Nachhaltige Stadtentwicklung

Mehr als die Hälfte aller Menschen lebt heute in Städten, im Jahr 2050 werden es sogar zwei von drei Menschen sein. Dieser anhaltende Urbanisierungsschub wird überwiegend in Ballungsräumen von Schwellen- und Entwicklungsländern stattfinden. Bestehende Mittel- und Großstädte werden wachsen, neue werden entstehen.

Wir kennen Städte als Zentren für Kultur, Wirtschaft, Jobs und Innovation. Doch Städte sind gleichzeitig auch die größten Energieverbraucher und CO2-Verursacher der Welt. Eine klimafreundliche Zukunft und die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5°Celsius sind ohne ihren Beitrag nicht erreichbar.

Quito, Ecuador. Foto: Oliver Hölcke

Viele Städte haben bereits Pläne entwickelt, um Ihre CO2-Emissionen zu senken und sich auf Folgen des Klimawandels vorzubereiten, denn:  Wirbelstürme, Trockenheit, Überschwemmungen und Hitzewellen nehmen in Häufigkeit und Intensität zu und verursachen enormes menschliches Leid und wirtschaftlichen Schaden.

Klimaneutrale Städte – Herausforderungen und Chancen

Die Schlüsselrolle von Städten als Akteure im Klimaschutz wurde erstmals 2015 formell bei den Klimaverhandlungen im Rahmen der COP 21 in Paris anerkannt. Auf dem dritten UN-Gipfel zu Wohnungswesen und nachhaltiger Stadtentwicklung – der Habitat III-Konferenz im Oktober 2016 in Quito – wurden mit der „New Urban Agenda“ auch globale Ziele und Orientierungen zur nachhaltigen Stadtentwicklung verankert.

Die Agenda 2030 unterstreicht in Form des SDG 11 – „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ – ebenfalls den wichtigen Beitrag den Städte leisten, um die Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

Diese Beispiele zeigen nicht nur die zunehmende Verankerung von nachhaltiger Stadtentwicklung in internationalen Abkommen, sondern auch die wachsende Bedeutung der städtischen Perspektive für nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz.

Obwohl das Leben in Städten nicht im Wiederspruch zu einer ressourcenschonenden Lebensweise steht, sind Städte für rund 70 Prozent der globalen, energiebedingten CO2-Emissionen verantwortlich (UN-Habitat 2011): Durch Infrastruktur- und Gebäudeprojekte wird Fläche versiegelt und Biodiversität bedroht. Gleichzeitig sind Städte in besonderem Maße von den Auswirkungen des Klimawandels wie Wasserknappheit, Hitzestress, steigenden Meeresspiegeln, Überschwemmungen und Stürmen betroffen. Deshalb gilt es die fortschreitende Urbanisierung in nachhaltige Bahnen zu lenken. Dies kann nur gelingen, wenn Städte aller Größen bei dieser Herausforderung ausreichend unterstützt werden.

Der Bericht des Weltklimarates zum 1,5 Grad Ziel aus dem Jahr 2018 zeigt nicht nur die wachsende Bedeutung von Städten als menschlichem Lebensraum, sondern auch wie sehr diese vom fortschreitenden Klimawandel betroffen sind. Anderseits zeigt die Zusammenfassung dieses Berichts auch, dass Städte eine zentrale Rolle spielen, nationale und internationale Klima- und Biodiversitätsschutzziele zu erreichen. Der Bericht des UN-Umweltprogrammes zusammen mit dem internationalen Ressourcen Panel unterstreicht dies nochmals in dem er aufzeigt, dass Urbanisierung nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance für globale Nachhaltigkeit sein kann.

Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) als Förderinstrument für nachhaltige Stadtentwicklung

Die Bedeutung der Städte für den Klimaschutz spiegelt sich auch in der Förderausrichtung der IKI wider. Das Thema „Nachhaltige Stadtentwicklung“ ist bereits seit 2015 einer der bereichsübergreifenden Förderschwerpunkte. Die IKI-Projekte unterstützen die Partnerländer und Städte bei der Entwicklung von Strategien für nachhaltige, klimafreundliche und resiliente Stadtentwicklung sowie für urbane Biodiversität. Dabei stehen integrative und nachhaltige Ansätze für die Entwicklung urbaner Räume im Mittelpunkt. Der Kapazitätsaufbau betrifft die nationale und lokale Ebene und findet über Wissenstransfer, Technologiekooperation, Politikberatung und Investitionen statt.

