08.09.2011

Agrarversicherungen in Ghana

Eine Männergruppe steht neben einer Wetterstation

Quelle: GIZ

Ghana ist sehr verwundbar für die Auswirkungen des Klimawandels. Bis 2100 steigt die mittlere Tagestemperatur voraussichtlich um drei Grad. Das hat negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft: Durch häufige, langanhaltende Dürren, Überflutungen und andere extreme Wetterereignisse verschwinden fruchtbare Böden, Ernteerträge gehen zurück und finanzielle Risiken steigen. Bisher hat die Bevölkerung keine Möglichkeit, sich gegen solche Fälle abzusichern. Das bedroht die Existenzgrundlage vieler Familien und schadet der Wirtschaft des Landes.

Ein Projekt der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI), durchgeführt durch die Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, entwickelt deshalb Versicherungslösungen für finanzielle Risiken im Agrarbereich, die durch extreme Wetterereignisse und andere Folgen des Klimawandels entstehen. Es setzt auf verschiedenen Ebenen an: den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, der meteorologischen Infrastruktur sowie dem Wissen über Gefahren des Klimawandels und zu Lösungsansätzen.

Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft

Das Projekt arbeitet eng mit der National Insurance Commission (NIC) zusammen, die den Sektor reguliert und für die Fortentwicklung des Versicherungsmarktes verantwortlich ist. Mit Unterstützung des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanzierten Programms für Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung wurde der gesetzliche Rahmen für Versicherungen in Ghana grundlegend überarbeitet, um internationale Anforderungen erweitert und Informationen zu index-basierten Versicherungen integriert. Der Entwurf wird demnächst dem ghanaischen Parlament zur Billigung vorgelegt. Zudem begleitet ein Ausschuss mit hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern der Versicherungswirtschaft, der Landwirtschaft, des ghanaischen Finanz- und Agrarministeriums, der NIC, der Weltbank und der GIZ in monatlichen Treffen die Einführung von Agrarversicherungsprodukten.

Gemeinsam mit Versicherungsunternehmen wertet das Projekt aus, für welche Wertschöpfungsketten - beispielsweise für Mais, Kakao, Kautschuk oder Bananen - Nachfrage nach Versicherungsprodukten besteht. Ziel ist, zusammen mit Rückversicherern, Versicherungsunternehmen und Finanzinstitutionen innovative Versicherungsprodukte inklusive der dazugehörigen Markterschließungsstrategien zu entwickeln. Im Juni 2011 kam bereits das erste Versicherungsprodukt für die Absicherung der Maisernte gegen zu wenig oder zu viel Niederschlag auf den Markt und die ersten Policen wurden verkauft. 

Informationslage verbessern

Für Versicherungslösungen braucht es verlässliche meteorologische Daten. Deshalb untersuchte eine Machbarkeitsstudie die klimatischen Bedingungen für Landwirtschaft in Ghana sowie die Wetterabhängigkeit verschiedener Anbaupflanzen. Gleichzeitig analysiert das Projekt die Qualität der meteorologischen Infrastruktur und berät und qualifiziert die Ghana Meteorological Agency (GMet), um Wetterdaten für versicherungstechnische Zwecke selbstständig erheben und aufbereiten zu können. Derzeit beschafft das Projekt Material für 15 neue Wetterstationen, die die Datengrundlage weiter verbessern werden. 

Öffentlichkeitsarbeit und Informationsmaterialien wie Videos, Radiospots, Theaterstücke, Broschüren und Poster klären Versicherungsunternehmen und ihre Partner sowie die Versicherungsnehmer selbst über Nutzen, Kosten und Risiken klimarelevanter Versicherungen auf. Aus- und Fortbildungskurse erhöhen die Kompetenzen der Angestellten von Versicherungsunternehmen, Mikrofinanzinstitutionen und Bauernverbänden. Die Versicherungswirtschaft wird ein Exzellenzzentrum für Agrarversicherungen aufbauen, das Produkte für die Versicherungswirtschaft entwickeln soll.

Wirkungen und Verbreitung

Das Projekt verbessert Einkommens- und Ernährungssicherheit, Kreditversorgung und Beschäftigungschancen der ländlichen Bevölkerung Ghanas. Es trägt dazu bei, in ausgewählten Wertschöpfungsketten ausländische Direktinvestitionen anzuziehen und internationale Absatzmärkte zu erschließen. Die in Ghana gewonnen Erfahrungen werden systematisch aufbereitet und in anderen Länder in ganz Afrika und darüber hinaus verbreitet.


Weitere Informationen