Indien

Das Land gehört zu den Schwerpunktländern, mit denen die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) besonders eng zusammenarbeitet.

Indien ist mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohnern zentrales Partnerland der IKI, denn: Das Land spielt mit seiner wachsenden Bevölkerung eine Schlüsselrolle bei der Lösung weltweiter Herausforderungen, zum Beispiel beim Klimaschutz und dabei, die Entwicklungsziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen zu erreichen. 

Zudem gehört Indien zu den sogenannten Megadiversity-Ländern und zeichnet sich durch eine extrem hohe Artenvielfalt aus. Gleichzeitig finden sich dort sogenannte Biodiversity Hotspots, also Orte, an denen diese große Artenvielfalt stark bedroht ist.

Die Klimapolitik Indiens

Im Oktober 2015 hatte Indien das erste (I)NDC (Nationally Determined Contribution) bei UNFCCC eingereicht, es umfasst drei Hauptelemente:

  • ein wirtschaftsweites Ziel für die Emissionsintensität von 33 bis 35 Prozent unter dem Niveau von 2005;
  • ein Ziel für die Stromerzeugungskapazität von 40 Prozent installierter Kapazität aus nicht-fossilen Energiequellen bis 2030, das mit internationaler Unterstützung erreicht werden soll); 
  • das Ziel, bis 2030 eine zusätzliche (kumulative) Kohlenstoffsenke von 2,5-3 GtCO2e durch zusätzliche Wald- und Baumbestände zu schaffen.

Die Dokumente des Nationalen Klimaaktionsplans von 2008 (NAPCC) und die subnationalen Klimaschutzpläne wurden an das NDC angepasst. Es wurden acht staatliche Aktionspläne unter dem NAPCC überarbeitet um das NDC und die UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDG) in Einklang zu bringen.

Im August 2022 hat Indien das aktualisierte NDC im Parlament verabschiedet, um es an UNFCCC zu senden. Dort sind unter anderem folgende Ziele enthalten: 

  • Kohlenstoffneutralität bis 2070;
  • Deckung des Energiebedarfs mit 50 Prozent erneuerbaren Energien (Kapazität) bis 2030;
  • Verringerung der Kohlenstoffintensität des BIP um 45 Prozent bis 2030;
  • das Konzept des Premierministers einer Massenbewegung für "LIFE" - "Lifestyle for Environment" als Schlüssel zur Bekämpfung des Klimawandels. 

Indien hat das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) unterzeichnet. Der 2002 erlassene Biological Diversity Act zur Umsetzung des Übereinkommens umfasste den Erhalt der biologischen Vielfalt, die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt sowie eine faire und gerechte Aufteilung der Vorteile, die sich aus der biologischen Vielfalt ergeben.

Zu seiner Umsetzung sieht das Gesetz eine dreistufige Struktur vor, die aus einer nationalen Biodiversitätsbehörde (NBA) auf nationaler Ebene, staatlichen Biodiversitätsausschüssen (SBBs) auf staatlicher Ebene und Biodiversitätsmanagementausschüssen (BMCs) auf lokaler Ebene besteht. 

Die Umsetzungsfähigkeit des Biological Diversity Act ist durch die Etablierung des National Green Tribunal (NGT) gestärkt. Gegenwärtig wird ein Vorschlag zur Änderung des Gesetzes über die biologische Vielfalt von 2002 – eingebracht durch Umweltminister Bhupendra Yadav im Dezember 2021 – diskutiert. 

Arbeitsschwerpunkte der Internationalen Klimaschutzinitiative

Der Schwerpunkt der Kooperation mit Indien liegt auf dem IKI-Förderbereich Minderung von Treibhausgasen und im Bereich der Klimapolitik. Im Vordergrund steht dabei die Unterstützung bei der Umsetzung des 2008 beschlossenen National Action Plan on Climate Change (NAPCC). 

