Brasilien

Das Land gehört zu den Schwerpunktländern, mit denen die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) besonders eng zusammenarbeitet.

Brasilien gehört zu den artenreichsten Ländern der Welt. Zu den bedeutenden Ökosystemen zählen beispielsweise der Regenwald im Amazonasbecken und der Atlantische Regenwald. Die ausgedehnten Waldgebiete spielen auch für den globalen Biodiversitäts- und Klimaschutz eine wichtige Rolle. Brasilien bietet zudem ein großes Potenzial für die Nutzung erneuerbarer Energien. So werden beispielsweise aktuell rund 80 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien gedeckt. 

Die Klimapolitik Brasiliens

Bis vor einigen Jahren hatte Brasilien eine Vorreiterrolle im Bereich Biodiversitäts- und Waldschutz mit einer sehr proaktiven und selbstbewussten Rolle bei den internationalen Klimaverhandlungen - insbesondere im Zusammenhang mit dem REDD+-Rahmenwerk zur Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Waldzerstörung. Seit 2019 haben Klimaschutz und der Erhalt der Waldlandschaften im Land jedoch nur noch einen geringen Stellenwert auf der nationalen politischen Agenda. Mehrere Bundesstaaten haben sich deswegen eigene, ambitioniertere Klimaziele gesetzt.

Brasilien hat im April 2022 sein zweites Update der nationalen Klimaschutzziele (Nationally Determined Contribution, NDC) vorgelegt. Es fand kein Konsultations- oder Beteiligungsprozess unter Einbeziehung subnationaler Regierungsvertreter, Akteure der Zivilgesellschaft, des Privatsektors oder der Wissenschaftsgemeinschaft statt. Mit dem zweiten Update bestätigte Brasilien sein 2021 angekündigtes Ziel der Treibhausgasneutralität für 2050. Außerdem teilte es mit, dass das Ziel für 2030 eine Emissionsreduktion von 50 Prozent (zuvor 43 Prozent) sein werde. Brasilien aktualisierte erneut sein Referenzniveau von 2005 anhand seiner im Dezember 2021 veröffentlichten 4. Nationalen Mitteilung. Hieraus resultierte keine gestiegene Ambition für die Reduktionsziele in den Jahren 2025 und 2030 im Vergleich zum ursprünglichen NDC in Bezug auf die absoluten Emissionsminderungen. Obwohl die Regierung einige Pfadkorrekturen vorgenommen hat, nähert sich diese Aktualisierung nur der ersten NDC-Einreichung 2016. Informationen zur Anpassung wurden wieder integriert und mit dem nationalen Anpassungsplan verknüpft, nachdem sie in der ersten Aktualisierung weggelassen worden waren. Sektorale indikative Teilziele als Grundlage für mögliche sektorale Emissionsziele aus dem ehemaligen Anhang zum NDC werden weiterhin nicht mehr erwähnt. Internationale Initiativen, die von der brasilianischen Regierung während der COP 26 unterzeichnet wurden, wie das sektorale Ziel von null illegaler Entwaldung bis 2028 (Declaration on Forests), werden erwähnt, aber das 30-Prozent-Methanziel (Global Methane Commitment) bis 2030 nicht. Die Option, die Klimaneutralität Brasiliens im Jahr 2050 anzustreben, wird bestätigt und nicht mehr an finanzielle Bedingungen geknüpft. 2016 hatte das Land einen Nationalen Anpassungsplans (NAP) verabschiedet. 

Bereits 1992 hatte Brasilien als erstes Land das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) unterzeichnet und 1994 ratifiziert. Mit etwa 30 Prozent der Landfläche und etwa 27 Prozent der Meeresfläche in Schutzgebieten hat das Land das Aichi-Ziel 11 zum Schutz der biologischen Vielfalt bereits übertroffen. Brasilien hat 2013 bereits den zweiten, auf die Aichi-Ziele abgestimmten nationalen Aktionsplan (National Biodiversity Strategies and Action Plans, NBSAP) verabschiedet. 

