02.06.2017

Transport trifft Klimaschutz

Das Logo der Europäischen Klimaschutzinitiative; BMUB

Matatus (Sammeltaxis) im Nachmittagsverkehr in Nairobi; Photo: GIZ

„Wir können mit den Klimalösungen von gestern nicht die Herausforderungen auf dem Weg zum CO2-armen Transportsektor von morgen lösen,“ brachte einer der Teilnehmenden der Round Table Discussion on NDC Implementation and Transparency in Transport die Problematik auf den Punkt. Die Veranstaltung fand am 12. Mai 2017 in Bonn statt – parallel zu den Sitzungen der Nebenorgane der Klimarahmenkonvention.

Mehr als 30 internationale Vertreter von verschiedenen Klima- und Transportinitiativen und Vertragsstaaten kamen zu einer Diskussion über die Lernerfahrungen in Bezug auf die Umsetzung von national bestimmten Klimaschutzbeiträgen (Nationally Determined Contributions - NDCs) im Transportsektor zusammen. Gemeinsam suchten sie nach Möglichkeiten, um die Vertragsstaaten zu größeren Anstrengungen zu motivieren und die Transparenzanforderungen im Sektor anzuheben. Bereits heute unterstützen zahlreiche internationale Projekte die Länder in Bezug auf verschiedene Aspekte der NDC-Umsetzung im Transportsektor. Vor diesem Hintergrund leistete die Diskussionsrunde einen wichtigen Beitrag zum Erfahrungs- und Wissensaustausch sowie zur Koordination der Maßnahmen an der Schnittstelle zwischen den Sektoren Transport und Klima.

Rednerinnen (von links nach rechts): Petra Bollich (BMUB), Pacifica F. Achieng Ogola (MENR, Kenia) und Victoria Novikova (Klimarahmenkonvention). Foto: GIZ

Die Diskussionsteilnehmenden stellten fest, dass NDCs und die langfristigen Klimastrategien genau aufeinander abgestimmt werden müssen, damit die Ziele des Klimaschutzabkommens von Paris erreicht werden können. Doch da die ersten NDCs übereilt zusammengestellt wurden, um die in Paris vereinbarten Fristen einzuhalten, fehlt in vielen Fällen eine belastbare Datengrundlage. Diese Beobachtung wurde zum Beispiel von Frau Achieng Ogola vom Climate Change Directorate Kenya bestätigt, die hervorhob, dass dringend eine tragfähige Datenbasis benötigt wird, um seriöse NDCs entwickeln zu können.

Außerdem müsse berücksichtigt werden, dass die verschiedenen Länder bei der Entwicklung ihrer sektoralen Klimastrategien von unterschiedlichen Entwicklungsstufen aus starten. Deshalb ist es für Entwicklungsländer entscheidend, dass sie bei der Umsetzung von NDCs ausreichend unterstützt werden, insbesondere in Form von Capacity Development. Dies wiederum ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung ehrgeizigerer Klimaschutzziele.

In Bezug auf die Finanzierung von Minderungsmaßnahmen im Transportsektor wiesen einige Teilnehmende darauf hin, dass die Erschließung von Finanzmitteln aus der Privatwirtschaft klarer politischer Rahmenbedingungen bedarf. Private Investoren lassen sich nur durch viel versprechende Geschäftsszenarien und einen gut ausgebauten Investitionsschutz gewinnen. Doch selbst, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich ein Großteil der Minderungsmaßnahmen im Transportsektor mit privaten Geldern finanzieren lässt oder dass die Herausforderungen auf dem Weg zu einem nachhaltigen Transportsektor allein mit Klimafinanzierungslösungen bewältigt werden können. Verschiedene Entwicklungsbanken haben etwa 28 Mrd. US-Dollar in den Transportsektor investiert. Dieser Betrag sei deutlich höher als das Volumen, das mithilfe von Klimafinanzierungslösungen aufgebracht werden könne, so ein anderer Teilnehmer. Capacity Development ist zwar entscheidend, um etwas gegen das Fehlen von bankfähigen, nachhaltigen Projekten zu unternehmen, doch war man sich darin einig, dass Capacity Building allein nicht ausreicht, um das Problem der Mittelknappheit zu lösen. Vielmehr sind dazu innovative Finanzierungslösungen notwendig. Dies gilt insbesondere für Länder mit niedrigem Rating, die Schwierigkeiten haben, Zugang zu Finanzmittel zu erhalten.

Die neue Publikation Passenger and Freight Transport Volume trägt zum Capacity Development bei. Sie bietet den Lesenden einen umfassenden Überblick über Methoden zur Treibhausgasquantifizierung für verschiedene Minderungsmaßnahmen im Transportsektor. In seiner Funktion als Hauptautor präsentierte Chuck Kooshian, Transportation Policy Analyst beim Center for Clean Air Policy (CCAP), die Publikation, deren Erstellung von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und dem UNFCCC-Sekretariat koordiniert wurde.

Viele der präsentierten Initiativen haben gezeigt, dass im Transportsektor immer mehr Klimaschutzmaßnahmen auf den Weg gebracht werden. Allerdings reichen diese Anstrengungen noch längst nicht aus, um den Transportsektor nachhaltig zu gestalten und die weltweite Klimaerwärmung auf deutlich unter 1,5 Grad zu begrenzen.

Die Veranstaltung wurde von dem GIZ-Projekt Förderung von Klimastrategien in Ländern mit schneller Motorisierung ausgerichtet, das von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesumweltministeriums (BMUB) finanziert wird.