21.05.2013

Schwerpunktthema zum Internationalen Tag der Biologischen Vielfalt - Schutz der Ökosysteme und Anpassung an den Klimawandel im Nationalpark Cahuita in Costa Rica

Der Internationale Tag der Biologischen Vielfalt hat jedes Jahr ein anderes Schwerpunktthema. 2013 dreht sich alles um die Verbindung von Wasser und Biodiversität, in Anlehnung an das für dieses Jahr von der UN ausgerufene "Internationale Jahr der Wasserkooperation". Zu diesem Anlass gibt der nachfolgende Artikel einen Einblick in das Leben im Nationalpark Cahuita an der karibischen Küste im Süden von Costa Rica.

Ein Mann in Shorts vor einem Häuschen

Fischer Don Saballo in Costa Rica, Quelle: Gitti Müller

"Wenn wir früher mit unseren Booten rausgefahren sind und unsere Netze ausgeworfen haben, kamen wir nach ein bis zwei Stunden zurück und hatten rund 50 kg Fisch gefangen. Davon konnte ich meine Familie ernähren und dieses Haus hier kaufen", erzählt Juan Francisco Saballo.

Einst sein ganzer Stolz, steht das inzwischen baufällige Haus heute zum Verkauf. Das Dach müsste dringend gemacht werden, aber der 60-jährige Fischer hat kein Geld. Müsste er sich heute nur vom Fischfang ernähren, wäre seine Familie längst verhungert. Das Wasser ist den Meeresbewohnern zu warm geworden, die Brandung zu stark. Die schützenden Korallenriffe haben sich dem Angriff des Klimawandels und seinen Folgten ergeben. Die Fische sind nach Norden weitergezogen. Und die Erträge, die Don Saballo aus seinem kleinen Geschäft mit den Touristen bezieht, reichen nicht aus, sein Haus in Schuss zu halten. Deshalb wird er nun den Fischen in das weiter nördlich gelegene Puerto Limon folgen.

Nationalpark Cahuita

Don Saballos Sohn José bleibt. Er ist 38 Jahre alt und Mitarbeiter des Nationalparks Cahuita an der Karibikküste. Sein Arbeitsplatz hat rund 1102 ha Landfläche und 23.290 ha Meeresfläche. Es sei der schönste Arbeitsplatz der Welt, sagt er mit strahlenden Augen. In diesem karibischen Küstenabschnitt befinden sich unterschiedliche Ökosysteme: Korallenriffe, Sandstrände, Wälder, Flüsse und Mangroven. An den Sandstränden brüten Leder- und Grüne Meeresschildkröten und im Wurzelwerk der Mangroven finden Fische und Krustentiere Schutz. Auch die Korallen und marinen Seegrasflächen bieten vielen Arten Schutz und Nahrung, darunter Seeigel, Schwämme, Fische und Meeresschildkröten. Insgesamt beherbergt der Lebensraum Cahuita 21 verschiedene Reptilien, 17 amphibische Arten, zwei Affen- und vier Wildkatzenarten.

Schon 1970 wurde Cahuita als nationales Monument unter besonderen Schutz gestellt, 1978 als Nationalpark deklariert. Drei verschiedene Zonen stellt das Gebiet unter Schutz. Eine Pufferzone rund um das Schutzgebiet soll sicherstellen, dass zusätzliche "Stressfaktoren" wie exzessive Landwirtschaft und Einsatz von Düngemittel in der Nähe des Schutzgebietes eingeschränkt werden und das ökologische Bewusstsein der Bevölkerung gefördert wird. In der zweiten, absolut geschützten Zone über rund 25.000 ha soll der größtmögliche natürliche Zustand der Ökosysteme erhalten bleiben. Diese Zone ist ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke und für eine Umwelterziehung zugänglich. Der Bau von Wellenbrechern, Stromleitungen, Sendemasten und Straßen sowie Freizeitaktivitäten und Touristenbesuche sind in dieser Zone verboten.

Korallensterben

Zusammen mit achtzehn anderen Kollegen wacht Jose über den Nationalpark. Wenn er den Besucherpfad abläuft trifft er immer wieder auf angeschwemmte, tote Korallen und stapelt sie an Sammelpunkten. Bis zu zwei Meter hohe weiße Korallen-Hügel ragen wie Mahnmale am Wegesrand. "Das sind nicht die Touristen", sagt Jose, "das ist der Klimawandel. Manche Korallen befinden sich nur noch 80 Zentimeter unter Wasser. Die Wassertemperatur ist dort empfindlich gestiegen. Es wird ihnen zu warm. Auch die Strömung hat sich verändert und die Gezeiten sind ausgeprägter. Also brechen die Korallen schneller."

