06.06.2014

Nachhaltige Waldwirtschaft auf Fidschi

Ein Projekt der IKI schützt das Klima, die biologische Vielfalt und die Lebensgrundlagen

Zwei Forstarbeiter vermessen Dicke eines Baumstammes

Forstinventur auf Fidschi; Quelle: GIZ/JHHofmann

Rund zwanzig Jahre ist es her, dass mit deutscher Unterstützung ein Konzept für nachhaltige Naturwaldnutzung auf Fidschi entwickelt wurde. Dabei werden fast alle Baumarten in die Nutzung einbezogen, aber nur relativ wenige Bäume je Art entnommen. Zusätzlich vermeiden schonende Arbeitstechniken (nach den Regeln des Reduced Impact Logging, RIL) so weit wie möglich Schäden am Ökosystem. Ein Projekt der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) führt diesen Ansatz fort und weist nach, dass diese Art der Waldbewirtschaftung gleichzeitig Vorteile für das Klima, die biologische Vielfalt und die lokale Bevölkerung mit sich bringt.

Einmalige Vielfalt

Auf Inseln wie Fidschi bilden sich durch die abgeschiedene Lage oft eine einzigartige biologische Vielfalt und seltene Ökosysteme heraus. Viele Pflanzen und Tiere kommen nur hier vor. Doch gerade die Landressourcen sind sehr begrenzt und werden durch zu starke Nutzung bedroht. Das betrifft auch die Regenwälder auf Fidschi. Holzeinschlag und -verkauf versprechen schnelle Geldeinkünfte, die langfristigen Folgen werden dagegen oft erst spät sichtbar und dadurch unterschätzt. Dabei ist die lokale Bevölkerung auf die Leistungen angewiesen, die intakte Wälder zur Verfügung stellen, unter anderem Baumaterial, Medizinpflanzen, Schutz vor Extremwetter oder Regulierung von Nahrungs- und Wasserkreisläufen.

Nachhaltige Waldwirtschaft im Test

Nachhaltige Waldwirtschaft kann beides: Einkünfte aus Holzverkauf generieren sowie die natürlichen Ressourcen und ihre Ökosystemleistungen dauerhaft erhalten. Um diese Behauptung zu testen, hat die Fortsverwaltung in den 1990er Jahren eine zirka 300 Hektar großen Versuchsfläche nahe des Dorfes Nakavu im Süden der Hauptinsel Viti Levu von der Bevölkerung gepachtet. Hier wurde mit wissenschaftlicher Begleitung, nach Prinzipien der nachhaltigen Waldwirtschaft im Naturwald Holz eingeschlagen. Dabei wird die natürliche Struktur des Waldes mit vielen unterschiedlichen Baumarten erhalten. Alle Baumarten werden genutzt, aber keine überstrapaziert. Spezifische RIL-Anforderungen schließen unter anderem die Rodung von Steilhängen aus, die besonders anfällig für Bodenerosion sind, und schreiben Schutzstreifen entlang der Gewässer vor, die nicht abgeholzt werden dürfen und somit die unterschiedlichen Teile des Waldes miteinander verbinden.

Zwei Waldarbeiter vermessen StammlängeNun steht die nächste Holzernte an. Das IKI-Projekt "Klimaschutz durch Walderhalt in pazifischen Inselstaaten", das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH durchgeführt wird, unterstützt die Vorbereitungen dafür, in dem es zusammen mit der fidschianischen Forstbehörde und der lokalen Bevölkerung eine Waldinventur und eine Holzernteplanung durchführte. Dies geschah auch bei der letzten Ernte im Jahr 1992, so dass damit Vergleichszahlen zum Zustand des Waldes vorliegen. Zusätzlich erfasste das Projekt die Menge des im Wald gespeicherten Kohlenstoffes. Die Messungen zeigten, dass nach nur 20 Jahren eine Folgeernte möglich ist, die den Familien, denen das Waldgebiet gehört, ein einträgliches Einkommen sichert ohne den Wald in seinen ökologischen Funktionen zu beschränken. Neben der jährlichen Pacht für ihren Wald kann die Bevölkerung von Nakavu jetzt Einnahmen von rund 165.000 Euro aus ihrem Anteil am Holzverkauf erwarten. Zum Vergleich: Mit konventionellen Methoden würde erst in 30 bis 40 Jahren ein vergleichbarer Geldertrag erwirtschaftet werden können. Gleichzeitig belegte das Projekt, dass durch die Holzernte vor 20 Jahren keine Baumarten im Gebiet verdrängt wurden. So konnte die biologische Vielfalt der Baumvegetation und die räumliche Struktur der Bestände erhalten werden. Das wirkt sich wiederum positiv auf andere Pflanzen und die Tierwelt aus.

Außerdem führt das IKI-Projekt eine weitere Perspektive in den Waldschutz und eine neue Einkommensquelle für die Bevölkerung ein: Ausgleichszahlungen für den Erhalt von Wäldern als Kohlenstoffspeicher nach dem Prinzip des REDD+ Mechanismus (Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Walddegradierung). Denn Berechnungen des Projektes belegen, dass die nachhaltig bewirtschafteten Waldflächen deutlich mehr Kohlenstoff speichern als herkömmlich bewirtschaftete Vergleichsflächen. Zudem enthalten sie ähnlich viel Kohlenstoff wie unberührte Waldflächen.

Die Ergebnisse des Projektes zeigen deutlich die vielfältigen Vorteile von nachhaltiger Waldwirtschaft. Auf dieser Grundlage wird die Forstverwaltung den Pachtvertrag mit den Familien von Nakavu verlängern und in 20 Jahren kann eine neue Generation vom nachgewachsenen Wald profitieren.