Nachhaltige Finanzierung von Klimaschutz, Biodiversität und Anpassungsmaßnahmen

Die Industrieländer haben sich bereits in der Kopenhagen-Vereinbarung 2009 dazu verpflichtet, bis 2020 gemeinsam jährlich 100 Milliarden US-Dollar für Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen in Entwicklungs- und Schwellenländer zu mobilisieren. Diese Zusage wurde auf der Klimakonferenz in Paris 2015 zeitlich bis 2025 erweitert, ein neues Klimafinanzierungsziel post-2025 ist Verhandlungsgegenstand der COP26 in Glasgow.

Diese Summe ist jedoch nicht ausschließlich aus öffentlichen Mitteln zu bestreiten, sondern aus diversen Quellen inklusive bilateral und multilateraler Zusammenarbeit sowie privater Klimafinanzierung. Deshalb müssen öffentliche Mittel auch so eingesetzt werden, dass sie effektiv private Mittel für den Klimaschutz mobilisieren. Im Pariser Klimaschutzabkommen (PA) wurde darüber hinaus vereinbart, die globalen Finanzflüsse und Investitionsströme konsistent mit einem kohlenstoffarmen und klimaresilienten Entwicklungspfad zu gestalten (PA Art. 2.1.c). Das Berücksichtigen von Klima- und Anpassungserfordernissen in allen Investitionsentscheidungen (Mainstreaming) ist dafür unerlässlich. Gleiches gilt für die Erarbeitung von Rahmenbedingungen, um eine große Zahl Investitionen umzulenken. Dieser Prozess dient auch den Zielen der nachhaltigen Entwicklung (SDGs).

Einen wichtigen Anteil an der Klimafinanzierung spielen multilaterale Fonds: Dazu gehört insbesondere der Grüne Klimafonds (GCF), der 2019 mit knapp umgerechnet 10 Milliarden US-Dollar für die Phase 2020-2023 wiederaufgefüllt wurde. Daneben sind ebenfalls die Globale Umweltfazilität (GEF), der Anpassungsfonds (AF) und die Climate Investments Funds (CIFs) bedeutsam. Neben multilateralen Fonds, spielen die multilateralen Entwicklungsbanken (MDBs), bilaterale Entwicklungsbanken und die bilaterale Zusammenarbeit eine bedeutsame Rolle.

Darüber hinaus enthält das Pariser Klimaschutzabkommen Wegweiser zur Entwicklung eines marktbasierten, globalen Kohlenstoffmarktes für die kohlenstoffarme, klimaresiliente Wirtschaftsentwicklung. Hiermit werden Rechte in Form von Zertifikaten zum Ausstoß von Treibhausgasen gehandelt und der Treibhausgasausstoß mit einem Preis versehen. Artikel 6 des Pariser Klimaschutzabkommens schafft zudem die rechtliche Basis zur Einführung von Kooperationsmechanismen, die einen Transfer von Zertifikaten zwischen Ländern ermöglichen und zur Steigerung der Klimaschutzambitionen der Staaten beitragen sollen. Das schafft einen Anreiz, Treibhausgasemissionen insbesondere dort zu reduzieren, wo dies zu den geringsten Kosten möglich ist. Grundlage dafür ist ein robustes Regelwerk, das derzeit noch verhandelt wird.

Noch gibt es global zu wenig finanzierungsreife Klimaschutzprojekte, in die öffentliche und private Anleger investieren können. Im Rahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit fördert die IKI zusammen mit ihren Partnern wegweisende Pilotprojekte zur Umsetzung des Art. 2.1.c und Art. 6 des Pariser Klimaschutzabkommens sowie zur Finanzierung von Minderungs-, und Anpassungsprojekten und Biodiversität. Dazu zählen unter anderem nachhaltige Geschäftsmodelle und innovative Finanzierungsinstrumente für private Investitionen in Klimaschutz und -anpassung mit einer transformativen Wirkung. Mit den Projekten werden klimarelevante Aspekte in öffentliche und private Investitionsentscheidungen integriert und zunehmend mehr Gelder in klimafreundlichen Technologien angelegt.

