11.11.2014

Den Überblick behalten mit REDDX

Über 4 Milliarden Dollar – so viel Geld haben die Industrieländer bis zum Jahr 2018 in Aussicht gestellt, um Treibhausgase zu reduzieren, die durch Waldrodung in die Atmosphäre gelangen. Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) ist dabei ein wichtiger Geber für nationale Programme zur Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Walddegradierung (REDD+) in Entwicklungs- und Schwellenländern. Sie förderte zwischen 2008 und 2013 entsprechende Projekte mit rund 234 Millionen Euro. Die REDD+ Mittel unterstützten im Wesentlichen Ländern bisher dabei, die notwendigen politischen Rahmenbedingungen sowie Wissen und technische Fähigkeiten zur Messung der Emissionen aus Entwaldung aufzubauen. Sobald alle nötigen Elemente eingerichtet sind, können die REDD+ Mittel dazu dienen, die Empfängerländer für überprüfbare Emissionsreduktion durch Waldschutz oder Aufforstung und Wiederherstellung von Ökosystemen zu vergüten. Viele Länder, Institutionen und Einzelpersonen mischen beim Aufbau nationaler REDD+ Systeme mit – da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Informationen darüber, wie die Gelder verwaltet werden, fehlen oft, sind nicht zugänglich, widersprechen sich oder sind veraltet. "Die Regierung hatte bis vor einiger Zeit kein vollständiges Bild darüber, welche Institutionen und Aktivitäten finanziert wurden", beschreibt Peter Mulbah die Situation in Liberia. Er ist Direktor der Skills and Agricultural Development Services (SADS), einer Nichtregierungsorganisation, die sich für die nachhaltige Entwicklung des Landes einsetzt.

Wertvolle Wälder in Liberia brauchen Schutz

Liberia beheimatet rund 4,3 Millionen Hektar Wald. Davon bestehen 43 Prozent aus den letzten verbleibenden Regenwaldgebieten des Hochlandes von Guinea – ein sogenannter "Hotspot" der biologischen Vielfalt. Solche Gebiete sind besonders reich an unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten, von denen viele nur dort vorkommen; gleichzeitig sind sie von Zerstörung bedroht, vor allem durch illegale Rodungen, Umwandlung von Land und Landwirtschaft. Regenwälder in Liberia, so wie auch andere tropische Regenwälder überall auf der Welt, speichern zudem große Mengen an Kohlenstoff aus der Atmosphäre. Wird der Wald gerodet, gelangt der Kohlenstoff als Kohlendioxid, einem starken Treibhausgas, in die Atmosphäre. Deshalb erhält Liberia wie viele andere Länder Gelder für REDD+. Die Regierung des Landes muss diese Gelder so steuern, dass sie dem Schutz der Wälder langfristig zu Gute kommen. Doch dafür fehlen oft zentrale Informationen, zum Beispiel über die Höhe der bisher erhaltenen Mittel, die Empfänger, die umgesetzten Aktivitäten sowie die Zeitspanne, bis die Gelder vor Ort ankommen, und wo zusätzliche Mittel nötig wären.

Das wollen die Regierung von Liberia und Peter Mulbah ändern. Unterstützt von dem Projekt "REDD+ Expenditures Tracking Initiative" (REDDX), das Forest Trends zusammen mit nationalen Partnern und finanziert durch IKI-Mittel durchführt, berät er die liberianischen Behörden für Forstentwicklung (FDA) und Umweltschutz (EPA), wie sie REDD+ Finanzierungsströme nachvollziehen und steuern können. Mulbah und seine Partner aus den Behörden untersuchen zusammen mit Forest Trends in jährlichen Studien den Fluss der REDD+ Gelder von der Quelle bis zu dem Punkt, wo sie eingesetzt werden. Ausgehend von Analysen bestehender Literatur zu dem Thema erhebt REDDX Liberia direkt Daten durch Umfragen und Interviews mit allen relevanten Organisationen - darunter Geldgeber, Regierungseinrichtungen und die direkten Nutznießer der Förderung. Zudem tauschen sich alle Beteiligten in jährlichen nationalen Workshops aus, die das Projekt organisiert und von der nationalen REDD+ Koordinierungsstelle geleitet werden. Dort werden die erhobenen Daten überprüft und die generellen Trends bezüglich der Finanzströme diskutiert. Neben den reinen Finanzdaten wird auch erfasst, welche Art von Initiativen gefördert werden, zum Beispiel politische Reformen von Landbesitz und Nutzungsrechten oder Projekte zur Verbesserung des Forst- und Landmanagements in bestimmten Regionen. Durch die Analyse werden auch Probleme sichtbar: Zum Beispiel behindern langsame bürokratische Prozesse den Einsatz von Fördermitteln und gelegentlich kommt es zu Doppelarbeit, da die unterschiedlichen Akteure zu wenig von den jeweiligen Aktivitäten wissen.