Bei den Maßnahmen zum städtischen Klimaschutz liegen die Schwerpunkte der unterstützten Maßnahmen auf der Entwicklung von lokalen Klimaaktionsplänen, auf der vertikalen Integration von Klimaschutzstrategien und Politiken sowie auf Finanzierungsmechanismen für Klimaschutzaktivitäten. So beraten beispielsweise städtische Klimaschutzberaterinnen und -berater in neun afrikanischen Großstädten die jeweiligen Stadtverwaltungen dabei, ambitionierte Klimaaktionsplänen zu erarbeiten, die die Umsetzung nationaler Klimaschutzziele unterstützen.

Im Bereich der Anpassung an den Klimawandel liegt der Schwerpunkt auf der Stärkung der urbanen Resilienz. Ziel ist es, die Städte besser auf die Herausforderungen des Klimawandels vorzubereiten und Gefahren für Mensch und Wirtschaft zu reduzieren. reduziert werden können.

Die Maßnahmen zur urbanen Biodiversität legen einen Fokus darauf, Ökosystemleistungen in die Stadtentwicklung zu integrieren und natur-basierte Lösungen (nature-based solutions) zu fördern. In San Jose, Costa Rica, trägt beispielsweise die Einrichtung von Biokorridoren dazu bei, die Wasserversorgung, die Regulierung des Mikroklimas und Erholungsflächen wiederherzustellen. So wird letztlich auch das Wohlbefinden der Stadtbevölkerung in der Metropolregion verbessert.

Wie Städte ihren Umbau finanzieren können

Weltweit müssen bis 2030 über 65 Billionen US Dollar in den Bau von nachhaltigen Infrastrukturen in Städten investiert werden. Dies entspricht 70 Prozent der benötigten Investitionen in nachhaltige Infrastruktur weltweit und fast dem Zwanzigfachen des Bruttoinlandsproduktes Deutschlands im Jahr 2018 (3.344 Milliarden).

Doch Städte scheitern oft schon am Anfang, wenn es darum geht, aus Ideen konkrete Projekte zu definieren und deren Machbarkeit zu prüfen. Die internationale Unterstützung von Projektentwicklungsfazilitäten oder Klimafonds fokussierte sich meist auf die Entwicklung von Klimaplänen vor oder der Weiterentwicklung und Finanzierung von Projekten nach dieser Phase. Ein globaler Klimafond soll diese Lücke schließen und Städten hierbei helfen.

Am 22. September 2019 verkündete Bundesumweltministerin Schulze auf dem Klimagipfel in New York die Gründung des Cities Climate Finance Gap Fund. Der Gap Fund stellt Städten in Entwicklungsländern Geld zur Verfügung, um mit Hilfe von Expertinnen und Experten nachhaltige Infrastrukturprojekte soweit zu entwickeln, dass Projektvorbereitungsfazilitäten diese weiter unterstützten können. Am Ende dieser Entwicklung stehen dann Investoren, die bereit sind, die Umsetzung zu finanzieren.

Insgesamt soll der Gap Fund mehr als 100 Million Euro an Zuschüssen erhalten und damit den Bau von urbanen Infrastrukturprojekten mit einem Gesamtwert von vier Milliarden Euro ermöglichen. Städte können damit einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Ziele des Pariser Klimaabkommens sowie der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung leisten.

Der Gap Fund ist Teil der Rahmeninitiative Leadership for Urban Climate Investment (LUCI), die für subnationale Akteure den Zugang zu Mitteln der internationalen Klimafinanzierung verbessern will. Ebenso kooperiert der Fond eng mit der Cities Climate Finance Leadership Alliance (CCFLA) als führende Plattform für internationale Zusammenarbeit und Wissensaustausch im Bereich subnationale Klimafinanzierung.

Der GAP Fund

Der City Climate Finance Gap Fund ist der erste globale Fonds, der die Städte der Welt bereits in einer sehr frühen Phase der Projektentwicklung unterstützt.

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