27.02.2017

Biogasanlagen in Grenada rentieren sich nach 6 bis 18 Monaten

Zwei Arbeiter mit Schutzhelömen stehen auf einer Solardachanlage und säubern sie mit Wasser und Wischer.

Begünstigte mit ihrer neuen Biogasanlage. Foto: GIZ / Malte Niemeier

Im Rahmen des Vorhabens „Market Creation for small-scale Biogas Systems in Grenada (MacBioS)“ (Schaffung eines Marktes für Klein-Biogasanlagen in Grenada) wurden im Januar 2017 die ersten beiden von insgesamt zehn Biogasanlagen auf der zu Grenada gehörenden Insel Carriacou errichtet. Machbarkeitsstudien hatten gezeigt, dass sich die Anlagen innerhalb von 6 bis 18 Monaten rentieren. Außerdem leisten sie einen Beitrag zur Verringerung der Umweltverschmutzung, denn in den Biogasanlagen wird aus Schweinegülle und anderen Abfällen, die ansonsten in der Umwelt landen würden, Energie gewonnen.

Biogasanlagen beruhen auf dem Prinzip der anaeroben Fermentation, einem komplexen biologischen Prozess, bei dem Mikroorganismen biologisch abbaubare Stoffe ohne Sauerstoff zersetzen. Eines der Endprodukte der anaeroben Fermentation ist Biogas, das zur Erzeugung von Strom und Wärme genutzt werden kann und somit Energieträger wie Diesel oder Flüssiggas ersetzt. Ein anderes Endprodukt ist Biodünger, der sich für Landwirtschaft und Gartenbau eignet.

Eine der Biogasanlagen wurde auf dem Gelände eines Gemüse- und Viehbetriebs in Lauriston gebaut. Der Eigentümer nutzt Dung, Abwasser sowie Obst- und Gemüseabfällen für die Anlage und verwendet das darin entstehende Biogas zum Kochen sowie zur Warmwasserbereitung. Der Biodünger wiederum kann den kostenintensiven Kunstdünger teilweise ersetzen.

Die zweite Biogasanlage wurde auf einer Geflügelfarm in Dover errichtet. Die Betreiberin hatte ein besonderes Interesse an der Anlage, denn sie kann damit die Kosten für die Verarbeitung des Geflügels senken. So wird das Biogas zum Backen und Kochen sowie zur Bereitung des heißen Wassers genutzt, das zum Rupfen der Hühner benötigt wird.

Die Initiative für die Biogasanlagen entstand im Rahmen der Bemühungen der Regierung von Grenada, die CO2-Emissionen des Landes zu senken. Dadurch will die Regierung einerseits das Klimaschutzabkommen von Paris umsetzen und andererseits die Abhängigkeit des Inselstaats von Erdöleinfuhren verringern. Hinzu kommt, dass Biogasanlagen für landwirtschaftliche Betriebe kaufmännisch interessant sein können, denn durch sie lassen sich die Kosten für Energie und Düngemittel erheblich senken. Das Vorhaben ist Teil des Programms „Reform des Elektrizitätssektors zur Unterstützung der Klimapolitik Grenadas (G-RESCP)“ und wird vom grenadinischen Ministerium für Finanzen und Energie, dem Ministerium für Landwirtschaft, Land, Wälder und Fischerei und dem Umweltreferat des Ministeriums für Umwelt, HRD und Umwelt zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und dem deutschen Biogasanlagen-Hersteller und -Planer Ökobit umgesetzt. Finanziert wird das Projekt vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative.

Merina Jessamy, Staatssekretärin des grenadinischen Ministeriums für Landwirtschaft, Land, Wälder und Fischerei erklärt: „Offiziell startete das Projekt im Juni 2016 mit drei Capacity-Building-Workshops für technische Experten, Landwirte und interessierte Akteure aus der Privatwirtschaft. Anschließend hat ein Lenkungsausschuss die zehn Begünstigten ausgewählt. Grundlage für die Entscheidung waren ein Kriterienkatalog, eine technische und finanzielle Bewertung sowie Betriebsbegehungen.“ Und Dieter Rothenberger, Leiter des GIZ-Programms in Grenada, ergänzt: „Um die Nachhaltigkeit der zehn im Rahmen des MacBios-Projekts errichteten Biogasanlagen zu gewährleisten, wurden lokale Montageteams ausgebildet. Parallel dazu wird zurzeit ein Unternehmen gesucht, das als Vertriebspartner des deutschen Herstellers den Vertrieb weiterer Biogasanlagen in Grenada übernimmt.“ Darüber hinaus wurden erste Gespräche mit der Finanzwirtschaft über neue Finanzprodukte geführt, mit denen Landwirte und verarbeitende Betriebe die Biogasanlagen finanzieren können. Denn häufig stellen die Investitions- und Anlaufkosten eine große Herausforderung dar. Dadurch wird den Betrieben vielfach die Nutzung einer finanziell attraktiven Technik erschwert, die zudem noch umweltfreundlich ist und aus Abfall Energie gewinnt.

Glückliche Familie vor Biogasanlage