Im Bereich Minderung fokussiert die IKI auf technologische und soziökonomische Aspekte einer nachhaltigen Energieversorgung. Der Ländercall 2019 umfasste entsprechend einen Förderschwerpunkt „Speichertechnologie für erneuerbare Energie“, und das thematische Auswahlverfahren 2019/1 einen Förderschwerpunkt, der das Thema „Just Energy Transition“ adressiert. 

Zudem wird die IKI im Förderbereich Wiederherstellung natürlicher Kohlenstoffsenken Unterstützungsleistungen über ein neues Verbundvorhaben zum Waldschutz leisten, das ebenfalls im Rahmen des Ländercalls konzipiert wird (Förderschwerpunkt: Bonn Challenge - Wiederherstellung von Waldlandschaften und Erprobung neuer Modelle in der Forstwirtschaft). 

Deutsch-indische Zusammenarbeit

Für den regelmäßigen bilateralen politischen Austausch zwischen Indien und Deutschland haben etablierte Dialogformate wie beispielweise das Deutsch-Indische Umweltforum oder das Deutsch-Indische Energieforum mit einer Reihe von themenspezifischen Arbeitsgruppen (Klima, Wasser, Abfall, Stadt, Biodiversität) einen hohen Stellenwert. Im Februar 2021 fand beispielsweise das zweite Treffen der Indo-German-Joint Working-Group on Biodiversity statt. Die indische National Biodiversity Authority stellte während des Treffens mehrere Projektideen zur Erweiterung des IKI-Portfolios im Bereich der Biodiversität vor, die mit den Teilnehmenden diskutiert wurden. Darüber hinaus besteht zwischen Indien und Deutschland eine Energiepartnerschaft.

In Kürze

Region: Südasien

Einwohnerzahl: 1,39 Milliarden (Weltbank, 2021)

CO2eq-Emissionen gesamt (inkl. LULUCF): 2,589 Milliarden Tonnen (Climate Action Tracker, 2016)

CO2-Emissionen pro Kopf:1,8 Tonnen (Weltbank, 2019)  

IKI-Projekte im Land (Stand: Juni 2022):

  • bilateral:14 laufend, 17 abgeschlossen
  • regional: drei laufend, vier abgeschlossen
  • global: 28 laufend, 20 abgeschlossen

Climate Action Tracker

NDC-Status

 IKI-Partnerministerien:

  • Ministry of Environment, Forest and Climate Change (MoEFCC)
  • Ministry of Housing and Urban Affairs (MoHUA)
  • Ministry of Commerce and Industry (MoCI)
  • Ministry of Science and Technology (MoST)
  • Ministry of Power (MoP)
  • Ministry of New and Renewable Energy (MNRE)
  • Ministry of Coal (MoC)
     

Schnittstellenprojekt

In den meisten Schwerpunktländern der IKI gibt es sogenannte IKI-Schnittstellenprojekte, die feste Projektbüros in den Hauptstädten haben. Neben ihrem eigenen landesspezifischen Projektauftrag gehört es zu den Aufgaben der Schnittstellenprojekte, engen Kontakt zu den Umwelt- und Klimaministerien zu halten sowie die klima- und biodiversitätspolitische Vernetzung mit anderen relevanten Ministerien sicherzustellen. Darüber hinaus arbeiten die Schnittstellenprojekte daran, alle IKI-Projekte im Land und in der Region miteinander zu vernetzen und so Synergien zu fördern.

In Indien wird die Schnittstellenfunktion derzeit vom Projekt Indo-German Support project for Climate Action in India übernommen. 

Schwerpunkte des Projekts 

  • Einführung von Methoden zur Erzielung von Klimazusatznutzen für Programme und Vorhaben der indischen Regierung (zum Beispiel Bonn Challenge oder Co-Benefits von Klimaschutz-Maßnahmen);
  • Förderung der Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor, um den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu unterstützen; 
  • Funktion als IKI-Schnittstelle: Förderung des Dialogs über Klima und Biodiversität zwischen den IKI-Projekten im Land sowie zwischen weiteren Akteur*innen (Vernetzungsangebote und Wissensmanagement)

Kontakt zum Projekt

Der Link wurde in die Zwischenablage kopiert