12.05.2017

Waldfläche auf der Erde 9% größer als bisher angenommen

Das Logo der Europäischen Klimaschutzinitiative; BMUB

Primärer Urwald im Amazonasbecken aus der Luft. Foto: Oliver Hölcke/IKI

Die aktuellen Schätzungen über die Größe der globalen Waldbedeckung müssen um mindestens 9% erhöht werden. Dadurch kann es zur Neuberechnung des globalen Kohlenstoffbudgets kommen. Eine Studie, die von der Food and Agriculture Organization (FAO) koordiniert, in Zusammenarbeit mit der Firma Google Inc. und 16 führenden Organisationen durchgeführt und maßgeblich vom Bundesumweltministerium (BMUB) durch seine Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) unterstützt wurde, zeigt dazu neue Ergebnisse.

Ermöglicht wurden die neuen Daten durch präzisere Messmethoden, die auf Satellitendaten und speziellen Methoden zu Foto-Interpretationen basieren. Bisher wurden Waldgebiete in Trockenzonen, die immerhin 41,5 % der Landmassen weltweit ausmachen und einige der sensibelsten und gefährdetsten Ökosysteme beherbergen, nicht ausreichend genau erfasst. Bei fortschreitender Klimaerwärmung könnten sich die Trockenzonen bis zum Ende des 21sten Jahrhunderts nochmals um 11-23% ausdehnen und damit über die Hälfte der Landfläche weltweit ausmachen.

Mit der hochauflösenden Bild-Messmethode, die nun durch das von der FAO und Google Inc. entwickelte Tool „Collect Earth“ Zugriff hat auf die riesigen und aktuellen Bilddatenbanken und Rechenkapazitäten der Firma Google, konnten die Experten zeigen, dass im Jahr 2015 1.327 Millionen Hektar Trockengebiete mehr als 10% Baumabdeckung hatten und 1.079 Millionen Hektar Wald umfassten. Insgesamt wurde von 239 speziell trainierten lokalen Experten weltweit eine Anzahl von 213,795 Probeparzellen interpretiert und mit der Software ausgewertet.

Ihre Ergebnisse liegen damit um 40 bis 47% über bisherigen Schätzungen. Insgesamt entspricht dies 467 Millionen Hektar zusätzlichem Wald weltweit, der noch nie zuvor gemeldet wurde. Er hat in etwa die Größe des Amazonaswaldgebiets und befindet sich in Gebieten, die derzeit teilweise nicht als Waldgebiete behandelt wurden. Daraus ergeben sich zukünftig Möglichkeiten, Waldschutzmaßnahmen auf andere, neue Gebiete auszudehnen, diese insgesamt geographisch besser einzugrenzen, nachzuhalten und Entwaldungstreiber besser zu adressieren.

Die Projekte „Global Forest Survey“ und „National Forest Monitoring Systems“, werden von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des BMUB finanziert, und führen derzeit Erhebungen zu Wäldern, und Landnutzungs-Trends, nicht nur in Trockengebieten sondern für alle Ökosysteme auf Landmassen weltweit durch.

Die wichtigsten Ergebnisse dieser Studie wurden heute, am 12. Mai, in der renommierten Wissenschaftszeitung Science veröffentlicht. Herausgeber ist die weltweit größte wissenschaftliche Gesellschaft, die Association for the Advancement of Science.