08.04.2016

Grösste Net Billing-Solaranlage eingeweiht – weitere Ausschreibungen folgen

SolardachAuf der Dachfläche des Centro Cultural Gabriela Mistral (GAM) in Santiago de Chile wird ab sofort sauberer Strom für Ausstellungen und Aufführungen produziert. Der chilenische Energieminister hat die 100 Kilowatt-Anlage am 17. März im Rahmen des Solardachprogramms "Techos Solares Públicos" eingeweiht. Die Anlage ist derzeit die größte Photovoltaikinstallation, die unter das chilenische Eigenverbrauchsgesetz fällt. Noch im laufenden Halbjahr soll der Bau von 60-70 weiteren Anlagen mit einem Gesamtvolumen von ca. zwei Megawatt für öffentliche Gebäude in Chile international ausgeschrieben werden.

Die Konzeption und Durchführung des Programms wird durch die Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesministeriums für Umwelt und Bau (BMUB) gefördert. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH begleitet das Solardachprogramm konzeptionell und bei der operativen Durchführung vor Ort. Geplant ist zunächst eine Laufzeit bis zum Jahr 2018, um öffentliche Solardächer in Chile zu fördern. GIZ-Berater Matthias Grandel sieht den Eigenverbrauch für die chilenische Regierung als nächsten logischen Schritt, um die Energiewende voranzubringen: "Die stark gefallenen Preise auch für Aufdachanlagen versprechen hier ein großes Potential – so liegen die Systemkosten der 100 Kilowatt-Anlage auf dem GAM bei nur 1,33 USD/Wp netto."

Zwei Arbeiter auf einem DachNach dem chilenischen Anreizsystem bekommen Stromkunden für eingespeisten Photovoltaikstrom den Großhandelsstrompreis angerechnet. Für private Stromkunden bedeutet dies Net Billing, für und kommerzielle bzw. industrielle Abnehmer ist es vergleichbar mit Net Metering. Dieses Fördersystem gilt für Anlagen bis 100 kW. Bis Mitte Februar 2015 wurden nach Auskunft der chilenischen Strommarktbehörde SEC 122 Anlagen mit einer Erzeugungskapazität von insgesamt 1,76 Megawatt nach dem chilenischen Eigenverbrauchsgesetz angeschlossen.

Durch seine wechselvolle Geschichte steht das Kulturzentrum GAM symbolisch für den chilenischen Demokratisierungsprozess. Das markante Gebäude im Herzen Santiagos wurde Anfang der 1970er Jahre unter dem sozialistischen Präsidenten Salvador Allende erbaut. Nach dem Militärputsch im Jahr 1973 wurde es für einige Jahre Teil des Regierungssitzes der Militärjunta unter Augusto Pinochet. Seit dem Jahr 2010 ist in dem komplett renovierten Gebäude das mit 22.000 m² Fläche größte Kulturzentrum des Landes angesiedelt.

Mit dem staatlichen Solardachprogramm "Techos Solares Públicos" fördert das chilenische Energieministerium den Bau von bis zu 300 Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden in Chile. Bis zum Jahr 2018 stellt das Ministerium zu diesem Zweck mehr als 13 Millionen US-Dollar zur Verfügung.