Seit 2015 gewinnen auch Ansätze zur Paris kompatiblen Finanzmarktentwicklung maßgeblich an Bedeutung. Die IKI bezieht sich daher mit seinen Förderangeboten auch auf Ansätze zur Beratung politisch Entscheidender, auf die Entwicklung von Finanzinstitutionen sowie auf Investoren um sie dabei zu unterstützen, Investitionen, Regularien und Gesetze mit den politischen Minderungs- und Anpassungszielen des Pariser Klimaschutzabkommens in Einklang zu bringen. Zudem unterstützt die IKI ihre Partnerländer dabei, marktbasierte Instrumente und Pilotprojekte vorzubereiten und umzusetzen. 

SEED – Startphasen für nachhaltige Inverstitionen

Zentrale Hindernisse bei der Finanzierung von klimafreundlichen Projekten in Schwellen- und Entwicklungsländern sind oftmals fehlende technische Kapazitäten und finanzielle Ressourcen während der Projektentwicklungsphase. Eine Projektentwicklungsfazilität kann die Entwicklungsphase von Klimainvestitionsprojekten, die beispielsweise in Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und urbane Infrastruktur investieren, in der Projektplanung beschleunigen, die Qualität verbessern und sicherstellen, dass diese Projekte auch von Banken finanziert werden. Zudem ermöglicht es potenziellen Investoren auf eine Pipeline aus technisch robusten und finanziell soliden Klimafinanzierungsprojekten zuzugreifen.

Die Bandbreite an IKI-Förderung reicht von der finanziellen Unterstützung bei Machbarkeitsstudien und Business-Plänen in der Vor-Investitionsphase bis hin zur technischen Unterstützung von Projekten in der Spätphase der Projektentwicklung bzw. der Investition in Startkapital, um hohe anfängliche Kosten bzw. Risiken für die Auftraggeber und Investoren zu reduzieren. Damit können die für die Projektentwicklungsphase typischen finanziellen Barrieren überwunden werden.

Neben der Beratung von Investoren unterstützt die IKI Projekte, die sich auf die Vorbereitung von Investitionen in Klimaschutz und Klimaanpassung für politische Partner und lokale Regierungen in der kritischen Frühphase der Projektplanung fokussieren.

Ausgewählte Projekte:

Grüner Klimafonds (Einzahlung von IKI-Mitteln)

City Climate Finance Gap Fund I - World Bank

City Climate Finance Gap Fund II - EIB

Seed Capital Assistance Facility (SCAF)

Seed Capital Assistance Facility: Erschließung privater Finanzmittel für die Wiederherstellung von Wald und Landschaft (SCAF-FLR)

Beratungsfazilität für Städte und Kommunen zur Finanzierung von Minderungsmaßnahmen im Bereich nachhaltiger Energieversorgung (FELICTY)

UN-Anpassungsfonds (Einzahlung von IKI-Mitteln)

Innovative Finanzierungsinstrumente

Instrumente, die Anreize setzen oder verstärken, um möglichst viele öffentliche und private Finanzflüsse zu mobilisieren und in Klima- und Anpassungsinvestitionen zu leiten, sind für die internationale Klimafinanzierung von großer Bedeutung. Im Minderungsbereich geht es hauptsächlich um die Förderung von Investitionen in Erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Zu den Instrumenten zählen beispielsweise die Bereitstellung von Kreditlinien zur Refinanzierung spezifischer Kreditprogramme lokaler Finanzinstitute oder die Unterstützung von Instrumenten der gemischten Finanzierung („Blended Finance“) zur Reduzierung der Risiken für Investitionen des Privatsektors beispielsweise durch Eigenkapitalbeteiligungen in Erstverlusttranchen.

Die IKI hat sich in diesem Sinne bereits 2008 an der Gründung des strukturierten Fonds Global Climate Partnership Fund (GCPF) beteiligt. Der GCPF ermöglicht Investoren Beteiligungen in verschiedenen Risikotranchen, wobei öffentliche Geber das höchste Kreditausfallrisiko (sog. „first loss“) tragen und somit Investitionen von Privatinvestoren attraktiver machen. Gleichzeitig fördert die IKI innovative Finanzinstrumente wie die Währungsabsicherungsfazilität (The Currency Exchange Fund, TCX). Der TCX versucht eine der großen Herausforderungen für Empfänger von Klimafinanzierung zu lösen und sichert Währungsschwankungen ab.