Ghana als Vorreiter

Ein Team des Naturparkpersonals von NCRC erklärt die Vorteile von REDD+ in Ghana; Foto: Rebecca Asare, Forest Trends.In Ghana ist man schon einen Schritt weiter mit der Datensammlung. Bereits seit 2011 erfassen die Expertinnen und Experten des Nature Conservation Research Center (NCRC) zusammen mit der nationalen Forstbehörde (FC) die REDD+ Finanzströme im Land. Gleichzeitig bildete NCRC das Personal der Behörde entsprechend aus, darunter auch Roselyn Fosuah Adjei, Assitant Manager in der Klimawandel-Abteilung. Sie erzählt, was ihr REDDX gebracht hat: "Das Projekt hat erst einmal Klarheit darüber geschaffen, was als REDD+ zählt und was nicht. Es hat uns ermöglicht, nachzuvollziehen, was vor Ort wirklich passiert. So wurde klar, was bereits gefördert wird, so dass wir unser eigenes Engagement passend dazu einbringen können." Ihr Kollege Yaw Kwayke ist Manager in derselben Abteilung und ergänzt, dass er mit Hilfe des Projekts Kontakte zu wichtigen Akteuren aufbauen und deren Koordination verbessern konnte. "Das hat uns geholfen, unsere Ressourcen gezielt einzusetzen und sicherzugehen, dass Bemühungen nicht gedoppelt werden," sagt Kwayke. Die Datensammlung und das neue Know-how zeigen bereits erste konkrete Wirkungen: "Die Teilnahme an dem Projekt war wichtig, um unsere nationale REDD+ Strategie fertigzustellen", so Kwayke. Eine solche Strategie ist eine wichtige Grundlage, um internationale Förderung zu erhalten. Ghana ist hier auf gutem Wege – die Forest Carbon Partnership Facility (FCPF) hat den Vorschlag für ein REDD+ Programm akzeptiert, das zukünftig ergebnisbasierte Zahlungen für Emissionsreduktion aus dem Carbon Fund erhalten soll. Mit Hilfe von REDDX kann das Land diese und andere REDD+ Mittel nun besser verwalten und effektiver einsetzen. Beispielweise offenbarten die Diskussionen während des Workshops in 2013, dass keines der sieben nationalen REDD+ Pilotprojekte in Ghana derzeit internationale REDD+ Gelder erhält. Seit dem hat die nationale Regierung zugesagt, mit einem eigenen Beitrag diese Finanzierungslücke kurzfristig zu schließen und so den Vorbereitungsprozess des Landes durch "Lernen aus Erfahrung" voranzutreiben.

Gemeinsam Lernen macht klug

Entscheidungsträger der Gemeinde Kulonso in Ghana nehmen an einer Diskussionsrunde teil, um die lokalen Vorteile von REDD+ zu verstehen; Foto: Rebecca Asare, Forest Trends.Zurück nach Liberia. Peter Mulbah kennt und schätzt die Arbeit des NCRC in Ghana, er selbst hat zu Beginn der Liberia REDDX-Initiative davon profitiert. Die ghanaischen Kollegen luden ihn ein, an ihren Studien teilzunehmen und reisten später nach Liberia, um ihm beim Aufbau seines Programms zu helfen. Süd-Süd-Austausch ist ein wichtiges Element von REDDX. Die Expertinnen und Experten aus Ghana haben Peter Mulbah und seinen Kollegen ihr Wissen und die gesammelten Erfahrungen weitergegeben. "Ehrlich gesagt, hätten wir das ohne die Zusammenarbeit mit NCRC nicht geschafft. Ich habe viel gelernt: Welche Fragen man stellen muss, wie man diejenigen beeinflusst, die über zentrale Informationen verfügen, und wie man wichtige Verbindungen aufbaut", lobt Mulbah die Zusammenarbeit mit den ghanaischen Partnern.

Transparenz und Austausch sind generell zentrale Säulen des IKI-Projekts. Mittels einer Online-Datenbank werden alle Informationen gebündelt und übersichtlich auf der REDDX-Webseite www.reddx.forest-trends.org (extern, englisch) aufbereitet. Außerdem geben jährliche Länderberichte, gemeinsam erstellt von den jeweiligen Regierungen, Forest Trends und einem nationalen Partner, einen Überblick über die Auswertungsergebnisse je Land.

Trotz der vielen Herausforderungen, die die Analysen für Waldschutz in Liberia aufzeigen, ist Peter Mulbah zuversichtlich. Das REDDX-Projekt hat die REDD+ Finanzierung transparenter gemacht. Je mehr Informationen Länder haben und je mehr sie darüber wissen, wie die Gelder eingesetzt werden, desto bessere REDD+ Programme können sie entwickeln. Dies erhöht auch das Vertrauen der Geberländer und letztlich auch des Privatsektors, um zusätzliche Investitionen in REDD+ freizusetzen, die Wälder schützen und Menschen zu Gute kommen.