Erhalt natürlicher Kohlenstoffsenken/REDD+

Im Förderbereich "Erhalt natürlicher Kohlenstoffsenken/REDD+" unterstützt die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) Partnerländer insbesondere dabei, den internationalen Mechanismus zur Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Walddegradierung in Entwicklungsländern (REDD+)1 in die Praxis umzusetzen.

Dabei konzentriert sich die IKI auf die Umsetzung nationaler REDD+ Strategien auf dem Weg hin zu ergebnisbasierten Zahlungen für nachgewiesene Emissionsminderung und Kohlenstoffspeicherung. Eine wichtige Rolle spielen dabei Synergien zwischen Waldschutz und dem Erhalt der biologischen Vielfalt sowie zwischen Emissionsminderung und Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Erkenntnisse aus IKI-Projekten geben Impulse für die internationalen Verhandlungen unter der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) und dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) sowie für internationale Initiativen wie die REDD+ Partnerschaft. Auch bei multilateralen REDD+ Initiativen wie beispielsweise der von Deutschland mitfinanzierten Forest Carbon Partnership Facility (FCPF) der Weltbank fließen Erfahrungen aus IKI-Projekten ein.

Neben REDD+ finanziert die IKI auch Maßnahmen zur Emissionsreduktion und Kohlenstoffspeicherung in anderen Ökosystemen, die nicht unter den REDD+ Mechanismus fallen, wie zum Beispiel Moore, boreale Wälder oder Savannen.

Von 2008 bis 2016 wurden im Bereich REDD+ insgesamt 105 Projekte mit einem Mittelvolumen von 338 Millionen Euro bewilligt.

 

1 REDD+ steht insgesamt für "Reducing emissions from deforestation and forest degradation and the role of conservation, sustainable management of forests and enhancement of forest carbon stocks in developing countries".

Intakte Wälder für den Klimaschutz: REDD+

Wälder, vor allem tropische Waldökosysteme, speichern große Mengen an Kohlenstoff. Durch Entwaldung und nicht nachhaltige Nutzung von Wäldern gelangt dieser gespeicherte Kohlenstoff als CO2 in die Atmosphäre und trägt somit zum globalen Klimawandel bei. Die so entstehenden Treibhausgasemissionen machen laut dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) ungefähr 17 Prozent der gesamten menschengemachten Emissionen weltweit aus.

Deshalb wird der REDD+ Mechanismus als Teil der internationalen Klimaschutzpolitik innerhalb der UNFCCC entwickelt. Die Grundidee besteht darin, Entwicklungsländern finanzielle Anreize für die nachweisliche Reduktion von Entwaldung und Degradierung ihrer Wälder zu geben. Der REDD+ Mechanismus umfasst drei Phasen. Zahlreiche Entwicklungs- und Schwellenländer befinden sich in der ersten Phase, der sogenannten "Readiness"-Phase, in der sie nationale REDD+ Strategien erarbeiten. In der zweiten Phase werden diese Strategien durch den Aufbau von institutionellen Strukturen und technischen Fähigkeiten umgesetzt. In der dritten Phase erhalten die REDD+ Länder schließlich Zahlungen für tatsächlich erfolgte, nachgewiesene Emissionsminderungen, wenn zum Beispiel Emissionen durch vermiedene Entwaldung verhindert wurden oder durch den Wiederaufbau degradierter Wälder Kohlenstoff aus der Atmosphäre entzogen wurde.

Die IKI wirkt an der Ausgestaltung des internationalen REDD+ Mechanismus mit, in dem sie Partnerländer dabei unterstützt, innovative Lösungen zur Umsetzung von REDD+ Strategien (Phase 2) zu entwickeln und umzusetzen und dadurch einen ergebnisbasierten REDD+ Mechanismus aufzubauen. Schwerpunkte der Förderung sind folgende Themen: nationale Systeme für ökologische und soziale Sicherheitsklauseln (Safeguards); Maximierung von zusätzlichem Nutzen zur Kohlenstoffspeicherung (Co-benefits); Messung, Berichterstattung und Verifizierung (MRV) von Veränderungen im Kohlenstoffgehalt der Wälder; sowie Wiederherstellung von Waldlandschaften. Darüber hinaus hilft die IKI ihren Partnern auch dabei, die Ursachen der Entwaldung und Walddegradierung zu identifizieren und einzudämmen, Referenzniveaus von Entwaldungs- und Walddegradierungsraten zu bestimmen sowie die Koordination von REDD+ Aktivitäten zu verbessern.

Das Spektrum an Instrumenten in IKI-Projekten ist breit gefächert. Es reicht von der Umsetzung von Demonstrationsprojekten, über den Aufbau technischen Know-hows und institutioneller Strukturen, Politikberatung und Bereitstellung technischer Expertise bis hin zum wirksamen Einsatz von Investitionen im Waldsektor und zur Förderung von Wissens- und Erfahrungsaustausch.