Im Bereich Anpassung zählen Klimarisikoversicherungen, die beispielsweise landwirtschaftliche Produktionsausfälle gegen Wetterextreme absichern, oder integrierte Ansätze zum Klimarisikomanagement zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit zu den Instrumenten zur Mobilisierung privater und öffentlicher Investitionen.

Ausgewählte Projekte:

Währungsrisikoabsicherungsfazilität für erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Afrika

Globaler Klimaschutzfonds

Klimarisikoversicherungen und Anpassung in der Karibik (CRAIC)

Anpassung von öffentlichen Investitionen an den Klimawandel

Anpassung an den Klimawandel in der Karibik: die EbA-Fazilität

Aufbau von Ressourcen und Kompetenzen (Capacity Building) im Bankensektor

Die mangelnde Verfügbarkeit von geeigneten Finanzierungsmöglichkeiten ist nach wie vor ein großes Hindernis für Investitionen in Klimaschutzprojekte und Anpassungsmaßnahmen. Ein Hauptgrund ist das fehlende Bewusstsein von Banken und Investoren für die Chancen von klimafreundlichen Investitionen, wie z. B. in Erneuerbare Energien oder Energieeffizienz, was wiederum zu einer übermäßigen Risikowahrnehmung führt. Die IKI fördert daher Maßnahmen, die Ressourcen und Kompetenzen vor allem in privaten nationalen Finanzierunginstitutionen entwickeln (Capacity Development). So erhöht sich die Bereitschaft des Finanzsektors, sich für die Finanzierung von Klimaschutzprojekten und Anpassungsmaßnahmen zu engagieren sowie neue klimaresiliente Finanzprodukte zu entwickeln und umzusetzen. Zu den geförderten Maßnahmen zählen unter anderem die Verbesserung der institutionellen Rahmenbedingungen in den Finanzinstitutionen sowie die Schulung von Mitarbeitenden zur Entwicklung von Klimafinanzprodukten, Bewertung klimafreundlicher Investitionen und die Prüfung von Kreditanträgen im Bereich „Green Financing“.

Ausgewählte Projekte:

LAC Green Finance Facility

Green Banking - Capacity Building zur Finanzierung von erneuerbaren Energien und Klimaschutz

Transformative Projektpipelines für die NDC-Implementierung

Finanzielle Inklusion und Klimaschutzpolitik Initiative zum wechselseitigen Lernen (FICC)

Finanzmarktentwicklung (Art. 2.1.c des Pariser Klimaschutzabkommens)

Um die Klimafinanzierungsziele sowie einen kohlenstoffarmen und klimaresilienten Entwicklungspfad zu erreichen, muss ein Mainstreaming von Klimakriterien in allen Investitionsentscheidungen stattfinden. Zugleich ist es notwendig, politische und regulatorische Rahmenbedingungen zu schaffen, die Anreize zur Umlenkung dieser großen Mengen an Investitionen setzen.

Die IKI fördert Ansätze, die politische Entscheidungstragende sowie private und multilaterale Finanzinstitute dabei unterstützen, die Umlenkung der Investitionen zu ermöglichen. Hierbei werden zum einen Risiken im Zusammenhang mit der Umstellung auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft (Transitionsrisiken) modelliert und damit messbar gemacht sowie zugleich Investitionspotentiale für private und öffentliche Finanzmarktakteure aufgezeigt.

