16.09.2015

Mit natürlichen Kältemitteln Klima und Ozonschicht schützen

20 Jahre integrierter Ozon- und Klimaschutz

Kühlsystem auf einem Dach

Kühlsystem auf einem Dach. Foto: Fotolia/Tupungato

Die Welt feiert heute den Internationalen Tag für den Schutz der Ozonschicht - und damit auch eine der erfolgreichsten multilateralen Umweltvereinbarungen: das Montrealer Protokoll. Unterzeichnet vor mehr als 20 Jahren hat sich seit dem das Ozonloch wieder verkleinert und sollte, entsprechend wissenschaftlicher Voraussagen, im Jahr 2050 gänzlich verschwunden sein. Der Erfolg des Montrealer Protokolls zeigt, wie internationale Kooperation nachhaltige technologische Entwicklungen und Transformationen initiieren kann. Allerdings steht der am meisten von Ozonschutzmaßnahmen betroffene Kälte-, Klimatechnik und Schaumstoffsektor vor neuen Herausforderungen, die sich aus dem Klimawandel und seinen Folgen ergeben.

Kühltechnik ist ein essentieller Bestandteil des menschlichen Lebens. Kühlgeräte sind in Wohnhäusern, Supermärkten, Bürogebäuden, Forschungseinrichtungen oder industriellen Betrieben im Einsatz. Bevölkerungswachstum sowie zunehmende Urbanisierung intensivieren den globalen Bedarf an Kühlsystemen rapide, insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern. So waren im Jahr 2014 weltweit 1,5 Milliarden Raumklimageräte im Einsatz. Im selben Jahr wurden weltweit 140 Millionen Raumklimageräte produziert, davon ca. 120 Mio. in China. Circa 75 Mio. der chinesischen Geräte wurden für den eigenen Markt und ca. 45 Mio. für den Export hergestellt.

Klimaschädliche Emissionen im Kühlbereich entstehen zu zwei Dritteln durch den damit verbundenen Energieverbrauch. Ein Drittel resultiert aus dem Einsatz besonders klimaschädigender Kühlflüssigkeiten sowie Treibmittel für Schaumstoffe. Üblicherweise werden so genannte teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (HFCs) eingesetzt, um die ozonschädigenden Substanzen stufenweise abzubauen und zu ersetzen. Zwar schädigen HFCs nicht die Ozonschicht, jedoch sind sie sehr potente Treibhausgase. HFCs haben üblicherweise ein Treibhausgaspotenzial (Global Warming Potential, GWP) zwischen 650 und 4000. HFCs gehören zu den am schnellsten wachsenden Treibhausgasen, was sie zu einer großen Herausforderung für einen integrierten Ozon- und Klimaschutz macht. Bis zum Jahr 2050 könnte der Bereich der Kühltechnik für zwischen 7-19% der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sein.

Mit dem Programm Proklima ist die GIZ seit 20 Jahren aktiv im Kältemittel-, Schaum- und Kühlsektor. GIZ Proklima unterstützt im Auftrag der deutschen Bundesregierung Entwicklungs- und Schwellenländer beim phasenweisen Abbau von ozonschädigenden Substanzen und bei der Umsetzung ihrer Verpflichtungen aus dem Montrealer Protokoll. Im Mittelpunkt steht auch die Förderung energieeffizienter Technologien, die auf der Nutzung von natürlichen Kälte- und Treibmitteln basieren. So soll der Verbrauch von synthetischen Substanzen wie HFC vermieden werden, um so das Klima nachhaltig zu schützen. Damit konnten in den 20 Jahren nachweislich über 100 Mio tCO2äq vermieden werden.

GIZ Proklima hat bislang auch bereits 16 Projekte unter dem Schirm der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) durchgeführt. Beispiele sind etwa die weltweit erste Umrüstung der Produktionslinie von Klimaanlagen des chinesischen Unternehmens GREE auf natürliche Kältemittel. Mit jährlich produzierten und in den Markt gebrachten 180.000 Klimaanlagen können, gerechnet auf die Laufzeit der Geräte, über 500.000 Tonnen Kohldioxidäquivalent vermieden werden. Neben der Technologiedemonstration wurden NAMA Methodologien und Instrumente für den Kältemittel-, Schaum- und Kühlsektor entwickelt, die in Ländern wie bspw. Thailand, Kolumbien und Mexiko bereits angewendet werden. Von diesen NAMAs werden die Schnittstellen zwischen Klimaregime und Montrealer Protokoll bearbeitet sowie klimafreundliche Technologien unter Einbeziehung des Privatsektors weltweit gefördert und verbreitet.

GIZ Proklima veranstaltet am 28. September 2015 das Symposium "20 Jahre bilaterales Engagements Deutschlands im multilateralen Prozess des Montrealer Protokolls". Die Herausforderungen auf dem Weg hin zu einem nachhaltigen und klimafreundlichen Kältemittel- und Kühlsektor sollen genauso wie die Chancen dieser Umstellung mit interessierten Partnerländern, politischen Entscheidungsträgern, Forschungsinstitutionen, Industrievertretern und -vereinigungen, und Nichtregierungsorganisationen aus den Bereichen Bevölkerungsentwicklung, Urbanisierung, Entwicklungskooperation und Technologietransfer diskutiert werden.


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