11.07.2018

Bikin-Nationalpark wird zum UNESCO-Welterbe

Amur-Tiger (Panthera tigris altaica), Foto: Viktor Filonov / WWF

Amur-Tiger (Panthera tigris altaica), Foto: Viktor Filonov / WWF

Der Bikin-Nationalpark ist am 2. Juli 2018 vom Welterbekomitee der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt worden. Durch diesen Beschluss wird der Park Teil des seit 2001 existierenden Welterbe-Gebietes „Zentral Sichote-Alin“ - einem Gebirgszug, der sich östlich an das Bikin-Gebiet anschließt und bis zur Pazifikküste reicht. Der 1,16 Millionen Hektar große Nationalpark ist das größte geschützte Urwaldgebiet mit temperiertem Wald in Eurasien. Hier ist unter anderem auch der Amur-Tiger zu Hause.

Die Region Bikin liegt im Fernen Osten Russlands, für deren Unterschutzstellung zwei Projekte Unterstützung geleistet haben, die im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) vom Bundesumweltministerium (BMU) finanziert wurden. Im Auftrag der KfW-Entwicklungsbank wurden die Projekte in Zusammenarbeit mit verschiedenen russischen Ministerien, dem World Wild Fund for Nature (WWF) und GFA ENVEST umgesetzt. „Mit der Anerkennung als Welterbe erhält das Bikin-Gebiet natürlich deutlich mehr internationale Aufmerksamkeit und dadurch auch mehr Schutz“, freut sich Markus Radday, vom WWF Deutschland. „Letztendlich ist das auch eine sehr gute Nachricht für den Tiger.“

Die Wildnis um den mittleren und oberen Bikin-Fluss ist ein Meer von Nadel-Laub-Mischwäldern und der typische Lebensraum des Amur-Tigers. Das Bikin-Gebiet wird wegen seines Artenreichtums auch „Russischer Amazonas“ genannt. Die Koreanische Kiefer nimmt eine Schlüsselstellung im Ökosystem ein. Ihre Samen sind wichtige Nahrung für Wildschwein, Reh, Sikahirsch und Rothirsch - also für die Beutetiere des Amur-Tigers.

Bikin-Landschaft; Foto: Yury Bersenev / WWF Russland

Das Bikin-Gebiet ist nur dünn besiedelt und wird vor allem von Udegen bewohnt. Die Udegen sind ein indigenes Volk im russischen Fernen Osten. Sie nutzen die Wälder und den Fluss seit Jahrhunderten in einer nachhaltigen, umweltschonenden Weise. Nach wie vor ernähren sich die Udegen hauptsächlich von dem, was die Natur ihnen bietet. Auch ihre Kultur basiert auf dem natürlichen Reichtum ihrer Umwelt. Für die Jagd und den Fischfang entwickelten die Ureinwohner eine Vielzahl traditioneller Fang- und Jagdmethoden.

Von 2008 bis 2016 arbeiteten die beiden IKI-Projekte in der Region mit dem Ziel, die Biomasse-reichen Wälder als wichtigen Kohlenstoffspeicher für den Klimaschutz zu erhalten und gleichzeitig für die vor Ort lebenden Udegen zusätzliche Einkommen aus dem Verkauf von Waldprodukten und aus der Vermarktung von Klimazertifikaten zu schaffen. Gemeinsam mit den Udegen wurde 2009 das Bikin-Gebiet als eine spezielle Konzession gepachtet, in der das Sammeln von Waldprodukten wie Nüssen Vorrang vor dem Holzeinschlag hat.

„Ohne das Projekt hätte die Holzindustrie die biologische Vielfalt der Region zerstört und gleichzeitig den Ureinwohnern der Region ihre Lebensgrundlage entzogen“, sagt Markus Radday. Ab 2014 konnte mit Unterstützung eines zweiten IKI-Projektes die langfristige Unterschutzstellung als Nationalpark unterstützt werden, in dem die Udegen ihre traditionellen Nutzungsrechte weiterhin ausüben. Das Bikin-Gebiet wurde im November 2015 zum Nationalpark erklärt. Jetzt wurde dieser zum Welterbe ernannt.