19.06.2018

Starke Frauen, Starker Kaffee – Kaffee ganz aus Frauenhand

Angelique Karekezi und Eugine Mukandanda; Foto: Kaffee-Kooperative.de

Angelique Karekezi und Eugine Mukandanda; Foto: Kaffee-Kooperative.de

Ab Sommer 2018 soll in Deutschland ein neuer Fair-Trade-Kaffee auf den Markt kommen, der zu 100 Prozent von Frauen in Ruanda produziert und in Deutschland vermarktet wird. Dazu beigetragen hat Allan Mubiru, ehemaliger Stipendiat des Internationalen Klimaschutzstipendiums der Alexander von Humboldt – Stiftung, das von der IKI gefördert wird. Während seines Stipendiums von Juli 2012 bis November 2013 war der gebürtiger Ugander, Ökonom und Experte für Klimafinanzierung bei atmosfair in Berlin beschäftigt. Anschließend zog er nach Ruanda, wo er sein Engagement für eine nachhaltigere Welt im Bereich Gender Equality und mit dem Fairchain-Ansatz fortsetzte. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Kollegen bei atmosfair Xaver Kitzinger gründete er Kaffee-Kooperative.de.

Allan Mubiru, Gründer von Kaffee-Kooperative.de; Foto: Kaffee-Kooperative.de

Das social business Start-Up versteht sich als der verlängerte Arm von ruandischen Kaffeekooperativen in Deutschland. Insbesondere im Fall der Kooperative Rambagira Kawa („May coffee spread the world“), welche einen Kaffee auf den deutschen Markt bringen möchte, der von der Bohne bis zur Verpackung ausschließlich von Frauen verarbeitet wurde. Dabei bleibt die gesamte Wertschöpfung aus der Kaffeeproduktion im Sinne des Fairchain-Ansatzes im Anbauland und bei der Frauenkooperative.

Kaffeebäuerin Laurence Mukakabera bei der Kaffeeaufzucht; Foto: Kaffee-Kooperative.deFrauen sind die wichtigsten Leistungsträger im Kaffeesektor in Ruanda. Das Aussäen, Aufziehen und Ernten der Kaffeepflanzen sowie das Schälen, Waschen und Auslesen der Bohnen werden im Kaffeeanbau im Durchschnitt 70 Prozent von Frauen übernommen. Nach der anstrengenden Feldarbeit müssen die Frauen oft noch Haushalts-, Erziehungs- und Pflegeaufgaben übernehmen, sodass sie regelmäßig bis zu 16 Stunden am Tag arbeiten müssen. Männliche Kollegen und Partner kommen hingegen durchschnittlich auf einen 8-stündigen Arbeitstag. Trotzdem haben Frauen kaum oder nur erschwert Zugang zu den Erlösen aus dem Kaffeeverkauf. Erschwerend kommt hinzu, dass nur 3 bis 20 Prozent der landwirtschaftlichen Anbaufläche im globalen Süden im Besitz von Frauen ist, was sie auch langfristig von Entscheidungsprozessen und rechtlicher Absicherung ausschließt. Mit dem „Kaffee ganz aus Frauenhand“ soll gezielt die finanzielle Unabhängigkeit und die Entscheidungsmacht von Frauen im Kaffeesektor gestärkt werden.

 Die Vermarktung von Kaffee aus Frauenkooperativen in Deutschland sichert das Einkommen der Bäuerinnen und unterstützt sie auf ihrem Weg zu Gender Equality. Um entsprechende Standards zu gewährleisten, wird der Kaffee durch die International Women´s Coffee Alliance (IWCA) unterstützt. Die Vorsitzende der IWCA-Landesgruppe Ruanda, Angelique Karekezi, und Geschäftsführerin der Partnerrösterei ist dabei auch die Namensgeberin des ersten Kaffee der Frauenkooperative „Angelique’s Finest“. Nachdem eine Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung der Markteinführung erfolgreich beendet werden konnte wird „Angelique’s Finest“ voraussichtlich ab August 2018 in Deutschland erhältlich sein. Für die Zukunft ist es geplant noch mehr Kooperativen einzubinden, so dass noch mehr Frauen in Ruanda von einem höheren Einkommen profitieren können auf dem Weg hin zu finanzieller Unabhängigkeit und Gender Equality.

Frau bei der Kaffeelese; Foto: Kaffee-Kooperative.deDas höhere Einkommen wird dadurch erzielt, dass durch die Röstung und Verpackung vor Ort die gesamte Wertschöpfung aus der Kaffeeproduktion im Anbauland verbleibt mit dem Ziel, dass bis zu 50% des Verkaufspreises im Herkunftsland ankommt. Bei herkömmlichem Fairtrade-Kaffee verbleiben oft nur etwa 15 Prozent im Erzeugerland. Durch die erhöhte Wertschöpfung können neue Arbeitsplätze geschaffen, Infrastrukturen verbessert und die Identifikation der Erzeugerinnen mit dem hergestellten Produkt gestärkt werden, was letztendlich zu einer Qualitätssteigerung des Produkts führt. Durch den Direkthandel mit den Erzeugerinnen werden profitmindernde Mittelsmänner abgeschnitten, was Fairchain-Produkte für den Endverbraucher trotz Fairtrade und hoher Qualität erschwinglich macht. Ziel ist es Fairchain-Produkte aus der Nische in den Mengenmarkt zu bringen und so die ökonomische Situation und die Lebensrealität der Kaffeebäuerinnen in Ruanda nachhaltig zu verbessern.

 Odette und ihr Adoptivsohn; Foto: Kaffee-Kooperative.de Die Frauen von Rambagira Kawa sind stolz, wenn sie von ihrer Arbeit im Kaffeeanbau berichten. Der Slogan “Strong Women, Strong Coffee” ist genau richtig, sagt Odette Murekatete, Präsidentin der Gruppe. “Wir lassen uns nicht unterkriegen, wir arbeiten hart, damit wir unsere Familien ernähren können – ob mit Mann oder ohne.”