12.07.2017

23 neue Naturreservate unter UNESCO-Schutz

Manu Biosphärenreservat, Peru. Foto: Daniel Rosengren/ZGF.

Manu Biosphärenreservat, Peru. Foto: Daniel Rosengren/ZGF.

23 neue und elf erweiterte Reservate – so sieht der Entschluss der Vereinten Nationen (UN) zur Erweiterung des UNESCO-Netzwerkes für Biosphärenreservate (World Network of Biosphere Reserves, WNBR) aus. Reservate aus allen Kontinenten sind auf der UN-Liste zu finden. Vier der Gebiete erstrecken sich sogar über Ländergrenzen hinaus.

Eines davon ist das neu anerkannte „Grenzüberschreitende Biosphärenreservat Mono“. Dieses vereint zwei ebenfalls neue Reservate am südlichen Grenzverlauf zwischen Benin und Togo. Das grenzüberschreitende Reservat beheimatet auf rund 3500 km² gefährdete Tierarten wie die Seekuh und das Flusspferd und besteht aus zahlreichen Landschaftsformen und Ökosystemen. Hierzu zählen auch Waldgebiete, die für einige lokale Bevölkerungsgruppen als heilig gelten. Die fast 900.000 Menschen, die in dem Gebiet leben, sind meist Kleinbauern oder Fischer.

Zwei Fischer stehen in ihrem kleinen Holzboot auf dem See von Afito in Togo. Foto: GIZ

Die Anerkennung der Gebiete wurde entscheidend durch ein Projekt vorangetrieben, das im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) vom Bundesumweltministerium (BMUB) gefördert und durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH umgesetzt wird. Das Projekt übernahm wichtige Funktionen als Impulsgeber und Koordinator des Anerkennungsprozesses. Gemeinsam mit lokalen Gemeinden und Initiativen sowie den Umweltministerien beider Länder wurden entlang des Mono-Flusses neue Schutzgebiete geschaffen, die anschließend zu einem Biosphärenreservat zusammengeschlossen wurden. Durch die Unterstützung der lokalen Initiativen wurde dieser Prozess „von unten“, aus der Bevölkerung heraus, getragen – eine für den Erfolg wichtige Besonderheit, die auch die UNESCO hervorhob. Nach der Anerkennung sollen nun Koordinationsstrukturen etabliert werden, in denen die Gemeinden vor Ort, gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen und den Regierungen, das Reservat erfolgreich verwalten können.

Mehrere Personen stehen an einem kleinen Tümpel um eine Karte herum und besprechen sich, bei einem Besuch vor Ort zur Überprüfung der Elemente der Zonierungskarte des Schutzgebiets Togodo. Foto: GIZ

In Peru konnte ein IKI-Projekt zur Erweiterung des Manu Biosphärenreservats beitragen. Das bereits 1977 als Biosphärenreservat anerkannte Gebiet, wurde von 1,88 Millionen Hektar auf 2,44 Millionen Hektar erweitert. In dem im Südosten des Landes gelegenen Reservat treffen zwei der vielfältigsten Biome der Erde zusammen: die Ost-Anden und die Tiefebenen des westlichen Amazonasbeckens. Das Gebiet ist ein Biodiversitäts-Hotspot mit über 5000 Pflanzenarten und geschätzt mehr als 500.000 Tierarten, die hier genauso heimisch sind, wie indigene Völker und bäuerliche Gemeinden im Hochland. Im Rahmen des IKI-Projekts „Waldschutz und Management der natürlichen Ressourcen im Manu Biosphärenreservat“, durchgeführt von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), werden zahlreiche Maßnahmen implementiert, die das nachhaltige Zusammenleben von Mensch, Tier und Natur in dem Gebiet unterstützen. So werden beispielsweise die Einbindung lokaler und indigener Bevölkerungsgruppen und die Verringerung des Mensch-Wildtierkonflikts gefördert.

Zwei Otter auf einem Stück Holz in einem Fluss. Der Riesenotter ist der größte Vertreter der Familie der Marder, er bewohnt den Amazonas und lebt in kleinen Gruppen. Manu Biosphärenreservat, Peru. Foto: Daniel Rosengren/ZGF.

Das WNBR-Netzwerk ist Teil des Programms Mensch und Biosphäre (Man and the Biosphere Programme, MAB). Das MAB-Programme wurde 1970 von der UNESCO zunächst als interdisziplinäres Wissenschaftsprogramm ins Leben gerufen, heute aber liegt der Fokus auf Biosphärenreservaten. Für diese steht, anders als in klassischen Naturschutzgebieten, das Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur im Vordergrund. Die Reservate sollen Raum für nachhaltige Entwicklung bieten, in dem sowohl Biodiversität geschützt wird, als auch gesellschaftliche und ökonomische Fragen berücksichtigt werden. So ist beispielsweise die Beteiligung der lokalen Bevölkerung bei der Planung und Verwaltung der Schutzgebiete ein elementarer Bestandteil.

Auch die Gestaltung der Biosphärenreservate folgt diesem Ansatz. Im Zentrum liegt meist eine so genannte Kernzone, in der nicht in die Natur eingegriffen werden soll. Daran schließen Pufferzonen an, in denen die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen ermöglicht wird. Somit wird die lokale Bevölkerung nicht aus ihren Heimatgebieten verdrängt. Innerhalb eines Biosphärenreservats werden diese zweigliedrigen Gebiete wiederum durch Übergangszonen verbunden. Somit sind Biosphärenreservate ein zeitgemäßer Ansatz zum nachhaltigen Management natürlicher Ressourcen.