25.11.2014

Interview mit Dr. Bert Kohlmann von der EARTH University

Über zwei Jahre unterstützte die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) die EARTH University in Costa Rica in der Ausbildung und praktischen Anwendung erneuerbarer Energien. Das Vorhaben, in Zusammenarbeit mit der Renewables Academy (RENAC) aus Berlin durchgeführt, entwickelte sich zu einem Erfolgsprojekt. Das im Jahr 2011 an der EARTH University etablierte Ausbildungszentrum CIDER (Centro de Investigación y Desarrollo de Energías Renovables) fördert nicht nur den Einsatz regenerativer Energien, sondern zeigt auch Wirkung über die Landesgrenzen hinaus. Darüber sprachen wir mit Dr. Bert Kohlmann, dem Leiter von CIDER.

Bert Kohlmann mit drei Studenten der EARTH Universität.

Bert Kohlmann mit Studenten der EARTH Universität. Foto: EARTH Universität.

Herr Kohlmann, was ist das Besondere an der EARTH University?

Kohlmann: Zum einen arbeiten wir fast nur mit Studenten aus ärmeren Verhältnissen der tropischen Gebiete Lateinamerikas und Afrikas. Von diesen erhalten bei uns fast alle ein Stipendium. Zum anderen konzentrieren wir uns auf tropische Landwirtschaft. Die meisten Universitäten in Zentralamerika lehren nur die Theorie. Meistens habe diese nicht die Mittel, um anwendungsorientierte Apparate zu kaufen oder um Tiere zu halten. Bei uns können Studenten praktische Aufgaben lösen, zum Beispiel auf der universitätseigenen Bananenplantage.

Im Jahr 2011 wurde mit Hilfe der IKI ein neues Ausbildungszentrum zum Einsatz von erneuerbaren Energien geschaffen. Welche Inhalte umfasst das Lehrangebot?

Kohlmann: Das ganze Spektrum unserer Kurse und Inhalte umfasst die Lehre und Anwendung aller Arten von regenerativen Energien aus Windkraft, Sonne oder Biogas. Das Zentrum verfügt über das erste und einzige Biogas-Laboratorium in Zentralamerika. Da wir eine landwirtschaftliche Universität sind, konzentrieren wir uns auf Technologieanwendungen, die für kleine oder mittelgroße landwirtschaftliche Betriebe geeignet sind. Viele dieser Betriebe können sich teure Anlagen nicht leisten. Deshalb versuchen wir Wege aufzuzeigen, wie man Anlagen für regenerative Energien in Eigenregie herstellen kann.

Costa Rica hat sich vorgenommen, bis 2021 klimaneutral zu werden und Strom lediglich aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Was muss getan werden, um die Energieversorgung dahingehend umzustellen und die ambitionierten Klimaziele zu erreichen?

Kohlmann: Bereits heute gewinnt Costa Rica über 91 Prozent seines Strombedarfs aus regenerativen Energiequellen, vornehmlich aus Wasserkraft. Um das Ziel zu erreichen, wird mittlerweile auch verstärkt an der Etablierung der Windkraft und der Nutzung von Agrarabfällen gearbeitet. Das sind auch unsere Themen.

Sie beschäftigen sich an der EARTH University mit Themen wie alternative Agrar- und Abfallwirtschaft. Können Sie uns hierfür Beispiele nennen?

Kohlmann: Die Agrarabfälle stellen in Costa Rica ein großes Problem dar, da sie in großer Zahl Insekten und vor allem Fliegen anziehen. Wir vermitteln daher den lokalen Betrieben, dass sich mit Bioabfällen auch Elektrizität erzeugen lässt, mit welcher wiederum Agrarprodukte gekühlt werden können. Wir zeigen also auf, dass diese Abfälle von ökonomischer Bedeutung sind. Da auch eine Reihe anderer zentralamerikanischen Staaten große Schwierigkeiten mit den Agrarabfällen hat, sind diese Lösungen von hoher Relevanz.

An der EARTH University unterrichten Sie auch Studenten aus anderen Ländern Lateinamerikas und aus Afrika. Sind Ihnen Beispiele bekannt, wie sich die Lernerfahrungen ehemaliger Studenten insbesondere zum Thema erneuerbare Energien in anderen Ländern auswirken?

Kohlmann: Bisher hatten wir an der EARTH University drei Generationen von Studenten, die sich auch mit erneuerbaren Energien befassten. Es bestehen Kooperationen mit landwirtschaftlichen Betrieben über die Landesgrenzen hinweg, etwa mit Guatemala. Wir haben außerdem afrikanische Studenten, die unsere Lehrinhalte in eigenen Betrieben in Kenia und Sierra Leone einsetzen wollen.

Welche neuen Kooperationen und Möglichkeiten haben sich für die EARTH University durch die Zusammenarbeit mit der IKI ergeben?

Kohlmann: Derzeitig werden wir im Rahmen eines Projektes von der norwegischen Botschaft unterstützt, um die lokale Bevölkerung zentralamerikanischer Staaten über die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten von erneuerbaren Energien aufzuklären. Beispielhaft ist hier die Anwendung von Wasserpumpen in der Landwirtschaft und in Privathaushalten zu nennen, die ohne Stromzufuhr effektiv Wasser liefern. Im Bereich Biogas hat sich eine Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin ergeben. Zudem arbeiten wir nun zusammen mit der RENAC und unterstützt durch die DEG an einer Spezialisierung im Bereich erneuerbaren Energien, bei der lateinamerikanische Studenten auf ein späteres Studium in Deutschland vorbereitet werden.

Gibt es bereits eine organisierte Alumni-Arbeit oder einen Alumni-Verein der Universität oder im Umfeld des IKI-Projektes?

Kohlmann: Tatsächlich hat die Universität bereits einen Alumni-Verein. Wir bekommen über diesen sogar Anfragen von Absolventen aus Südamerika, die an einer Zusammenarbeit mit der EARTH University interessiert sind. Besonders stolz macht uns aber die Anerkennung im eigenen Land. Die EARTH University ist die einzige Universität Costa Ricas, die als ständiges Mitglied in die nationale Kommission für Energie und Energieeffizienz berufen wurde. Das Trainingszentrum CIDER wurde von der neuen Regierung Costa Ricas in diesem Jahr beauftragt, einen Kurs im Bereich erneuerbare Energien durchzuführen. Eine Woche lang haben Regierungsbeamte bei uns auf dem Campus verbracht und die breite Palette von Anwendungsmöglichkeiten erneuerbarer Energien kennengelernt. Das wäre ohne die Unterstützung der IKI für das Trainingszentrum CIDER nicht möglich gewesen. Wir sind für die Unterstützung der IKI sehr dankbar.

 


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