03.07.2018

Ökosystemleistungen auf nationaler Ebene nutzen

Wald in Kamerun; Foto: Karin Beese/ PB IKI

Wald in Kamerun; Foto: Karin Beese/ PB IKI

In Abidjan, Côte d’Ivoire, fand im April 2018 ein regionaler Workshop anlässlich des jüngst veröffentlichten IPBES-Assessments zu Biodiversität und Ökosystemleistungen für die Region Afrika statt. Der weltweit erste Workshop dieser Art diskutierte, welche mögliche Bedeutung die im Gutachten identifizierten Kernaussagen und Handlungsoptionen für die Praxis haben könnten und wie man das Papier auf nationaler Ebene nutzen kann.

Das Assessment war Ende März auf der 6. Vollversammlung des Weltbiodiversitätsrates IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform for Biodiversity and Ecosystem Services) in Medellín, Kolumbien, von 129 Vertragsstaaten diskutiert worden. Es ist Ergebnis eines dreijährigen Prozesses, in dem rund 100 Expertinnen und Experten aus drei UN-Regionen (Afrika, Westeuropäische und andere Staaten (WEOG), Asien-Pazifik) und 33 Ländern das vorhandene Wissen zu Status und Trends der Biodiversität Afrikas und den direkten und indirekten Treibern ihres Verlustes zusammengefasst haben. Analysiert wurden auch politische Rahmenwerke, wie die Sustainable Development Goals (SDGs), die Aichi Targets und die Agenda 2063, in deren Kontext Maßnahmen gegen die prognostizierten Verluste ergriffen werden könnten.

Die Teilnehmenden des ValuES Regionalworkshops in Abidjan; Foto: CSRS

Nach zwei öffentlichen Konsultationsrunden sorgte die Summary for Policymaker (SPM) während IPBES-6 für hitzige Debatten. Insbesondere kritisierten Delegierte und Beobachtende die Dominanz der ehemaligen Kolonialmächte Frankreich, Großbritannien und Belgien bei der Kommentierung, im Verhältnis zu den Ländern, die von den Ergebnissen des Assessments letztlich profitieren sollen. Inhaltliche Debatten gab es insbesondere hinsichtlich der konzeptionellen Grundlagen des Assessments, beispielsweise zum IPBES-Konzept der „Nature’s Contribution to People“, das das bislang insbesondere in der Wissenschaft genutzte Konzept der „Ecosystem Services“ ablösen soll.

Während das Mandat von IPBES mit der Verbreitung des SPMs endet, beginnt im Anschluss die Arbeit derjenigen, die die Ergebnisse des IPBES-Assessment auf nationaler oder subregionaler Ebene nutzen wollen. Beim Workshop in Abidjan diskutierten deshalb 40 Teilnehmende geeignete Strategien und Instrumente, um die Ergebnisse des Assessments in Wert zu setzen. Aus sieben französischsprachigen afrikanischen Ländern (Côte d’Ivoire, Kamerun, Benin, Burkina Faso, Mauretanien, Demokratische Republik Kongo und Tschad) waren Biodiversitäts-Expertinnen und -Experten involviert sowie Vertreterinnen und Vertreter wissenschaftlicher Einrichtungen und der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Gemeinsam entwickelten sie zahlreiche Ideen, wie das Assessment und seine Ergebnisse auf nationaler Ebene genutzt werden können. Ein Ansatz war der Aufbau nationaler Plattformen zur Koordination der intersektoralen Zusammenarbeit von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft im Themenbereich Biodiversität und Ökosystemleistungen, um gemeinsame Aktivitäten auf Landesebene zu koordinieren. Auch die Initiierung interministerieller Treffen zur Diskussion rund um IPBES und die Nutzung seiner Produkte sowie die Durchführung eigenständiger nationaler Assessments zu Biodiversität und Ökosystemleistungen wurden als mögliche Aktivitäten genannt.

Für alle teilnehmenden Länder gleichermaßen wichtig wird der Auf- und Ausbau von fachtechnischen Kapazitäten im Bereich Biodiversität und Ökosystemleistungen, um die Ergebnisse von IPBES adäquat umzusetzen. Darüber waren sich alle einig. Als Ergebnis der dreitägigen intensiven Dialoge liegen nun nationale „Fahrpläne“ für die Nutzung des Assessments auf Landesebene vor, wie, wann und durch wen die vorgenannten Aktivitäten umgesetzt werden sollen.  

Co-Chair des IPBES Regionalassessment, Prof. Kalemani Jo Mulongoy; Foto: CSRS

Der Workshop wurde gemeinsam vom ivorischen Umweltministerium MINSEDD, den Wissenschaftszentren CSRS und WASCAL, der Initiative WABES, dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), dem Projekt PROFIAB und dem IKI-Projekt ValuES: Methoden zur Integration von Ökosystemleistungen in Politik, Planung und Praxis durchgeführt und vom IPBES-Sekretariat unterstützt. Die Ergebnisse des Workshops und die Lernerfahrungen aus dem Prozess selbst werden Grundlage für weitere solche Konsultationsprozesse seitens IPBES und seiner Partnerstrukturen sein.

Workshop-Teilnehmer; Foto: Katja Heubach