In den letzten 20 Jahren sind rund 40% der lebenden Korallen unwiderruflich verloren gegangen, das Korallenwachstum ist in den letzten 100 Jahren um die Hälfte gesunken. Ein enormer Verlust der Biodiversität. Die Arten, die am Riff bisher überlebt haben, konnten sich offenbar besser an die veränderten Bedingungen anpassen. Das Korallensterben bedroht aber nicht nur die Meeresbewohner: Immer ungehinderter treffen die Wellen inzwischen auf die Küste, schwemmen den Strand fort und reißen Bäume mit sich. Erosion und Sedimentierung ist eines der Hauptprobleme von Cahuita.

Deutsches Projekt zum Schutz der Ökosysteme

Anpassung an den Klimawandel ist eine der besonderen Herausforderungen unserer Zeit. Dazu gehört nicht nur die Vermeidung von zusätzlichem Stress für Flora und Fauna, sondern auch eine Planung auf absehbare Folgen des Klimawandels inner- und außerhalb der Parkgrenzen. Das von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) geförderte Projekt zur Einrichtung eines nationalen Schutzsystems für Cahuita setzt auf eine Synergie von Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels im Einklang mit Konzepten zur Erhaltung der Biodiversität. Durchführer vor Ort ist die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), gemeinsam mit zwei lokalen Partnern.

Ein Projekt, das 2010 begann und noch bis 2014 andauert. Schon 2012, zur Halbzeit, galt es als erfolgreich und richtungsweisend für andere Regionen und Projekte. Das in Costa Rica einzurichtende Schutzgebietssystem soll - so der Plan - möglichst viele Ökosysteme umfassen, effizient gemanagt werden und über eine stabile Finanzierung verfügen. Abgestimmt auf die lokalen Bedingungen und Bedürfnisse wurde ein umfangreicher Managementplan entworfen, der unter anderem auch Trainings für die Mitarbeiter von Cahuita vorsieht. Die Maßnahme, den Besucherpfad in Cahuita künftig so anzulegen, dass er nicht alle paar Jahre durch den steigenden Meeresspiegel und Brandung zerstört wird, ist Teil des Projektplans.

Anpassung und Schutz der Ökosysteme

Anpassung an den Klimawandel heißt auch, die natürlichen Schutzmechanismen der Ökosysteme zu stärken, vor allem dort, wo folgenschwere Konsequenzen nicht mehr aufzuhalten sind. Das Korallensterben durch die Versauerung der Meere ist schwer zu stoppen, die daraus folgende Erosion durch die Wucht der Wellen kann aber aufgehalten werden, indem man die Küstenvegetation stärkt und erhält. Mangroven beispielsweise sind der beste Schutz gegen Sedimentierung und wirken als eine Art Filter der terrestrischen Kontamination. Dies wiederum gibt dem Korallen-Ökosystem mehr Zeit, sich an Versauerung und höhere Meerestemperaturen "anzupassen". Also muss auch außerhalb des Parks mehr Einfluss auf die Verringerung von Bedrohungen und Stressfaktoren genommen werden, beispielsweise auf die aus der Landwirtschaft stammenden Pestizide.

Mangroven zählen zu den produktivsten Ökosystemen überhaupt. Während in den "oberen Etagen" der Baum- und Strauchschicht terrestrische Lebewesen zu Hause sind, wohnen zwischen den Wurzeln echte Meeresbewohner. Das Wurzelwerk und das sich dazwischen sammelnde biogene Sediment bieten Lebensraum für Fische, Krebse und Garnelen. Auch für den Klimaschutz haben Mangroven eine wichtige Funktion: Aus gutem Grund werden sie als "blaue Kohlenstoffsenker" der Ozeane bezeichnet. Sie binden etwa fünf Mal mehr CO2 als andere Baumarten. Sie schützen die Küsten vor Brandung, Hurrikanen und Überschwemmungen. Deshalb ist der Erhalt der Mangroven so wichtig, sagt Parkwächter Jose und geht mit einem freundlichen "Adiós" seiner Arbeit nach.

Anpassung an den Klimawandel ist nötig, damit der Park in seiner Vielfalt an Pflanzen und Tieren erhalten bleibt. Und vielleicht finden auch die Enkel von Juan Francisco Saballo, dem sechzigjährigen Fischer, irgendwann einen Job am "schönsten Arbeitsplatz der Welt", dem Nationalpark Cahuita.

(Text in Anlehnung an einen Artikel von Gitti Müller)