Ausgewählte Projekte:

Lenkung der Finanzströme in Einklang mit Art. 2.1.c des Paris Abkommens

Beschleunigung der Klimafinanzierungswirkung zur Ergänzung des Momentum des Übereinkommens von Paris

Mobilisierung privater Mittel

Zur Erreichung der Klimafinanzierungsziele ist die Mobilisierungsrate privater Klimafinanzierung ein wichtiges Element. Bisher bleibt die Mobilisierungsrate privater Investitionen hinter den Erwartungen zurück. Über öffentliche Mittel können Barrieren für private Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen reduziert werden sowie dauerhaft Anreize für private Investitionen gesetzt werden. Neben der direkten Mobilisierungswirkung sind auch strukturelle Veränderungen – vor allem über Regularien und Gesetze – als Beitrag zu einer nachhaltigen Finanzmarktentwicklung in den Partnerländern von entscheidender Bedeutung.

In der internationalen Klima- und Entwicklungsfinanzierung wird das Konzept der gemischten Finanzierung („Blended Finance“) strategisch zur Mobilisierung privater Kapitalströme in Schwellen- und Entwicklungsländern eingesetzt. Die IKI nutzt das Konzept, um die private Finanzierung auf Entwicklungsländer auszurichten und diese maßgeblich zu erhöhen. Im Minderungsbereich gibt es bereits funktionierende Geschäftsmodelle, insbesondere im Bereich Energieeffizienz und Erneuerbare Energien. Bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels ist die Mobilisierung privater Investitionen herausfordernder. Es gibt jedoch erste innovative Ansätze, die beispielsweise Institutionen dabei unterstützen, Mikrokredite und Beratung für ökosystembasierte Anpassungsmaßnahmen bereitzustellen.

Kohlenstoffmarktentwicklung (Art. 6 des Pariser Klimaschutzabkommens)

Der globale Kohlenstoffmarkt basiert auf dem Ansatz, Treibhausgasemissionen durch den Handel von Zertifikaten einen Preis zu geben. Die Idee ist, dass somit ein Anreiz entsteht, Emissionen insbesondere dort zu reduzieren, wo dies zu den geringsten Kosten möglich ist. Das Kyoto-Protokoll von 1997 hat dafür verschiedene Instrumente eingeführt: den Handel mit Emissionsrechten in Emissionshandelssystemen (ETS) sowie projektbasierte Mechanismen wie Clean Development Mechanism (CDM) und Joint Implementation (JI), die allesamt auf handelbaren Zertifikaten basieren.

Auch das Pariser Klimaschutzabkommen enthält in Artikel 6 einen Wegweiser zur Entwicklung eines globalen Kohlenstoffmarktes. Er schafft die rechtliche Basis zur Einführung von Kooperationsmechanismen, die einen Transfer von Zertifikaten ermöglichen und zur Ambitionssteigerung der Staaten beitragen sollen. Grundlage hierfür ist jedoch ein robustes Regelwerk, das unter anderem ein transparentes Anrechnungssystem (Accounting) enthält und dessen konkrete Ausgestaltung weiterhin verhandelt wird.

Die IKI fördert Projekte, welche die Entwicklung eines globalen Kohlenstoffmarktes mithilfe verschiedener Foren. eine globale Ausrichtung, robuste Regeln und Standards für die Nutzung von Kohlenstoffmärkten entwickeln und den Wissenstransfer zwischen den Ländern organisieren. Zudem werden Partnerländer dabei unterstützt, marktbasierte Instrumente wie Emissionshandelssysteme vorzubereiten und umzusetzen. 

Ausgewählte Projekte:

Verbindung von Marktmechanismen und Klimafinanzierung in Afrika

Westafrikanische Allianz für Kohlenstoffmärkte und Klimafinanzierung

Vorbereitung eines Emissionshandelssystems (ETS) in Mexiko

Partnership for Market Readiness (PMR)

Biodiversitätsfinanzierung

Die IKI unterstützt ihre Partnerländer bei der Inwertsetzung und Mobilisierung von Ressourcen für den Biodiversitätsschutz mit vielfältigen und verschiedenen Ansätzen, beispielsweise durch die Vermarktung biodiversitätsfreundlicher Produkte, der Integration von Biodiversität in den Privat- und Finanzsektor oder auch die Förderung von Ökotourismus.

Weitere Informationen zur Arbeit der IKI im Bereich Biodiversitätsfinanzierung gibt es im Themenbereich Biodiversität.

Weitere Informationen

Mobilising Climate Finance

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