06.04.2016

Waldschutz ist Klimaschutz

Wald

Morgensonne über Uferdickicht eines Bachs im Regenwald der Serra do Mar in Brasilien. Foto: Werner Rudhardt

Die Staats- und Regierungschefs der großen Waldländer und Partnerländer haben sich während des Klimagipfels von Paris im Dezember 2015 ausführlich mit dem Schutz der Wälder beschäftigt. In einem gemeinsamen Statement würdigten Staaten wie Brasilien, Norwegen, Großbritannien und Deutschland die essentielle Rolle der Wälder für die Gesundheit des Planeten, eine nachhaltige Entwicklung und die Bekämpfung des Klimawandels.

Wälder tragen auf vielfältige Weise zum Schutz der Erde bei. Zum einen speichern sie in ihrer Biomasse Kohlenstoff und verhindern somit, dass das Treibhausgas CO2 in die Atmosphäre gelangt. Zum anderen sind Wälder ein Schlüsselelement für die Wasseraufbereitung auf der Erde, indem sie Wasserströme regulieren und Wasser filtern. Ein weiterer wichtiger Punkt ist ihr Beitrag zum Schutz vor Bodenerosion. Wälder stabilisieren den Boden, da sie den Abtrag von Bodenmaterial durch Wasser oder Wind erschweren. Daher sind Wälder auch für den Hochwasser- und Lawinenschutz wichtig. Waldökosysteme, wie der tropische Regenwald, beherbergen zudem eine ungeheure Artenvielfalt an Tieren sowie Heil- und Nutzpflanzen, die Menschen als Nahrungsmittel und zu medizinischen Zwecken dienen. Wälder erfüllen auf diese Weise für alle Lebewesen auf der Erde essentielle Funktionen.

Auf Grund der Ausweitung von Land- und Viehwirtschaft, Bergbau, illegalen Rodungen, sowie des Baus von Straßen und Siedlungen werden die Wälder der Erde jedoch stark dezimiert. Waldzerstörung zu stoppen ist daher ein maßgeblicher Teil der internationalen Klimaschutzpolitik. Als wichtiger politischer Meilenstein dafür gilt die "New York Declaration on Forests", die auf dem Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York im September 2014 verabschiedet wurde. Über 130 Regierungen, Unternehmen, Organisationen der Zivilgesellschaft und Vertreter indigener Völker haben sich darin zum Ziel gesetzt, die weltweite Entwaldung bis 2020 zu halbieren und den Verlust natürlicher Wälder bis 2030 zu stoppen. Bis 2030 sollen außerdem mindestens 350 Millionen Hektar Wald wiederhergestellt werden.

Mit der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) unterstützt das Bundesumweltministerium (BMUB) gezielt die weltweiten Bemühungen zum Schutz der Wälder. In den Jahren 2008-2016 wurden bisher insgesamt 99 Projekte in knapp 70 Partnerländern mit insgesamt 332 Millionen Euro gefördert. Die IKI unterstützt Partnerländer vor allem dabei, den internationalen Mechanismus zur Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Walddegradierung, genannt REDD+, in die Praxis umzusetzen. Neben Waldschutzmaßnahmen gibt es auch Projekte zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung, die neben der CO2-Speicherung die Verbesserung der Wirtschaftslage der Menschen in den betroffenen Gebieten zum Ziel haben. Die IKI fördert zudem innovative Ansätze, um Land- und Waldressourcen nachhaltig zu nutzen und damit Entwaldung einzudämmen, beispielsweise durch den Aufbau "entwaldungsfreier Lieferketten".

Brasilien, auf dessen Fläche sich große Regenwaldgebiete befinden, spielt dabei eine wichtige Rolle. Die IKI unterstützt daher die Verbesserung des Biodiversitätsschutzes und die Wiederherstellung ursprünglicher Waldgebiete in Projektgebieten im Hinterland von Rio de Janeiro, im Süden des Bundesstaates Bahia und in der Küstenregion zwischen den Bundesstaaten São Paulo und Paraná. Konkret werden zum Beispiel ein Gemeindeplan für den Schutz und die Wiederherstellung der Mata Atlântica für Porto Seguro, ein Managementplan für das Schutzgebiet Canaéia-Iguape-Peruibe, sowie Bodennutzungspläne in der Gemeinde Duque de Caxias erstellt. Gemeinsam mit der Behörde des Biosphärenreservats Mata Atlântica wurde der Bericht "Anuário Mata Atlântica 2014" veröffentlicht, der die Fortschritte bei der Erreichung der Aichi Biodiversitätsziele in der Region analysiert.

Neben der Erstellung von Managementplänen fördert die IKI Trainingsmaßnahmen und Umweltbildungsprogramme. Zum Schutz des Bergnebelwaldes im ostafrikanischen Ruanda wurden mehr als 10.000 Landwirte in nachhaltiger Landwirtschaft und Agroforstwirtschaft geschult. In den Randzonen des Nebelwaldes Forêt de Nyungwe legten die Projektpartner einen agroforstlichen Schutzgürtel an. Dieser schützt den Boden vor Erosion und macht durch eine hohe Biomasseproduktion die Holzentnahme aus dem Wald überflüssig. Insgesamt wurden 6.500 Hektar aufgeforstet und neun Baumschulen errichtet. Zudem wurde an den Schulen ein Umweltbildungsprogramm eingeführt, das für den Schutz des Waldes sensibilisieren soll.

Eine nachhaltige Gemeindeentwicklung, die den Schutz des Waldes integriert, steht im Mittelpunkt eines Pilotprojekts in Guatemala. Im Nationalpark Sierra del Lacandón wird der Primärwald durch Patrouillen besser überwacht, damit Entwaldung eingedämmt werden kann. Die lokale Bevölkerung beteiligt sich dabei aktiv am Schutz des Waldes, wobei sie finanziell, materiell (z.B. Setzlinge) und fachlich unterstützt wird. Der Austausch zwischen verschiedenen Gemeinden, Behörden und Fachkräften hilft, Wissen und Erfahrungen im Anbau und Umgang mit natürlichen Ressourcen weiterzugeben und Kooperationen anzuregen.