Anpassung (EbA) an der Nord-Zentralküste Vietnams: Wiederherstellung und Co-Management degradierter Dünen und Mangroven“ gaben mehrere Kick-off-Workshops, die im August und September 2018 in der Provinz Thua Thien Hue sowie in Hanoi stattfanden. Die mit Unterstützung der UNIQUE Forestry and Land Use GmbH und des Institute of Resources and Environment (IREN) der Universität Hue durchgeführten Veranstaltungen zeigten den Bedarf an EbA-Maßnahmen in der Region und den innovativen Charakter des Projektes. Das Projekt soll die Resilienz und die Anpassungsfähigkeit der lokalen Bevölkerung an schwere Taifune in den drei Projektprovinzen Thua Thien Hue, Quang Tri und Quang Binh erhöhen.

Bisher konzentrieren sich Küstenschutzmaßnahmen in Vietnam überwiegend auf das Delta des Mekong im Süden und das Delta des Roten Flusses im Norden des Landes. In der Region der Nord-Zentralküste, wo viele schwere Taifune auf Land treffen, fehlen solche Maßnahmen. Ohne einen robusten schützenden Waldbewuchs können die Taifune die Dünen durchbrechen und so die Existenz der auf Fischerei und Subsistenzwirtschaft angewiesenen lokalen Bevölkerung bedrohen. Das Projekt hat das Ziel, die technische Machbarkeit bestimmter EbA-Maßnahmen zu überprüfen. Dafür werden in einer Region mit etwa 230.000 ha sandigen Küstengebieten und Dünen einheimische und endemische Baumarten zur Wiederherstellung der Schutzfunktionen degradierter Dünen und Mündungen eingesetzt.

An der Universität Hue wurden in den letzten Jahren in großem Umfang zu den einzigartigen und extremen Lebensräumen an der vietnamesischen Küste geforscht. Insgesamt konnten 314 einheimische Baumarten identifiziert werden. Ein Nachweis für die Machbarkeit der Wiederherstellung sowie die Umsetzung in größerem Maßstab stehen allerdings noch aus. Diese Herausforderungen sollen durch das Projekt angegangen werden. Der vorgeschlagene Wiederherstellungsansatz ist kosteneffizient und viele Baumarten des Projektes stehen auf der roten Liste der Union for Conservation of Nature (IUCN). Im Rahmen des Projektes werden unter Einbeziehung diverser Akteurinnen und Akteure und ausgewählter lokaler Gemeinschaften 450 ha Pilotflächen in sandigen Küstengebieten und 50 ha Mangrovengebiete in Mündungen bepflanzt.

In der Provinz Quang Tri sind nur noch wenige intakte Abschnitte des natürlichen Küstenwaldes mit seiner hohen Artenvielfalt erhalten; Foto: © Le Thai Hung, Universität Hue

Zur Umsetzung wird ein integrierter Co-Management-Ansatz angewendet. Es wird erwartet, dass die Pilotflächen als Vorbild für die Ausweitung auf Landschaftsebene dienen können. Dadurch wird die Anfälligkeit der in Dünennähe lebenden lokalen Landbevölkerung wirksam reduziert, ihre Existenzgrundlage wird gestärkt und es entstehen deutliche positive Nebeneffekte im Bereich der Biodiversität. Die Maßnahmen kommen außerdem regionalen und nationalen Behörden sowie weiteren Akteurinnen und Akteuren zugute, die sich für EbA einsetzen.

Die Dünen in der Provinz Thua Thien Hue sind für die landwirtschaftliche Wassernutzung der lokalen Bevölkerung von zentraler Bedeutung; Foto: © Dr. Ho Dac Thai Hoang, IREN

Während der Workshops wurde lebhaft über die technischen Herausforderungen debattiert, insbesondere über die Anzucht von Setzlingen, die Bedürfnisse und Einbindung der lokalen Bevölkerung zur Sicherung einer nachhaltigen Umsetzung des Projektes sowie die Schwierigkeiten bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen. Betont wurden die Wichtigkeit von Monitoring sowie die Gefahr, in der Pilotphase einen zu „maßgeschneiderten“ Ansatz zu verfolgen, der nicht auf Landschaftsebene übertragen werden kann.

Das Projekt wird durch das deutsche Bundesumweltministerium (BMU) im Rahmen seiner Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) finanziert. Es findet eine enge Abstimmung und Kooperation mit der Weltbank, GIZ, IUCN, SNV Netherlands Development Organisation und anderen Institutionen statt, um institutionelle und finanzielle Möglichkeiten zur Ausweitung des Projektes auszuloten und Synergieeffekte zu nutzen. Zudem werden UNIQUE und IREN verschiedene Maßnahmen für die Verbreitung entwickeln und umsetzen, um das Konzept weiter innerhalb und außerhalb Vietnams bekannt zu machen.