13.05.2015

Interview mit Dr. Niklas Höhne vom NewClimate Institute

Im April fand in Berlin ein Internationaler Workshop zu Intended Nationally Determined Contributions (INDCs) statt. Ziel war es, den teilnehmenden Ländern, die Möglichkeit zu geben, ihre Erfahrungen zur Vorbereitung und Ausgestaltung von INDCs auszutauschen und über die damit verbundenen technischen und politischen Prozesse zu sprechen. Spätestens bis Herbst 2015 sollen die Vertragsstaaten der UN-Klimakonferenz ihre INDCs beim UNFCCC-Sekretariat eingereicht haben. Deutschland steht seinen Partnerländern in diesem Prozess zur Seite, indem das BMUB über IKI- Projekte, etwa 25 Länder dabei begleitet.
Als einer der Referenten auf dem Workshop sprach Dr. Niklas Höhne, Leiter des "New Climate Institutes" und außerordentlicher Professor an der Wageningen University in den Niederlanden. Er ist Hauptautor des Kapitels "Climate policies and international cooperation" des Vierten und des Fünften Sachstandberichts des Zwischenstaatlichen Ausschusses über Klimaveränderung (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) der Vereinten Nationen.

Können Sie uns aus Ihrer Sicht schildern, inwiefern sich die INDCs von anderen Instrumenten des internationalen Klimaschutzes unterscheiden, bzw. was macht INDCs so innovativ?

Höhne: Das Neue ist, dass wirklich alle Länder aufgefordert sind, sich Gedanken darüber zu machen, welchen Beitrag sie im Rahmen dieses Klimaschutzabkommens leisten können. In der Vergangenheit waren es die Industrieländer, die die größte Verantwortung für den Klimawandel getragen haben. Sie mussten vorangehen und sich Gedanken über ihre Beiträge machen. Jetzt müssen alle Länder beitragen, wobei die Frage ist: Welches Land leistet wie viel und mit welchem Aufwand? Die eine Sichtweise ist, dass es Länder gibt, die mehr leisten sollten als andere. Auf der anderen Seite wird gesagt, dass es nicht wichtig ist, wer wie viel beiträgt. Wir alle haben mit dem Klimawandel ein großes Problem und es sollte jeder einen ganz klar ambitionierten Beitrag leisten.

Eine Meldung, die das New Climate Institute kürzlich veröffentlicht hat, verdeutlicht, dass 81% der Länder die Erarbeitung der INDCs als Herausforderung ansehen. Was sind das für Herausforderungen und was sind die Hürden, die überbrückt werden müssen?

Höhne: Es gibt Länder, die schon technische Analysen durchgeführt haben und die wissen, welche nationalen Maßnahmen ergriffen werden können und mit welchem Emissionsrückgang zu rechnen ist. Diese Länder starten von einem sehr guten Niveau und werden die INDCs vergleichsweise leicht erarbeiten können. Länder, denen diese Informationen nicht zur Verfügung stehen, haben Schwierigkeiten ihre Beiträge auszuarbeiten. Daneben braucht es viel Zeit, sich auf Ebenen der Regierung, der Ministerien, Teilen der Zivilgesellschaft und wichtigen Interessensvertretern wie beispielsweise der Industrie zu koordinieren und abzustimmen. Im Falle der INDCs haben viele Länder diese Zeit nicht. Deshalb muss dieser Prozess gut organisiert sein und das funktioniert in Ländern besser, die mehr Erfahrungen mit solchen Prozessen haben, während es für andere Länder eine wirkliche Herausforderung ist.

Die Interessensvertreter einiger Staaten sehen Klimaschutz nicht als eine Priorität an. Wie kann man ihrer Meinung nach die Erstellung der INDCs attraktiver machen?

Höhne: Die meisten Länder haben in der Tat andere Prioritäten. Es gibt gute Argumente, die besagen, dass Klimaschutz nicht nur gut für das Klima ist, sondern auch für die ökonomische Entwicklung eines Landes. Zusätzliche Arbeitsplätze können geschaffen werden oder es kann der Bedarf an Import von fossilen Brennstoffen gesenkt werden. Klimaschutz kann aber auch positive Effekte auf die Gesundheit haben, wenn die Feinstaubbelastung gesenkt wird.

Welche Rolle werden die INDCs bei den kommenden Verhandlungen in Paris spielen?

Höhne: Die INDCs sind das Fundament der Verhandlungen. Der zentrale Punkt ist, dass die Länder nationale Maßnahmen umsetzen, die dazu beitragen, dass Treibhausgase reduziert werden. Ich sage aber auch: nur wenn substantielle INDCs vorgelegt werden, kann es zu einer positiven Einigung kommen.

Was hatten Sie sich von dem Workshop erwartet und wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Höhne: Bei früheren Workshops waren sich noch viele Länder unklar, was zu den INDCs zu machen ist, beziehungsweise wie sie ihre INDCs erarbeiten können. Bei diesem Workshop hat man gesehen, dass die Länder sehr viel weiter sind. Die Ländervertreter haben klare Vorstellungen, was funktioniert und was nicht und sie haben klare Fragen. Das stimmt mich positiv.

Wie wichtig ist solch ein informeller Dialog auf einer internationalen Ebene für die Erarbeitung der einzelnen INDCs?

Höhne: Informelle Dialoge auf internationaler Ebene sind absolut essentiell. Die formalen Verhandlungen sind sehr unpersönlich, aber dennoch von Persönlichkeiten getrieben. Deshalb sind informelle Treffen wichtig, um die gegenseitigen Sichtweisen vermitteln zu können.


Weitere Informationen