Arbeitsschwerpunkte der Internationalen Klimaschutzinitiative

Die Schwerpunkte der IKI-Arbeit in Brasilien lagen ursprünglich im Bereich Waldschutz, Biodiversität und Schutzgebietsmanagement. Durch die gemeinsame bilaterale Projektauswahl verschob sich 2015 der Schwerpunkt auf den Bereich Minderung von Treibhausgasemissionen und die Ausrichtung der Klimapolitik entlang des Pariser Klimaabkommens. 

Die Arbeitsschwerpunkte der bilateralen IKI-Projekte liegen derzeit im Bereich Emissionsminderung. Hier werden u.a. Projekte zu nachhaltiger Stadtentwicklung und Abfallwirtschaft sowie zu alternativen Kraftstoffen durchgeführt. Außerdem gibt es Projekte zur Unterstützung des NAP und Projekte in den Bereichen Schutzgebietsmanagement, Waldschutz in der Mata Atlântica sowie Schutz von Meeres- und Küstenbiodiversität. Aus regionalen Projekten kommt der Schwerpunkt pariskonforme Finanzmarktentwicklung hinzu.

Aufgrund der aktuellen politischen Situation wurde der Ländercall der IKI mit Brasilien in der Vorbereitung gestoppt. Eine Zusammenarbeit wird allerdings weiterhin angestrebt.

In Kürze

Region: Südamerika

Einwohnerzahl: 214,0 Millionen (Weltbank, 2021)

CO2eq-Emissionen gesamt (inkl. LULUCF): 1,548 Milliarden Tonnen (Climate Action Tracker, 2020)

CO2-Emissionen pro Kopf: 2,1 Tonnen (Weltbank, 2019) 

IKI-Projekte im Land (Stand: Juni 2022):

  • bilateral: 12 laufend, 23 abgeschlossen
  • regional:10 laufend, 4 abgeschlossen
  • global: 23 laufend, 14 abgeschlossen

Climate Action Tracker

NDC-Status

 IKI-Partnerministerien:

  • Umweltministerium (MMA)
  • Wirtschaftsministerium (ME)
  • Energieministerium (MME)
  • Landwirtschaftsministerium (MAPA)
  • Städteministerium (MC)
  • Wissenschaftsministerium (MCTI)
  • Ministerium für regionale Entwicklung (MDR),
  • Ministerium für Infrastruktur (MI)
  • Außenministerium MRE (ABC)

Schnittstellenprojekt

In den meisten Schwerpunktländern der IKI gibt es sogenannte IKI-Schnittstellenprojekte, die feste Projektbüros in den Hauptstädten haben. Neben ihrem eigenen landesspezifischen Projektauftrag gehört es zu den Aufgaben der Schnittstellenprojekte, engen Kontakt zu den Umwelt- und Klimaministerien zu halten sowie die klima- und biodiversitätspolitische Vernetzung mit anderen relevanten Ministerien sicherzustellen. Darüber hinaus arbeiten die Schnittstellenprojekte daran, alle IKI-Projekte im Land und in der Region miteinander zu vernetzen und so Synergien zu fördern.

In Brasilien wird die Schnittstellenfunktion derzeit vom Projekt Klimapolitik Programm Brasilien (PoMuC) übernommen. 

Schwerpunkte des Projekts 

  • Transparenzsystem;
  • Internationales Finanzinstrument zur Verringerung von Emissionen aus Entwaldung (REDD+);
  • Klimafinanzierung;
  • Grünes Wachstum und Emissionsregister;
  • Bundesprogramm für Umweltdienstleistungen;
  • Subnationale Klimaagenda 
  • Funktion als IKI-Schnittstelle: Förderung des Dialogs über Klima und Biodiversität zwischen den IKI-Projekten im Land sowie zwischen weiteren Akteur*innen (Vernetzungsangebote und Wissensmanagement)
     

Der Link wurde in die Zwischenablage kopiert