20.09.2013

Papua-Neuguinea - Lebensraum für das Baumkänguru

Baumkänguru liegt auf einem Ast

Baumkänguru im YUS Schutzgebiet. Quelle: Mark Ziembicki

Hoch in den Nebelwäldern Papua Neuguineas lebt das Matschie-Baumkänguru. Obwohl dieses faszinierende und ausschließlich auf der Huon Halbinsel vorkommende Tier kaum natürliche Feinde hat, ist sein Bestand mittlerweile gefährdet. "Die Baumkängurus werden seit Jahrhunderten wegen ihres Fells und Fleischs gejagt", erklärt Timmy Sowang, der Präsident der lokalen YUS Conservation Organization. "Durch die ständig wachsende Bevölkerung, die in den Waldgebieten Bäume fällt, schrumpft nun auch ihr Lebensraum immer mehr."

Timmy Sowang kennt sich gut aus in den Wäldern an der Nordküste der Huon-Halbinsel. Er stammt aus Gomdan, einem kleinen Dorf mitten im Tropenwald, das nicht an das Straßennetz angebunden ist und nur zu Fuß oder mit einem Kleinflugzeug erreicht werden kann. Schon früh setze er sich für die Einrichtung eines Schutzgebietes in der Region ein. Mit Erfolg - 2009 wies Papua Neuguinea YUS als erstes kommunales Naturschutzgebiet aus.

Indigenes Waldschutzgebiet YUS

Hinter der Abkürzung YUS verbergen sich die Namen der drei Flüsse Yupno, Uruwa und Som, deren Wassereinzugsgebiete die Grenze des Schutzgebietes bilden. YUS erstreckt sich über eine Fläche von 76.000 Hektar arten- und ökosystemreichen Tropenwald von der Küste bis auf über 4000 Meter in das Saruwaged-Gebirge im Landesinneren. Um in Papua Neuguinea ein offiziell anerkanntes Schutzgebiet einzurichten, müssen die Rahmenbedingungen wie zum Beispiel Jagdverbote oder Kompensationsleistungen für die eingeschränkte Nutzung der Gebiete mit den Landeigentümern vertraglich festgelegt werden. Dies sind zu über 90 Prozent lokale und indigene Gruppen.

Gefördert durch die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) unterstützen die KfW Entwicklungsbank, Conservation International (CI) und Woodland Park Zoo seit 2008 die lokale Bevölkerung dabei, das YUS-Gebiet selbst zu verwalten. Zusammen mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der Gemeinden wiesen die Projektpartner Zonen aus, in denen nicht mehr gejagt werden soll und in denen Abholzung und Bergbau untersagt sind. Auf diese Weise leisten die insgesamt 35 indigenen Dörfer einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Tropenwälder. Denn diese Wälder beheimaten nicht nur seltene Tierarten wie das Matschie-Baumkänguru, sondern sie speichern auch große Mengen an Kohlenstoff und liefern wichtige Ressourcen wie Holz, Nahrung oder Trinkwasser für die lokale Bevölkerung.

CI und Woodland Park Zoo arbeiten mit den rund 11.600 Bewohnerinnen und Bewohnern kontinuierlich an einem umfassenden Landnutzungsplan sowie an der Entwicklung eines ökologischen Monitoringsystems. Dieses System hilft dabei, das YUS-Gebiet und seine natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen. In Kooperation mit lokalen Universitäten aus Lae und Port Moresby werden Methoden zur Messung des im Wald gespeicherten Kohlenstoffgehalts entwickelt und die lokalen Auswirkungen des Klimawandels auf Trends in der Artenzusammensetzung untersucht. Darüber hinaus arbeiten die Partnerorganisationen daran, alternative Einkommensquellen für die lokale Bevölkerung zu schaffen. Beispielsweise konnten die Kleinbauern ihr Haushaltseinkommen durch die Ausweitung des Kaffeeexports in den letzten Jahren deutlich erhöhen. Effizientere landwirtschaftliche Methoden tragen zudem dazu bei, die Ausbreitung der Ackerflächen und somit Abholzung einzudämmen.

Im Gegenzug für ihre Bereitschaft den Wald zu schützen, haben die Bewohnerinnen und Bewohner von YUS eine Reihe von Bereichen identifiziert, bei denen das Projekt Unterstützung leisten soll, darunter eine bessere medizinische Versorgung und zusätzliche Finanzierung für Schulen. Dementsprechend bildeten die Projektpartner YUS-Gesundheitspersonal aus und stellten Ausrüstung zur Verfügung, zum Beispiel für Impfungen und Gesundheitsvorsorge bei Kindern. Ein Stipendien- und Ausbildungsprogramm für lokale Lehrerinnen und Lehrer fördern die Schulbildung der Menschen vor Ort. Auch Umwelt- und Naturschutz stehen dabei auf dem Stundenplan. "Manche Menschen sind gegen den Schutz des Waldes. Wir müssen sie aufklären, damit sie den Sinn besser verstehen. Klimawandel ist auch ein wichtiges Thema, denn er schadet unserer Landwirtschaft. Insektenplagen und veränderte Wettermuster beeinflussen schon jetzt die Bedingungen für Taro und Süßkartoffel, zwei unserer wichtigsten Früchte", erläutert Timmy Sowang die Bedeutung der Aufklärungsarbeit.

Modellprojekt für die Zukunft

YUS ist das erste kommunale Schutzgebiet, das unter dem Dach des nationalen Gesetzes zu Schutzgebieten geschaffen wurde. Es soll nun als Vorbild für das ganze Land dienen - das betonte der Umweltminister des Landes, John Pundari, bei einem Besuch des Gebietes im Februar 2013. Er stellte zusätzliche Finanzierung für das Schutzgebietsmanagement in Aussicht. Außerdem soll der Ansatz, Naturschutz und Entwicklung unter aktiver Beteiligung der lokalen Bevölkerung miteinander zu verbinden, auf weitere Gebiete in Papua Neuguinea übertragen werden.

Darüber freuen sich Timmy Sowang und die vielen anderen engagierten Menschen vor Ort. Wenn der Tropenwald in Papua Neuguinea erhalten wird, sichert das nicht nur den weltweit einzigartigen Lebensraum des Matschie-Baumkängurus, sondern auch die Lebensgrundlagen der lokalen Gemeinschaften - jetzt und in der Zukunft.


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