13.02.2014

Bewertung von Ökosystemleistungen in mexikanischen Schutzgebieten

Landschaft mit Bergen

Sierra San Pedro Martir im Bundesstaat Baja California. Quelle: Ruben Romero/CONANP

Mexiko ist eines der Länder mit der höchsten biologischen Vielfalt weltweit, sowohl hinsichtlich der Anzahl von Ökosystemen als auch mit Blick auf seine Artenvielfalt. In den letzten Jahrzehnten haben jedoch Prozesse wie Landnutzungsänderungen, Urbanisierung, Bevölkerungswachtum und Übernutzung von natürlichen Ressourcen die Ökosysteme geschädigt oder komplett zerstört. Das beeinträchtigt auch die vielen wichtigen Leistungen (sogenannte Ökosystemleistungen), die sie für den Menschen erbringen. Zum Beispiel hat sich das Trinkwasserangebot verringert, es gibt Probleme bei der Bestäubung von Nutzpflanzen und das natürliche Landschaftsbild für den Tourismus verliert an Attraktivität. Dennoch wird häufig der Wert dieser Ökosystemleistungen für das menschliche Wohlbefinden sowie für die Wirtschaft nicht anerkannt.

Die mexikanische Kommission für Naturschutzgebiete (CONANP) ist dafür zuständig, die natürlichen Ressourcen Mexikos zu bewirtschaften und zu schützen. Ein wichtiges Anliegen ist es, Informationen und Wissen über Ökosystemleistungen mexikanischer Schutzgebiete zu sammeln und den Wert dieser Leistungen in politischen Entscheidungsfindungsprozessen zu berücksichtigen. So sollen unter anderem zusätzliche Finanzierungsmittel akquiriert werden. Dabei wird die Behörde seit 2013 von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH mit Fördermitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) in Höhe 4.750.000 Euro unterstützt. Das Projekt berät die mexikanischen Partner, wie der Nutzen von Ökosystemleistungen erfasst, ökonomisch bewertet und in politische Entscheidungsprozesse eingebracht werden kann.

Wissen zum Wert von Ökosystemleistungen verbreiten

Den ersten große Meilenstein erreichte das Projekt im Oktober 2013: Zusammen mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltkommission für Naturschutzgebiete der Weltnaturschutzunion (IUCN) organisierte das Projekt vom 21. bis 23. Oktober die erste Konferenz zum Wert von Ökosystemleistungen in mexikanischen Schutzgebieten. Hier wurden wissenschaftliche und praktische Fortschritte zur Bewertung von Ökosystemleistungen vorgestellt und diskutiert sowie der Dialog zur aktuellen Umweltpolitik angeregt. Nationale und internationale Experten tauschten sich aus über die Relevanz ökonomischer Instrumente, Kommunikationsstrategien, die Bedeutung des Themas in nationalen Politiken, und Entscheidungsfindungsprozesse für die Bewertung von Ökosystemleistungen. Die wichtigsten Schlussfolgerungen der Konferenz waren:

  1. Studien zur Bewertung von Ökosystemleistungen sollten auf politische Einflussnahme ausgerichtet sein und einen Schwerpunkt auf praktische Anwendung legen.
  2. Es gibt zahlreiche finanzielle Quellen für das Thema; der Schlüssel zum Erhalt von Ökosystemleistungen ist es, Synergien zu nutzen, Politiken besser zu koordinieren und Subventionen zu kanalisieren.
  3. Die Botschaften zum Thema sollten klar, zielgerichtet und auf die Zielgruppen zugeschnitten sein. Hier gibt es bereits konkrete und erfolgreiche Beispiele.

Seit der Konferenz hat das IKI-Projekt schon einige Maßnahmen in die Wege geleitet: CONANP initiierte mit Unterstützung der GIZ ein Trainingsprogramm zur "Integration von Ökosystemleistungen in Politik, Planung und Praxis". Im Januar 2014 fand nun das erste Training mit Teilnehmern aus unterschiedlichen Abteilungen der Kommission und Regionaldirektoren verschiedener Schutzgebiete statt. Weitere Trainings sind für Februar und März in den Bundesstaaten Oaxaca, Chiapas und Veracruz mit angepassten Formaten und neuen Teilnehmern geplant, zum Beispiel aus Stadtregierungen, Schutzgebieten oder von Nichtregierungsorganisationen.

Derzeit identifizieren die Projektpartner außerdem Pilotregionen, um hier systematische Bewertungsansätze von Ökosystemleistungen umzusetzen. Gleichzeitig wird eine Kommunikationsstrategie entwickelt. Der Erfahrungsaustausch mit anderen Ländern zu diesen Themen ist ein zentrales Element der Projektarbeit.