Ausgewählte Projekte:

Tropenwaldschutz und nachhaltige Gemeindeentwicklung im Sierra del Lacandón Nationalpark

Ökologische und soziale Sicherheitsklauseln und zusätzliche Nutzen zur Kohlenstoffspeicherung

In der internationalen Debatte gilt der Schutz der biologischen Vielfalt als einer der wichtigsten zusätzlich Nutzen von REDD+. Um solche "Co-benefits" zu erhöhen, sollten entsprechende Kriterien in REDD+ Strategien integriert werden. Gleichzeitig müssen ökologische und soziale Sicherheitsklauseln (Safeguards) angewendet werden, um negative Auswirkungen von REDD+ Maßnahmen zu verhindern. Hier gilt es insbesondere, die Rechte und die Beteiligung der lokalen Bevölkerung und indigener Völker sicher zu stellen. Deshalb unterstützt die IKI Projekte, die solche Safeguards entwickeln, einsetzen und überwachen sowie Co-benefits befördern.

Ausgewählte Projekte:

Fördermechanismen von REDD zum Erhalt der biologischen Vielfalt

Bonn Challenge: Waldlandschaften wiederherstellen

In vielen Entwicklungsländern haben Entwaldung und die Degradierung von Wäldern dazu geführt, dass die Waldökosysteme und ihre Dienstleistungen wie Wasserspeicherung und Erosionsschutz deutlich geschädigt sind. Maßnahmen zur Wiederherstellung der Waldlandschaften bringen somit viele Vorteile mit sich: Klimaschutz, Erhalt der biologischen Vielfalt und Unterstützung einer nachhaltigen Entwicklung. Dieser Ansatz beinhaltet auch, bestehende und neue Systeme zur Bezahlungen für Ökosystemdienstleistungen ( PES ) zu erproben.

Der Bonn Challenge wurde im September 2011 auf einer interministeriellen Tagung, zu der die Bundesregierung und die Weltnaturschutzunion IUCN eingeladen hatten, ins Leben gerufen. Sie setzt sich zum Ziel bis zum Jahr 2020, 150 Mio. Hektar degradierte Waldfläche wiederherzustellen. Seitdem haben sich die Bemühungen der Entwicklungsländer zur Rettung ihrer Waldlandschaften intensiviert.

Auch die Privatwirtschaft hat die Vorteile der Waldwiederherstellung inzwischen erkannt. Mehr als 100 Firmen, Regierungen sowie zivile und indigene Organisationen befürworteten auf dem Ban Ki Moon Klima-Gipfel im September 2014 die New York Erklärung zum Walderhalt. Diese baute auf den Ideen des Bonn Challenge auf und beinhaltet eine ambitionierte Verpflichtung zur Wiederherstellung von Wäldern bis 2030.

Die Internationale Klimaschutzinitiative unterstützt Projekte, die innovative Ansätze bei der Wiederherstellung von Waldökosystemen testet und Maßnahmen sowie Finanzierungsinstrumente zur großmaßstäbigen Verbreitung dieser Bemühungen entwickelt.

Ausgewählte Projekte:

Emissionsminderung und Kohlenstoffspeicherung messen, berichterstatten und verifizieren

Seit Beginn der internationalen Klimaverhandlungen ist es ein wichtiges Thema, wie die Reduktion von Treibhausgasemissionen gemessen, berichtet und überprüft werden kann (MRV). Der Begriff MRV beschreibt dabei das Zusammentragen von Daten zu Minderungsmaßnahmen und Treibhausgasemissionen, die Aufbereitung dieser Informationen in Berichten und Inventaren sowie deren Überprüfung in einem internationalen Prozess. Jedoch stellen die Entwicklung von MRV-Systemen und die Anwendung der MRV-Anforderungen eine große Herausforderung dar. Alle Länder müssen beispielsweise die notwendigen Daten sammeln sowie Treibhausgasinventare, Emissionsprognosen und wirtschaftliche Analysen erstellen. Auch im REDD+ Bereich wird das Thema MRV immer wichtiger. Da die politischen Richtlinien für MRV von REDD+ bisher noch unzureichend sind, entwickeln in vielen Ländern subnationale Initiativen ihre eigenen Referenzniveaus und Monitoringsysteme. Diese verschiedenen subnationalen Ansätze müssen nun in nationale REDD+ Systeme einfließen. In 2011 wurden bei der 17. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention in Durban die Cancun Agreements bezüglich MRV präzisiert. Für REDD+ wurden hier speziell Informationen zu "Safeguards", beispielsweise zur Berücksichtigung der Rechte indigener Völker oder zum Schutz der biologischen Vielfalt, festgeschrieben.

Die IKI fördert in diesem Zusammenhang gezielt Projekte, die die Partnerländer bei der Planung und Umsetzung von Minderungsmaßnahmen unterstützen, die unter einem künftigen internationalen Klimaschutzabkommen MRV-fähig sein sollen. Dazu zählen auch Süd-Süd-Kooperationen, die Methoden für das Monitoring von Treibhausgasemissionen und Informationssysteme für REDD+ Safeguards entwickeln.

Ausgewählte Projekte: